Die Schweizer Velobranche hat 2024 eine weitere turbulente Saison hinter sich. Das geht aus dem soeben erschienenen Marktbulletin Velohandel Schweiz hervor. Gemäss Urs Rosenbaum vom Fachbüro Dynamot machten Lagerliquidationen der Schweizer Velobranche zu schaffen.
Handel und Lieferanten bemühten sich demnach, die nach den Covid-Jahren übervollen Lager zu leeren. Eine Aufgabe, die sich nach Aussage des Experten als schwieriger erwies als erwartet, da die Bestände aus den Vorjahren den prognostizierten Abverkauf deutlich übertrafen.
«Erschwerend kam hinzu, dass ein milder, aber sehr feuchter Jahresanfang die Kauflust bremste», analysiert Rosenbaum. Selbst langjährige Verkaufsschlager wie Mountain- und E-Mountainbikes blieben vermehrt in den Läden stehen. In der Folge versuchten Händler als auch Marken mit hohen Rabatten Kunden anzulocken. Zusätzlich heizte gemäss Marktreport die Auflösung der Migros-Fachmärkte SportX und Bike World den Preiskampf an, da deren Bestände zu jedem Preis liquidiert werden sollten.
Umsatz auf Vor-Covid-Niveau zurück
Die weitreichenden Liquidationsverkäufe und Preisnachlässe zeigten Wirkung: Im Jahr 2024 konnte der Schweizer Velohandel die Zahl der verkauften Velos und Elektrovelos um 7,1 Prozent auf rund 453’000 Stück steigern. Gleichzeitig sank der Gesamtumsatz gemäss Dynamot-Erhebung jedoch um 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,81 Milliarden Franken. Dies sei der tiefste Wert seit 2018, aber immer noch das sechstbeste Resultat in der Geschichte der Branche.
Gut entwickelt hat sich das Geschäft der Velowerkstätten. Sowohl Reparaturen als auch Servicearbeiten hätten dem Schweizer Velohandel so viel Umsatz wie noch nie zuvor beschert.
Was zieht: Gravelbikes, Rennvelos und Cargobikes
Trotz der allgemeinen Herausforderungen gab es auch positive Entwicklungen im Veloverkauf. Rennvelos und Gravelbikes erfreuten sich wachsender Nachfrage. Und auch mit Lastenrädern liess sich 2024 gut Geschäften. Urs Rosenbaum führt das Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf die Erweiterung des Angebots durch zahlreiche Hersteller zurück, die kürzere, handlichere und günstigere Modelle auf den Markt brachten.
Hier ein Plus, da ein Minus
Während Experte Rosenbaum bei seiner Analyse des Schweizer Velomarkts ein Plus für das vergangene Jahr rapportiert, fiel die Statistik des Schweizer Lieferantenverbandes Velosuisse deutlich negativer aus. 2024 wurden demnach knapp 14 Prozent weniger Velos und E-Bikes verkauft als im Jahr zuvor, als die Abnahme bereits rund 20 Prozent betragen hatte.
Falsch ist die Statistik von Velosuisse nicht. Allerdings gilt es diesbezüglich zu erwähnen, dass der Lieferantenverband nicht sämtliche Schweizer Anbieter abbildet – Baumärkte wie Jumbo oder bestimmte Versandhändler fehlen. Zudem berechent Dynamot gibt Abverkaufszahlen, während die Velosuisse-Statistik angibt, was an Wiederverkäufer geliefert wurde. Die Differenz ist, was aus Lagerbeständen abverkauft wurde.
Schwierige Prognose
Mit Blick auf das aktuelle Jahr scheint eine Prognose für die Entwicklung des Schweizer Velomarkts schwierig. Aufgrund der Rabattschlacht dürften viele Velos- und E-Bikes in der vergangenen Saison vor allem wegen dem Preis – und weniger auf Basis eines echten Bedürfnisses – gekauft worden sein. Schnäppchenjägerinnen und -jäger haben zugeschlagen und brauchen nun kein neues Rad mehr. Ob dieser Umstand hilft, die nach wie vor (über)vollen Lager auf allen Handelsstufen zu leeren, darf bezweifelt werden.







