Runde mit Joker aber ohne Dame

Der Velobranchentreff «Infotech» in Nottwil wurde dieses Mal von über 900 Personen genutzt. Bei der traditionellen Diskussionsrunde Arena ging es um die Umsetzung des Veloweggesetzes und dessen Bedeutung für die Branche.

Pete Mijnssen ist Chefredaktor des Velojournals.

Pete Mijnssen, Chefredaktor (pete.mijnssen@velojournal.ch)
Kommentar, 19.01.2024

«Die Infotech 2024 im Zeichen verkehrspolitischer Umbrüche.» Dies war das Motto am ersten Abend in dem wie immer vollen Auditorium des Konferenzzentrums.

Nicht erst seit Corona ist bekannt, dass gute Veloinfrastruktur und geeignete Rahmenbedingungen das Geschäft beflügeln. Seit Anfang 2023 ist das Veloweggesetz in Kraft gesetzt, das ist auch für den Fachhandel von Belang.

Die Kantone haben fünf Jahre Zeit, um die Veloinfrastruktur zu planen und weitere 15 Jahre, um diese umzusetzen. Davon könnte auch der Fachhandel profitieren. «Steht das Velo-Business nun vor goldenen Zeiten», fragte der Verband Velosuisse im Vorfeld.

Auslegeordnung zum Veloweggesetz

Martin Urwyler vom Bundesamt für Strassen Astra skizzierte in groben Zügen den weiteren Verlauf. Thomas Binggeli, Gründer der Velofirma Thömus wünscht sich mehr Druck auf die Kantone und die Politik. Der Politik warf er vor, keinen Plan B zu haben. Etwa dafür, wenn die Ziele nicht erreicht werden und das Veloweggesetz ein Papiertiger bleibt.

Auch Pro Velo hat kürzlich moniert, dass erst wenige Kantone mit der Umsetzung begonnen haben. Einen möglichen Grund dafür schilderte Nationalrat Martin Haab (SVP, Zürich), der an diesem Abend als Bauernvertreter im Ring stand. Er kritisierte die fehlende Güter- und Interessensabwägung beim Gesetz. «Warum muss ein Veloweg direkt und parallel zur Strasse führen, wenn ein paar Meter weiter ein asphaltierter verläuft?» Er verstehe im übrigen nicht, warum Wald geschützt werde, aber Kulturland nicht. Eine Aussage, die in den anschliessenden Apérogesprächen für Gesprächsstoff sorgte.

Beat Stirnemann und Andi Stadler vertraten die sportiven Akteure und monierten den Behörden-Parcours und die Naturschutz-Auflagen. Es dauere bis zu vier Jahre, bis ein Biketrail gebaut sei. Und dennoch spürt Andi Stalder vom Mountainbike Verband IMBA «die Aufbruchstimmung». Der vielbeschworene Veloboom, ist er auch beim Nachwuchs spürbar? Ja, antwortete Beat Stirnemann, der Jugend&Sport-Angebote in Gränichen betreut: Die Anzahl Kinder sei vor der Pandemie von 30 auf 80 gewachsen. Das Bedürfnis wäre also ausgewiesen. 

Ein Joker, aber keine Frau

Die knappe Gesprächsstunde vermittelte eine Rundschau auf verschiedene Aspekte des Veloweggesetzes, viele davon schon bekannt. Zum Vertiefen blieb da nicht viel Platz. Immerhin erhielt der Fachhandel einen Einblick, wie Politik und Anspruchsgruppen in diesem Fall funktionieren. 

Leider fehlten die angekündigten Vertreter von Schweiz Mobil. Andi Stalder schlug sich in der Rolle als Joker und Mountainbike-Kämpfer aber tapfer und dürfte mit seiner Direktheit wohl vielen Anwesenden aus dem Herz gesprochen haben.

Bleibt noch die Frage, warum keine Frau auf dem Podium stand. Ist es 2024 noch immer nicht möglich, eine Vertreterin der Frauen dafür zu gewinnen, hinzustehen? Immerhin ist die Velobranche in den letzten Jahren weiblicher geworden, wie auch ein Blick in die Runde der Anwesenden zeigte. Da gibts noch Nachholbedarf – bei der Organisation und bei Protagonistinnen, die es wagen, den Mund aufzutun.

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