ABS für E-Bikes: Bosch fügt sich Druck von Wettbewerbsbehörde

Bosch E-Bike Systems hat sich gegenüber der italienischen Wettbewerbs- und Kartellbehörde einsichtig gezeigt. Fortan werden Bosch-Antriebe auch mit ABS-Technologie von Blubrake kombinierbar sein.

Laurens van Rooijen, Autor (lvr@cyclinfo.ch)
News, 05.09.2024

Ist Velofahren politisch? Wer Debatten rund um den Bau von Veloinfrastruktur verfolgt, kann schnell zum Schluss gelangen, dass dem so ist. Während sich linke Parteien in der Schweiz in der Regel geschlossen für mehr Veloförderung und bessere Infrastruktur aussprechen, stehen bürgerliche und rechte Parteien dem Fahrrad als Verkehrs- und Transportmittel skeptisch gegenüber.

Doch wie sieht es bei der Parteibasis aus? Wie variiert die Velonutzung bei Personen mit unterschiedlicher politischer Überzeugung? Dieser Frage sind Patrick Rérat und Emmanuel Ravelet in einer Studie nachgegangen. Die zwei Wissenschaftler des universitären Observatoriums des Velos und der aktiven Mobilität (Ouvema) der Universität Lausanne werteten dazu die Antworten einer repräsentativen Befragung aus.

Nach der Abstimmung über das Veloweggesetz 2018 führte die Bundeskanzlei bei 1502 zufällig ausgewählten Schweizerinnen und Schweizern über 18 Jahren eine Umfrage durch. Dabei äusserten sich die Befragten auch zu ihrer Velonutzung und zu politischen Überzeugungen.

Grüne Wähler radeln am meisten

Die Ergebnisse zeigen, dass die politische Orientierung einen Einfluss darauf hat, wie oft und warum Menschen in der Schweiz Velo fahren. Wähler der grünen Parteien (Grüne, GLP) treten demnach am häufigsten in die Pedale. Auffällig ist, dass diese Personen das Velo vor allem für den täglichen Transport nutzen – was ihr Umweltbewusstsein widerspiegelt. Doch auch Mitte-Links-Wählerinnen und -Wähler wie die Anhängerschaft der CVP sind überdurchschnittlich oft auf zwei Rädern unterwegs.

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Auch Rechte fahren Velo

Die Auswertung von Rérat und Ravelet zeigt, dass aber auch die Basis der SVP dem Velo gegenüber nicht abgeneigt ist. Wählerinnen und Wähler der Schweizerischen Volkspartei scheinen das Velo im Alltag sogar häufiger zu nutzen als der FDP nahestehende Personen. Bei Letzteren findet das Velo primär als Freizeit- und Sportgerät Anklang.

Über alles betrachtet nutzen grüne Wählerinnen und Wähler das Velo hauptsächlich im Alltag als Transportmittel, Mitte- und Rechtswählende eher in der Freizeit.

«Obwohl die Wähler der SVP und der FDP deutlich seltener mit dem Fahrrad unterwegs sind, ist ihr Anteil an Velofahrern nach wie vor beträchtlich.»

Weitere Faktoren spielen eine Rolle

Neben der politischen Ausrichtung beeinflussen soziodemografische Faktoren das Radfahrverhalten ebenfalls. Männer fahren gemäss Studie häufiger Velo als Frauen, jüngere Personen sowie Stadtbewohner und Deutschschweizer sind eher mit dem Rad unterwegs als in der Romandie lebende Personen oder Menschen in ländlichen Regionen des Landes.

Dissonanz von rechts

«Auf den ersten Blick stehen die Resultate im Einklang mit den politischen Debatten, da die grünen Parteien Veloverkehrsprojekte stark unterstützen», sagen Rérat und Ravelet. Allerdings sei die Unterstützung der SP für das Velofahren höher als die tatsächliche Velonutzung der Wählerschaft, während das Gegenteil für die Parteien der Mitte und aus dem rechten Lager zutreffe.

«Obwohl die Wähler der SVP und der FDP deutlich seltener mit dem Fahrrad unterwegs sind, ist ihr Anteil an Velofahrern nach wie vor beträchtlich, was auf eine Dissonanz zwischen der Zurückhaltung dieser Parteien gegenüber der Radverkehrspolitik und der Praxis ihrer Wähler hinweisen könnte», konstatieren die Wissenschaftler.

 

 

Vor gut einem Jahr hat die italienische Autorità Garante della Concorrenza e del Mercato (AGCM) auf Antrag von Blubrake ein Verfahren gegen Bosch E-Bike Systems wegen Verdachts auf Wettbewerbsverzerrung eröffnet.

Dem Marktführer für Elektrovelo-Antrieb wurde vorgeworfen, seine marktbeherrschende Stellung auszunutzen, um die Konkurrenz auszuhebeln. Konkret: Bosch habe die elektrische und digitale Interoperabilität zwischen seinen Antriebssystemen und dem von Blubrake S.p.A. hergestellten ABS für E-Bikes ohne triftige Gründe vereitelt.

Die Kompatibilität von Bosch-Hilfsantrieben mit Technik von Dritten sei bewusst vereitelt worden, so Klage von Blubrake. Schon damals versicherte der Marktführer für E-Bike-Hilfsantriebe, vollumfänglich mit den Behörden zu kooperieren. Als Frist für den Abschluss der Ermittlungen wurde der 31. Dezember 2024 genannt. 

Bosch lenkt ein

Offensichtlich sind die Behörden nun in dem Fall aber schneller vorangekommen, denn Blubrake vermeldet einen Erfolg in der Sache. Demnach akzeptierte die Behörde AGCM bereits am 5. August einen Vorschlag von Bosch E-Bike Systems.

Das Unternehmen soll künftig sicherstellen, dass E-Bike-Produzenten die Hilfsantriebe von Bosch offiziell mit dem ABS-System von Blubrake (oder anderen Anbietern) kombinieren dürfen.

Ab Oktober werden ein Y-Kabel zur Verbindung von Hilfsantrieb und ABS-System sowie eine Beta-Version der Software verfügbar, damit das ABS-Icon auch auf dem Display von Bosch erscheint. Die definitive Version der Software soll Produzenten ab Oktober 2025 zur Verfügung stehen. 

Blubrake gewinnt gegen Bosch

Als CEO von Blubrake sieht Fabio Todeschini grosses Potenzial für die ABS-Technologie im E-Bike-Markt und betont die Wichtigkeit eines offenen, kompetitiven Markts, auf dem Hersteller sich modular mit Komponenten eindecken können, ohne an ein geschlossenes Ökosystem gebunden zu sein. 

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