Die BfU teilte letzte Woche (Velojournal berichtete) mit, dass eine Mehrheit der Schweizer für ein Velohelmobligatorium bei «langsamen» Elektrovelos sei. Also bei jenen E-Bikes, deren Motorenunterstützung bei 25 Kilometern aufhört. Bei den schnellen mit gelber Nummer gilt bereits seit 2012 eine Helmpflicht. Laut BfU-Umfrage sprachen sich Frauen mit 87 Prozent klarer für eine Helmpflicht aus als Männer mit «nur» 70 Prozent. Das entspricht in etwa den letztjährigen Umfragewerten, welche die Sicherheitshüter jährlich erheben.
Stellt sich die Frage, warum die BfU abermals eine solche Umfrage veröffentlicht, obwohl Direktorin Brigitte Buhmann die Forderung nach einem generellen Velohelmobligatorium gegenüber Velojournal kategorisch in Abrede gestellt hatte.
Sicher: Die Zunahme der E-Bike-Unfälle darf einem nicht kalt lassen, die konstant hohe Anzahl der Velounfälle sowieso nicht. Aber die Frage muss gestellt werden, inwiefern die Zunahme der Unfälle auch mit dem E-Bike-Boom zusammenhängt. Denn es sind ja auch massiv mehr E-Bikes unterwegs als noch vor ein paar Jahren.
Und genau hier wird die Faktenlage dünner, weil es eben auch komplizierter wird. So verneinten die Schweizer Versicherungsgesellschaften gegenüber der «NZZ» die Frage, ob aufgrund der gestiegenen Unfälle auch eine Erhöhung der Personenschäden festgestellt werden könne. Als Grund dafür vermutet etwa die Helvetia-Versicherung, dass es sich bei E-Bike-Unfällen oftmals um Selbstunfälle handelt, ohne dass Dritte dabei geschädigt werden. Das ist kein neuer Befund, er ist bei Velounfällen seit Jahren bekannt.
Also alles halb so schlimm? Die Lupensicht des nüchternen Wirtschaftsblatts von der Falkenstrasse ist dennoch mit Vorsicht zu geniessen. Jede/r, der/die viel mit dem Velo unterwegs ist, kann von eigenen Erfahrungen berichten. Aber die «NZZ»-Nüchternheit hebt sich wohltuend von der permanenten Bewirtschaftung des Themas E-Bike-Unfälle und dem mantramässig wiederholten Ruf nach einer Velohelmpflicht ab.
Auch wenn die BfU einmal mehr scheinheilig «nur» das Volk reden lässt. Der Vergleich zu einer Volkspartei sei an dieser Stelle erlaubt, die auch gerne immer wieder mit dem «Volkswillen» argumentiert. Von «unserer» Beratungsstelle hörten wir gerne wieder mal einen Schuss Nüchternheit anstatt des ständigen Bewirtschaftens der Velohelm-Botschaft.
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