Reservationspflicht: SBB ziehen Bilanz

Im März 2021 haben die SBB die Reservationspflicht für den Transport von Fahrrädern in Zügen ausgedehnt. Ende Oktober zog die Bahn eine positive Bilanz und versprach gleichzeitig, mehr Veloplätze zu schaffen.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
News, 29.10.2021

Seit 21. März 2021 gilt bei den SBB eine erweiterte Reservationspflicht für den Velotransport. Zwischen Freitag und Sonntag gilt die Reservationspflicht nicht mehr nur auf den ICN-Verbindungen, sondern auch auf allen IC-Linien.

Während die Reservationspflicht bei Velo fahrenden Personen nicht durchs Band gut ankam, ziehen die SBB sieben Monate später eine positive Bilanz. Trotz des schlechten Wetters sei die Nachfrage nach Veloplätzen im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gestiegen, schreibt die Bahn in einer Medienmitteilung.

«Die SBB konnten diesen Spitzenwert dank des Kapazitätsausbaus beim Veloselbstverlad und dem Einsatz von zusätzlichem Personal meistern.»

SBB Medienmitteilung

Seit der Ausdehnung der Reservationspflicht auf dem IC-Netz im März seien 169’000 Reservationen – rund 761 pro Tag – getätigt worden. Am meisten Reservationen verzeichnete die Bahn am 18. Juli. An diesem Sonntag reservierten rekordverdächtige 2537 Personen einen Platz für ihr Fahrrad im Zug.

«Die SBB konnten diesen Spitzenwert dank des Kapazitätsausbaus beim Veloselbstverlad und dem Einsatz von zusätzlichem Personal meistern», heisst es in der Mitteilung.

SBB rütteln nicht an Reservationspflicht

Entgegen dem Wunsch vieler Personen nach einer Abschaffung der Reservationspflicht bleibt diese weiterhin bestehen. So lange die Nachfrage nach Veloplätzen in den Zügen das Angebot übersteige, wolle man an der Reservationspflicht festhalten, teilen die SBB mit.

Will heissen: Zumindest für die nächsten paar Jahre wird sich für Velofahrerinnen und Velofahrer nichts am System ändern.

Die SBB räumen aber ein, dass das Reservationssystem Mängel aufweist und optimiert werden muss. Die Bahn stellt auf die Saison 2023 Verbesserungen in Aussicht. Gleichzeitig teilen die SBB mit, dass auch die Kapazität für den Velotransport in den Zügen ausgebaut werden soll.

«Konkret werden ab Saison 2022 und in den Folgejahren bis 2025 mit dem Umbau von Wagen zweier Flotten über 400 zusätzliche Veloplätze in den Fernverkehrszügen geschaffen.» Für Reisende ins Wallis stünden bereits ab dem kommenden Jahr sieben bis neun zusätzliche Veloplätze auf einigen «stark nachgefragten Zügen» bereit.

Längerfristig wolle man die höhere Nachfrage nach Veloplätzen auch bei der Beschaffung von neuem Rollmaterial stärker berücksichtigen.  

Interesseverbände zeigen sich erfreut …

In einer gemeinsamen Stellungnahme zeigen sich Pro Velo und der Verkehrsclub der Schweiz VCS erfreut über die Ankündigung der SBB. Die zwei Verbände reichten im September zusammen mit weiteren Organisationen eine Petition am SBB-Hauptsitz in Bern ein, die die Abschaffung der Reservationspflicht und mehr Kapazität in den Zügen fordert. Mehr als 54'000 Personen hatten das Anliegen unterzeichnet.

Die Umrüstung des Rollmaterials entspreche den geforderten Verbesserungen, heisst es in der Stellungnahme. Die beiden Verbände werten sie als Schritt in die korrekte Richtung, da mehr Platz für Velos in den Zügen geboten wird.

«Es besteht jedoch dringender Handlungsbedarf», sagt VCS-Geschäftsführer Anders Gautschi. «Die Fahrradkapazitäten müssen so schnell wie möglich erweitert werden, auch bei der neueren Flotte.»

Pro-Velo-Präsident Matthias Aebischer stösst ins selbe Horn: «Die SBB müssen mehr tun. Aufgrund mangelnder Voraussicht wurde in aller Eile eine Reservationspflicht eingeführt, ohne dass sichergestellt wurde, dass ihre Anwendung wirklich den Bedürfnissen der Radfahrer entspricht.»

… weisen aber auf Verbesserungspotenzial hin

Verbesserungspotenzial verorten die Verbände einiges. So biete die Reservation via App – laut SBB die bevorzugte Methode in neun von zehn Fällen – etwa keine günstigsten Fahrkarten für Fahrten mit dem Velo an.

Auch sei es nicht möglich, einmal getätigte Reservationen zu stornieren. Weil die Platzreservationen an eine bestimmte Zugverbindung geknüpft sind, kommt es vor, dass Personen gleich für verschiedene Verbindungen Plätze sichern und dann einfach in jenen Zug einsteigen, der am besten passt. Mit dem Resultat, dass die reservierten, aber nicht benötigten Plätze im System als nicht verfügbar angezeigt werden.

«Aufgrund mangelnder Voraussicht wurde in aller Eile eine Reservationspflicht eingeführt, ohne dass sichergestellt wurde, dass ihre Anwendung wirklich den Bedürfnissen der Radfahrer entspricht.»

Matthias Aebischer

Die Reservation stelle zudem Familien oder Gruppen regelmässig vor Probleme. «Es ist unmöglich zu sehen, wie viele Plätze noch frei sind, und manchmal muss man für die ersten Buchungen bezahlen, ohne sicher zu sein, dass alle Familienmitglieder oder Gruppenmitglieder Platz haben», so das Fazit. Dass die SBB nun Verbesserungen ankündigten, sei begrüssenswert und dringend notwendig.

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