Julie Nielsen,
Redaktorin
(julie.nielsen@velojournal.ch)
News,
06.08.2021
Auf Schweizer Strassen gibt es immer mehr Unfälle mit E-Bikes. Die Baloise Versicherung stellte deshalb häufige Verkehrssituationen nach, um Verkehrsteilnehmende im Umgang mit den motorisierten Velos zu sensibilisieren.
Julie Nielsen,
Redaktorin
(julie.nielsen@velojournal.ch)
News,
06.08.2021
Immer mehr Menschen entscheiden sich, das Velo als Fortbewegungsmittel zu benutzen. Vor allem das E-Bike erfreut sich wachsender Beliebtheit. Mit der Zunahme der Velofahrenden steigen aber auch die Unfallzahlen. Die Anzahl Personen, die sich bei einem Unfall mit dem E-Bike schwer verletzt haben, nahm im Jahre 2020 mit 207 Verunfallten um knapp 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.
Die Baloise führte deshalb in Kooperation mit der Dynamic Test Center AG, der Verkehrspolizei Basel-Stadt und weiteren Akteuren Unfalltests durch. Dabei wurden alltägliche Situationen nachgestellt, die anschliessend von Fachpersonen analysiert wurden. Die Erkenntnisse zeigen, dass die Hauptursachen für Unfälle mit dem E-Bike die höhere Geschwindigkeit, fehlende Sichtbarkeit und dadurch resultierendes plötzliches Bremsen sind.
Bei einem ersten Crashtest wurde ein Unfall zwischen einem Auto und einem E-Bike nachgestellt. Dabei fuhren die beiden Fahrzeuge an einer Verzweigung im spitzen Winkel aufeinander zu. Durch den Winkel ist die Person auf dem Elektrovelo für den Autolenker nicht oder nur sehr eingeschränkt sichtbar.
Nach dem Crash analysierte die Verkehrspolizei die Unfallstelle und kam zum Schluss, dass es in einem solchen Fall für die Autofahrerin oder den Autofahrer schwierig ist, sich korrekt zu verhalten. Die Velofahrerin wird zu spät gesehen und ihre Geschwindigkeit vermutlich auch falsch eingeschätzt.
In den darauf durchgeführten Praxistests zeigte sich, wie schwierig es ist, die Geschwindigkeit von Velofahrenden richtig einzuschätzen: «Auf den ersten, schnellen Blick erkennt man oft nicht, dass es sich um ein E-Bike handelt. Wir schätzen aus unserem Erfahrungsfundus entsprechend eine Geschwindigkeit eines traditionellen Velos ein und sind dann überrascht, wie blitzschnell das Velo uns erreicht», erklärt Marius Bloch von der Dynamic Test Center AG.
Eindrücke der Crash-Tests.
Ein zweiter Crashtest zeigt die bekannte Problematik des toten Winkels. In einem simulierten Abbiegeunfall fährt der E-Biker mit 25 km/h rechts an einem Lastwagen vorbei, der gerade im Begriff ist, nach rechts abzubiegen. Solche Unfälle enden häufig tödlich.
Daniel Junker von der Baloise bemerkt: «In dieser Problematik ist die Sensibilisierung der Velofahrer, wie auch der Fussgänger zentral. Die moderne Technik bietet mittlerweile Assistenzsysteme an, welche den toten Winkel besser sichtbar machen. Leider sind jedoch längst nicht alle Lastwagen damit ausgerüstet. Als Velofahrerin oder Fussgänger gilt also: Lieber davon ausgehen, dass der Fahrer einen nicht sehen kann und einmal mehr vorsichtig sein.»
In beiden Tests zeigte sich auch, dass es mit gewöhnlichen Bremssystemen bei abrupten Bremsmanövern mit dem E-Bike brenzlig werden kann. Muss plötzlich gebremst werden, kann das Vorderrad blockieren oder seitlich wegrutschen. Auch kommt es häufig vor, dass bei einer Vollbremsung das Hinterrad abhebt, was zu einem Sturz führen kann. Die durchgeführten Tests zeigten, dass ein ABS-System solche Unfälle verhindern kann, weil Velofahrende beim Bremsen nicht die Kontrolle über das E-Bike verlieren. Jean-Marie Unterrassner von der Bike Factory zieht ein klares Fazit: «Ein E-Bike mit ABS bedeutet zwar eine Mehrinvestition, lohnt sich aber sehr schnell, wenn man dadurch einen Sturz verhindern kann».

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