Gravelbikes klug gewählt

Unterdessen bieten praktisch alle grösseren sowie viele spezialisierte Hersteller Gravelbikes an. Doch worauf sollte man beim Kauf achten? Diese sieben Punkte helfen bei der Orientierung.

Marius Graber, Redaktor (marius.graber@velojournal.ch)
News, Ratgeber, 11.06.2021

Pneus: Breite und Profil

An Gravelbikes können deutlich breitere Reifen montiert werden als an traditionellen Rennvelos. Für viele Fahrerinnen und Fahrer sind Pneus in einer Breite um die 40 Millimeter ideal. Je breiter der Reifen, desto mehr Komfort bietet er und auf umso schlechterem Untergrund kann gefahren werden.

Je schmaler der Pneu, desto leichter ist er. Dass breite Reifen schlecht rollen, ist ein Vorurteil. Sie wiegen zwar etwas mehr und bieten minim mehr Luftwiderstand, die Rolleigenschaften sind jedoch besser als bei schmalen Reifen, insbesondere auf grobem Untergrund.

Je nach Hersteller lassen sich bis zu 47 Millimeter breite Reifen montieren, einige Modelle lassen gar mit den etwas kleineren 27,5-Zoll-Rädern Mountainbikepneus zu. Damit fühlt man sich auf langen Schotterstrecken wohl und kann sogar leichte Geländefahrten machen.

Für gemischtes Terrain eignen sich Reifen mit einem glatten Profil in der Mitte und leichten Stollen auf der Aussenseite. Diese rollen auf festem Untergrund leicht und leise; wird der Boden jedoch tiefer, sinken sie ein, sodass die Schulterstollen greifen und für gute Traktion sorgen.

Mit Schlauch oder ohne?

Die bei Mountainbikes verbreitete «Tube­less»-Technik, bei der ohne Schlauch gefahren wird, gibt es auch für Gravel­bikes. Felgen und Pneus müssen dafür ausgelegt sein (was insbesondere bei den teureren Velos oft schon der Fall ist); zusätzlich braucht es ein spezielles Ventil und sogenannte Dichtmilch.

Die Vorteile: geringerer Rollwiderstand, höhere Pannensicherheit, allenfalls sogar etwas Gewichtersparnis. Allerdings braucht die Schlauchlostechnik mehr Aufmerksamkeit im Unterhalt: Die Dichtmilch muss von Zeit zu Zeit nachgefüllt werden, bei der Montage oder im Pannenfall ist eine kleinere Sauerei oft unvermeidbar. Die Alternative: leichte Schläuche.

Rahmenmaterial

Für den Rahmen kommen Stahl, Aluminium, Carbon oder Titan zum Einsatz. Stahl wird wegen der Unverwüstlichkeit und der schlanken Silhouette verwendet. Auch mit Stahl lassen sich leichte Rahmen fertigen. Dies erfordert allerdings einen hohen Fertigungsaufwand, der fast nur noch von Spezialisten betrieben wird und sich im Preis niederschlägt.

Aluminium eignet sich für preisgünstige, relativ leichte und robuste Rahmen. Mit Carbon lassen sich sehr leichte Rahmen bauen, die zudem gute Dämpfungseigenschaften aufweisen. Titan eignet sich für unverwüstliche und dennoch leichte Rahmen. Die Verarbeitung ist äusserst aufwendig, daher sind Titanrahmen teuer.

Die Gravel-Typenkunde

Unsere Galerie erkärt die wichtigsten Unterschiede zwischen den verschiedenen Gravelbikes.

Schaltung

Neben der klassischen Kettenschaltung mit vorne zwei Kettenblättern und hinten zehn oder elf Ritzeln werden bei den Gravelbikes oft Schaltungen mit vorne nur noch einem Kettenblatt und dafür hinten einem Ritzelpaket mit einer grossen Spreizung eingesetzt. Damit ist die Übersetzungsbandbreite zwar ähnlich gross wie bei einem konventionellen Rennvelo, doch für lange Passfahrten oftmals zu klein.

Wer gerne länger Pässe fährt und/oder das Gravelbike auch als Leichtreisevelo mit Gepäck nutzt, wird um die grös­sere Übersetzungsbandbreite der 2×10- oder 2×11-Schaltungen froh sein. Wer auf wartungsarme, langlebige Technik setzt: Es sind auch Gravelbikes mit der Rohloff- oder Pinion-Getriebeschaltung und Zahnriemenantrieb erhältlich.

Bremsen

Scheibenbremsen sind bei Gravelbikes Standard. Sie ermöglichen die breiteren Reifen und haben wesentlich zur Entstehung der Velogattung beigetragen. Es wird unterschieden zwischen hydraulischen und mechanischen Scheibenbremsen. Hydraulische Scheibenbremsen lassen sich mit weniger Handkraft bedienen und besser dosieren. Hochwertige Gravelbikes sind daher in der Regel damit ausgestattet.

Die mechanischen Scheibenbremsen werden oft in der Einsteigerklasse verbaut. Wegen der einfacheren Reparierbarkeit unterwegs schwören auch manche Tourenreisende darauf. Die Bremsscheiben sollten einen Durchmesser von mindestens 160 Millimetern haben. Manchmal werden noch solche mit 140 Millimetern angeboten: Diese sind allerdings nur Leichtgewichten zu empfehlen.

Federung

Für mehr Fahrkomfort auf holprigen Strecken setzen einige Hersteller bei den Gravelbikes Federgabeln mit 40 bis 50 Millimetern Federweg ein. Der amerikanische Hersteller Niner produziert gar ein voll gefedertes Modell. Doch auch geschickt konstruierte Rahmen, Sattelstützen und Carbongabeln helfen, Vibrationen und Schläge zu mildern, und natürlich die grossvolumigen Pneus.

Ösen für Gepäck

Wer das Gravelbike für Touren, Reisen oder im Alltag nutzen möchte, achtet beim Kauf darauf, dass am Rahmen und an der Gabel reichlich Gewindeösen für Trinkflaschenhalter oder die sogenannten «Anything Cages» und Gepäckträger vorhanden sind. Praktisch sind auch bereits vorbereitete Befestigungspunkte für Schutzbleche oder gar – Puristen wirds schaudern – einen Hinterbauständer.

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