Der Veloverkehr in den Städten wächst – aber nicht überall

Der Mikrozensus Mobilität und Verkehr 2021 zeigt, dass der Veloverkehr in vielen Schweizer Städten zunimmt. Allerdings erleben nicht alle Städte einen Fahrradboom. In Luzern und Zürich geht die Velonutzung sogar zurück.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
News, 23.05.2023

Der Mikrozensus Mobilität und Verkehr ist die grösste Erhebung zum Thema Mobilität in der Schweiz. Die von den Bundesämtern für Statistik BFS und Raumentwicklung ARE durchgeführte Befragung findet alle fünf Jahre statt. Sie gehört zum System der Volkszählung.

Der Mikrozensus ist besonders aussagekräftig, da er über eine grosse Datengrundlage verfügt. In die Statistik zum Mobilitätsverhalten der Schweizer Bevölkerung fliessen jeweils die Rückmeldungen von rund 55'000 Personen ein.

Aktuell liegt die Auswertung für das Jahr 2021 vor.

Der Veloverkehr nimmt zu

Das «observatoire universitaire du vélo et des mobilités actives» (Ouvema) der Universität Lausanne hat den aktuellen Mikrozensus genauer angesehen. Die Datenauswertung zeigt, dass der Veloverkehr in vielen Schweizer Städten zunimmt. Gefragt wurde, welches Hauptverkehrsmittel die jeweilige Stadtbevölkerung für ihre Wege nutzt.

Am höchsten ist der Veloanteil am Gesamtverkehr in der Stadt Basel. 2021 wurde jede fünfte Fahrt der Stadtbevölkerung mit einem Fahrrad zurückgelegt. Die Baslerinnen und Basler legen sogar mehr Strecken mit dem Velo (21 %) als mit dem Auto (18 %) zurück.

Berner Velo-Offensive zeigt Erfolg

Eindrücklich verändert hat sich der Veloverkehr in der Schweizer Hauptstadt. 2021 (19,2 %) wurden von der Berner Stadtbevölkerung fast doppelt so viele Strecken mit dem Fahrrad zurückgelegt als noch im Jahr 2010 (10,8 %).

Mit ein Grund für den rasanten Anstieg dürfte die 2014 gestartete «Velo-Offensive» sein. Das selbst gesteckte Ziel von einem fünftel Veloanteil am Gesamtverkehr bis im Jahr 2030 hat die Bundesstadt damit schon fast heute erreicht.

Laut Pro Velo Bern hinkt nun aber die Veloinfrastruktur dem Erfolg hinterher. «Die Schaffung von sicheren und komfortablen Velolösungen muss wieder mit höherer Priorität vorangetrieben werden. Dazu ist der Masterplan Veloinfrastruktur endlich konsequent anzuwenden und rasch umzusetzen», fordert darum Michael Sutter, Präsident der Lobbyorganisation.

Lausanne, St. Gallen und Genf holen auf

Auch in den Westschweizer Städten Lausanne und Genf sowie in der Ostschweiz holt der Veloverkehr auf. An allen drei Orten hat der Anteil des Fahrradverkehrs am Gesamtverkehr gemäss der Ouvema-Auswertung in den letzten fünf Jahren zugenommen.

Im hügeligen Lausanne wurden 2021 gar mehr als doppelte so viele innerstädtische Strecken auf zwei Rädern zurückgelegt als 2015.

In Zürich und Luzern geht der Veloverkehr zurück

Und wie viele Menschen fahren in Zürich mit dem Velo? Die Auswertung des Mikrozensus Mobilität durch die Universität Lausanne ergibt kein gutes Bild der grössten Schweizer Stadt.

Nachdem sich die Velonutzung zwischen den Jahren 2010 und 2015 verdoppelt hat, kam sie danach zum Erliegen. Mehr noch: Zwischen 2015 und 2021 ist der Anteil des Veloverkehrs am Gesamtverkehr sogar zurückgegangen.

Aktuell wird etwas mehr als jede zehnte Strecke in der Stadt mit dem Fahrrad zurückgelegt. Hätte die Stadt Zürich in ihrer «Velostrategie 2030» ein konkretes Ziel zum Modalsplit definiert, was sie nicht hat, so wäre dessen Erreichung aktuell infrage gestellt.

Ein trübes Bild zeichnet auch die Entwicklung des Veloverkehrs in Luzern. In der Zentralschweizer Tourismusdestination ist der Anteil des Fahrradverkehrs am Gesamtverkehr noch stärker rückläufig als in Zürich.

Update: 05.06.23

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