Handwerker setzen auf Cargo-Velos

Velokuriere gehören längst zum Stadtbild. Mit dem Velo gelangt man schnell und zügig von A nach B. Doch das Velo ist auch für andere Dienstleistungen attraktiv, das entdecken mehr und mehr auch Gewerbetreibende.

Julie Nielsen, Redaktorin (julie.nielsen@velojournal.ch)
News, 23.02.2021

Handwerker haben einen engmaschigen Zeitplan. Häufig bleiben sie jedoch mit ihren Lieferwagen im städtischen Verkehr stecken oder verlieren viel Zeit bei der Suche nach einem Parkplatz. Abhilfe schafft das Velo: Ein Lastenvelo oder Velo mit Anhänger eignet sich hervorragend für den Transport einer Werkzeugkiste und dem gängigsten Reparaturmaterial. Auf diese Vorteile setzen auch die Firmen Skylla Strom oder Jardimat.

Jardimat ist ein Bieler Unternehmen, das Garten- und Hauswartungsdienstleistungen anbietet. Für die Aufträge in der Stadt Biel kommen nur noch das Elektro-Velo mit passendem Anhänger zum Einsatz. «Wir haben viele Liegenschaften die wir bewirtschaften in der Stadt Biel, zu denen fahren wir immer mit dem Velo» sagt Stéphanie Lefèvre, Chefin im Familienunternehmen. «Es ist superpraktisch, weil man keinen Parkplatz suchen muss.»

Ähnliche Erfahrung hat auch Reto Nyfeler, Mitgründer der Firma Skylla Strom in Zürich gemacht. Dank beschränkter Parkmöglichkeiten vor dem Firmengebäude und bei den Baustellen kam Nyfeler bald auf die Idee, platzsparende E-Bikes mit Anhänger und zwei Cargobikes anzuschaffen. Dass dazu sechs seiner Angestellten gar keinen Führerschein besitzen, förderte das Anliegen innerhalb der Firma zusätzlich. Trotz anfänglicher Skepsis gehören die Velos nun selbstverständlich zum Firmenalltag dazu und sind immer im Einsatz. Damit dies auch möglich ist, achtet die Firma darauf, hauptsächlich Aufträge auf Stadtgebiet anzunehmen.

«Es ist superpraktisch, weil man keinen Parkplatz suchen muss.»

Stéphanie Lefèvre

Doch nicht nur die praktischen Argumente zählen für Nyfeler, sondern auch die Umweltfreundlichkeit seiner Fahrzeuge liegt ihm am Herzen. Denn ganz ohne Autos geht es bei Skylla Strom nicht. Um eine Baustelle einzurichten, werden Lieferwagen benötigt. Allerdings wird da ebenfalls vorzugsweise auf Strom statt Benzin gesetzt. Skylla ist bereits seit Jahren im Besitz eines E-Autos, und weitere sollen dazu kommen. Anschliessend kommen aber wieder die Velos zum Einsatz.

«Ich sehe das total für die Handwerksbranche in der Stadt.»

Reto Nyfeler

Natürlich ist die Ladekapazität von einer Cargokiste oder einem Veloanhänger geringer als die eines Lieferwagens. «Normalerweise ist das zwar kein Problem, sollte aber deshalb trotzdem vor Ort Material fehlen, setzt Skylla auf die Zusammenarbeit mit dem Velokurier Veloblitz. Die Arbeit auf der Baustelle kann weitergehen, während innerhalb von einer halben Stunde die benötigten Sachen per Velokurier geliefert werden», erklärt Nyfeler.

In der Innenstadt sei die Velo-Lösung konkurrenzlos, sind sich Lefèvre und Nyfeler einig. «Ich sehe das total für die Handwerksbranche in der Stadt», sagt Nyfeler überzeugt. Kein Wunder entdeckt er immer häufiger Berufskollegen, die ebenfalls mit Lastenvelos oder Anhänger unterwegs sind. Sogar einen Bauern hat er kürzlich gesehen, wie er das Futter der Schweine mit dem Velo statt mit dem Traktor zum Trog gebracht hat.

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