Velomarkt Schweiz 2025: Der Gravel-Boom trotzt der Marktkonsolidierung

Der Schweizer Velomarkt findet 2025 ein neues Normal. Trotz leicht sinkender Gesamtverkäufe boomen sportliche Modelle wie Gravelbikes. Was die Velosuisse-Zahlen über unser Mobilitätsverhalten verraten.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
News, 12.03.2026

Gravelbikes bleiben die Trendvelos der Stunde. (Foto: ZVG)

Der Schweizer Velomarkt atmet durch – und sortiert sich neu. Gemäss den neusten Erhebungen des Lieferantenverbandes Velosuisse wurden im Jahr 2025 insgesamt 316'050 Fahrräder und E-Bikes an den Handel ausgeliefert. Dies entspricht einem Rückgang von 7,4 Prozent (rund 25'000 Fahrzeuge) gegenüber dem Vorjahr (341'142 Einheiten).

Ein Blick auf die langfristige Statistik zeigt: Die Branche befindet sich am Ende einer harten, aber notwendigen Konsolidierungsphase.

 

  • Marktstabilisierung: Die Talfahrt bremst sich ab. Mit 316'050 ausgelieferten Velos und E-Bikes sank der Absatz 2025 nur noch um 7,4 Prozent.
  • Gravel-Boom: Konventionelle Gravelbikes verzeichnen ein Plus von 33 Prozent, E-Gravelbike verkäufe haben sich sogar verdoppelt.
  • E-Bike-Delle: Der Absatz von E-Bikes sinkt auf 130'562 Einheiten, unmotorisierte Velos dominieren den Markt wieder mit 59 Prozent Anteil.
  • Vom Kauf- zum Nutzungsmarkt: Volle Werkstätten zeigen, dass die Schweizerinnen und Schweizer ihre Velos intensiv nutzen und reparieren, statt sie neu zu kaufen.

Der Corona-Kater und der Peitschenschlag-Effekt

Um die aktuellen Zahlen richtig einzuordnen, braucht es die historische Perspektive. Der Markt verarbeitet nach wie vor die extremen Ausschläge der letzten Jahre:

  • Das Vor-Corona-Niveau (2019): 363'497 abgesetzte Velos und E-Bikes.
  • Der Ausnahme-Rekord (2020): Im ersten Pandemiejahr explodierte der Markt auf 501'828 ausgelieferte Zweiräder.
  • Die Normalisierung (seit 2023): Rückgang auf 395'037 Bikes und weiter sinkend.

Dass der Rückgang von 2024 auf 2025 mit 7,4 Prozent merklich geringer ausgefallen ist als in der Vorperiode, ist ein starkes Indiz dafür, dass die Talsohle erreicht ist. Doch warum harzt es überhaupt noch?

Die Gründe liegen im sogenannten Bullwhip-Effekt (Peitschenschlag-Effekt) der Lieferketten, der besonders das Segment der Alltagsvelos trifft. 

Wie Martin Platter von der Schweizerischen Fachstelle Velo und E-Bike gegenüber Velojournal ausführt, sind die Lagerbestände beim Fachhandel nach wie vor hoch. Händler müssen zunächst die massiv verspäteten Corona-Nachlieferungen abbauen, bevor sie Budgets für Neubestellungen freigeben können.

E-Bikes: Marktsättigung nach dem goldenen Jahrzehnt?

Eine bemerkenswerte Trendwende offenbart die Statistik bei den motorisierten Velos. Nach einem schier endlosen, stetigen Wachstum seit 2005 und einem absoluten Höhepunkt im Jahr 2022 (218'730 Einheiten), wurden 2025 noch 130'562 E-Bikes an den Handel ausgeliefert.

Dieser Rückgang ist nicht zwingend ein Zeichen für schwindendes Interesse, sondern vielmehr Ausdruck einer zunehmenden Marktsättigung im Alltagsbereich. Wer ein Pendler-E-Bike wollte, hat in den letzten vier Jahren meist eines gekauft – und fährt dieses nun. 

Gleichzeitig sanken die klassischen (motorlosen) Velos lediglich von 189'370 Stück im Vorjahr auf 185'488 Stück im Jahr 2025. Somit eroberten unmotorisierte Velos 2025 mit einem Anteil von rund 59 Prozent die Mehrheit am Gesamtmarkt zurück.

Perspektivenwechsel: Sportliche Bikes als Branchenretter

Während der grossvolumige Markt der Alltags- und Pendler-Velos stagniert, erlebt das Sportsegment einen regelrechten Hype. 

Das Velo wandelt sich für viele vom reinen Fortbewegungsmittel (zurück) zum ultimativen Lifestyle- und Sportgerät. Das Gravelbike trifft dabei als «Do-it-all»-Maschine, die Geschwindigkeit auf Asphalt mit Freiheit auf Schotterwegen vereint, exakt den Zeitgeist:

  • E-Gravelbikes: Die Verkäufe haben sich mehr als verdoppelt.
  • Konventionelle Gravelbikes: Ein massives Plus von 33 Prozent auf beachtliche 21'702 Stück.
  • Rennvelos: Auch das Strassensegment wächst um knapp 9 Prozent auf 17'524 Einheiten.

Nathalie Schneitter, Velosuisse-Präsidentin und passionierte Velofahrerin, ordnet diese Entwicklung wirtschaftlich und gesellschaftlich ein: «Da der Bereich der Sportfahrräder im Fachhandel deutlich hochpreisiger ist als das Segment der Alltagsvelos, konnte ein Teil der volumenmässigen Umsatzrückgänge wettgemacht werden.» Zudem beobachtet sie erfreut einen stetig wachsenden Anteil an Frauen im sportlichen Sattel – ein längst überfälliger Wandel in der Radsport-Demografie.

Reparieren statt Konsumieren: Volle Werkstätten als gutes Zeichen

Trotz geopolitischer Unsicherheiten und budgetärer Zurückhaltung bei Neuanschaffungen gibt es eine erfreuliche Nachricht für die Velo-Kultur: Die Zweiräder stehen nicht ungenutzt in den Kellern.

Schweizer Velofachhändler berichten branchenweit von einer hervorragenden Auslastung ihrer Reparaturwerkstätten. Das schöne Frühlingswetter wirkte wie ein Booster für den Saisonstart. Diese Verschiebung – weg vom ständigen Neukauf, hin zu Pflege, Service und intensiver Nutzung – spricht für eine reifere, nachhaltigere Velokultur in der Schweiz. Das Velo ist im Alltag der Menschen verankert wie nie zuvor.

 

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