Leicht, praktisch, digital: Das sind die E-Bike-Trends für 2024

E-Bikes mit tiefem Gewicht, vielseitigen Transportmöglichkeiten und smarten Funktionen liegen im Trend. Doch auch kraftvolle Modelle mit grosser Reichweite bleiben gefragt. Ein Überblick über die spannendsten Neuheiten.

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Fabian Baumann, Bernd Bohle
News, 06.02.2024

Das E‑Bike-Jahr 2024 scheint klar im Zeichen der sogenannten «Light Support»-E-Bikes zu stehen. Damit sind Modelle gemeint, bei denen dank kleinerer Akkus und kompakterer Motoren ein Gewicht von unter 20 kg erreicht wird.

Beispiele dafür sind etwa der «Swissrider» von Thömus, der je nach Ausstattung weniger als 12 kg auf die Waage bringt oder das «Upstreet SL 3.10» von Flyer, das mit Schutzbelchen und Gepäckträger knapp 18 kg wiegt.

Volker Dohrmann, Leiter Produkt, Strategie und Marketing beim Hamburger Velohersteller Stevens, nennt einige Vorteile der «leichten» Elektrovelos: «Die Räder fahren sich mehr wie ein herkömmliches Velo». Durch die kleineren Akkus und Starrgabeln anstelle von Federgabeln seien die E-Bikes auch günstiger in der Herstellung und man sähe manchen Modellen die E‑Unterstützung gar nicht mehr an, was das Thema noch interessanter mache.

Ist die Zeit der kraftvollen Antriebe und grossen Reichweiten dank riesigen Akkus also vorbei? Mitnichten. «Aus unserer Sicht ist das kein Gegentrend, sondern ein neues Feld wird erschlossen», sagt Silas Furrer, Produktmanager beim Schweizer E‑Bike-Pionier Flyer. Kraftvolle Elektrovelos mit grosser Akku-Kapazität und Reichweite blieben weiterhin gefragt.

Alternativen zum Lastenvelo

Für den städtischen Einsatz bleiben E-Cargobikes ein Trendthema. Das Segment legt stetig zu und wird immer facettenreicher. Viele Modelle sind auf die Ansprüche von Familien mit kleinen Kindern ausgelegt. Allerdings brauchen die Lastenvelos mehr Platz beim Abstellen und sind somit nicht für alle Personen eine Option.

Als Alternative kommen deshalb sogenannte Utility-Bikes auf den Markt. Diese zeichnen sich durch eine kompakte Bauart, meist mit kleinen Rädern und viele Gepäckmöglichkeiten aus. Beispiele sind etwa das Cago «CS 100» oder das «Multitinker» von Riese & Müller. Und auch das «Moca» der gleichnamigen Firma ist trotz seiner kompakten Bauweise für den Transport auch von sperrigen Lasten gedacht.

Höheres zulässiges Gesamtgewicht

Natürlich braucht es nicht unbedingt ein grosses Lastenrad, um die Kinder sicher in die Kita oder den Kindergarten zu chauffieren, den Wochenendeinkauf bequem nach Hause zu transportieren oder um mit dem Hund eine Velotour zu unternehmen. Dafür eignet sich auch ein guter Veloanhänger in Kombination mit einem Elektrovelo.

Beim Einsatz eines Anhängers sollte darauf geachtet werden, dass das zulässige Gesamtgewicht des E-Bikes nicht überschritten wird. Dieses setzt sich aus dem Gewicht des Elektrovelos sowie der Fahrerin oder des Fahrers und dem transportierten Gepäck zusammen. Heute gibt es E-Bike-Modelle mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 180 kg, wie etwa das «Gotour 3» von Flyer.

Solche Elektrovelos benötigen aber wiederum einen grösseren Akku und einen stärkeren Motor, was das Gewicht des Bikes erhöht. Branchenexperten gehen aber nicht davon aus, dass so hohe Gesamtgewichte zum Standard werden. Im Normalfall sind moderne E-Bikes für zulässige Gesamtlasten zwischen 120 und 140 kg ausgelegt.

 

Digitalisierung macht vor E-Bikes nicht halt

Die Digitalisierung schreitet auch bei Elektrovelos weiter voran. Schnittstellen mit dem Smartphone gehören mittlerweile zum Standard, sei es beispielsweise für Software-Updates, Sicherheitsfeatures oder Tracking-Funktionen.

Lösungen wie die «Motor-Gearbox-Unit» – kurz MGU – von Pinion sorgen für Innovationsschübe. Bei der «MGU» sind Motor und Schaltgetriebe in einer Einheit verbaut, was für einen möglichst wartungsfreien und langlebigen Antrieb sorgt. Zusätzliche Features wie eine halbautomatische Schaltfunktion erhöhen den Fahrkomfort.

Ein gutes Beispiel für den aktuellen Trend der «Vernetzung» zwischen Elektrovelo und Smartphone ist auch der Schweizer Anbieter «FIT». Digitale Zusatzfunktionen wie GPS-Tracking, Diebstahlschutz und Navigationsmöglichkeiten lassen sich bei kompatiblen Elektrovelos seit diesem Jahr kostenlos per App dazuschalten.

Fazit

Wer sich dieses Jahr ein neues E‑Bike kaufen möchte, hat die Qual der Wahl. Der Markt ist mittlerweile äusserst ausdifferenziert. Vom klassisch-komfortablen City-E-Bike bis hin zum sportlich-leichten E-Rennvelo oder E-Gravelbike ist für jeden Typ etwas dabei.

«Die Hersteller kommen mit sehr spannenden, innovativen Produkten auf den Markt, die neue Nutzergruppen erschliessen werden», prognostiziert Silas Furrer. Spannend dabei ist zu sehen, dass der Gepäcktransport eine wachsende Rolle spielt und das Elektrovelo, gerade durch «Light Support»-Modelle und Utility-Bikes, als Autoersatz im urbanen Raum stärker ins Blickfeld rückt und es auch weitere Optionen neben dem Cargobike gibt. Das ist ein wichtiger Fingerzeig der Branche in Bezug auf die politisch angestrebte Verkehrswende.

Wichtig für Kaufinteressierte bleibt, sich mit dem Wunschvelo auseinanderzusetzen und unterschiedliche Varianten zu testen.

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