Perspektivenwechsel: Sportliche Bikes als Branchenretter
Während der grossvolumige Markt der Alltags- und Pendler-Velos stagniert, erlebt das Sportsegment einen regelrechten Hype.
Das Velo wandelt sich für viele vom reinen Fortbewegungsmittel (zurück) zum ultimativen Lifestyle- und Sportgerät. Das Gravelbike trifft dabei als «Do-it-all»-Maschine, die Geschwindigkeit auf Asphalt mit Freiheit auf Schotterwegen vereint, exakt den Zeitgeist:
- E-Gravelbikes: Die Verkäufe haben sich mehr als verdoppelt.
- Konventionelle Gravelbikes: Ein massives Plus von 33 Prozent auf beachtliche 21'702 Stück.
- Rennvelos: Auch das Strassensegment wächst um knapp 9 Prozent auf 17'524 Einheiten.
Nathalie Schneitter, Velosuisse-Präsidentin und passionierte Velofahrerin, ordnet diese Entwicklung wirtschaftlich und gesellschaftlich ein: «Da der Bereich der Sportfahrräder im Fachhandel deutlich hochpreisiger ist als das Segment der Alltagsvelos, konnte ein Teil der volumenmässigen Umsatzrückgänge wettgemacht werden.» Zudem beobachtet sie erfreut einen stetig wachsenden Anteil an Frauen im sportlichen Sattel – ein längst überfälliger Wandel in der Radsport-Demografie.
Reparieren statt Konsumieren: Volle Werkstätten als gutes Zeichen
Trotz geopolitischer Unsicherheiten und budgetärer Zurückhaltung bei Neuanschaffungen gibt es eine erfreuliche Nachricht für die Velo-Kultur: Die Zweiräder stehen nicht ungenutzt in den Kellern.
Schweizer Velofachhändler berichten branchenweit von einer hervorragenden Auslastung ihrer Reparaturwerkstätten. Das schöne Frühlingswetter wirkte wie ein Booster für den Saisonstart. Diese Verschiebung – weg vom ständigen Neukauf, hin zu Pflege, Service und intensiver Nutzung – spricht für eine reifere, nachhaltigere Velokultur in der Schweiz. Das Velo ist im Alltag der Menschen verankert wie nie zuvor.