Konkurs: Der einst grösste Velohersteller Europas hat kein Geld mehr

Nach der geplatzten Übernahme durch Dutech Holdings wurde die Accell Group am Dienstag von einem Amsterdamer Gericht für bankrott erklärt. Steht nun eine Aufspaltung des einst grössten Veloherstellers Europas an?

Laurens van Rooijen, Autor (lvr@cyclinfo.ch)
News, 12.08.2026

Vergangene Woche sorgte die Meldung, wonach die Accell Group in den Niederlanden Gläubigerschutz beantragt habe, für grosses Aufsehen in der Velobranche. Kein Wunder, operieren unter dem Dach des einst grössten Velokonzerns Europas doch Marken wie Haibike, Ghost, Lapierre, Winora und Koga sowie die Teile- und Zubehöranbieter XLC und E. Wiener Bike Parts. Nun ist die Bankrott-Erklärung durch ein Gericht in Amsterdam erfolgt.

Dass die nun in verschiedenen Ländern Europas beantragte Insolvenz ins Ende der Vororder-Saison fällt, sorgt im Fachhandel für Verunsicherung. Lieferanten machen sich derweil Sorgen um offene Rechnungen für bereits gelieferte Ware, und hunderttausende Velos und E-Bikes könnten das ohnehin labile Preisgefüge und damit die Margen weiter erodieren lassen.

Abspaltung zeichnet sich ab

Vor diesem Hintergrund zeichnet sich nun eine Abspaltung verschiedener Gesellschaften und Marken ab - was durch die Konzentrations-Bemühungen der vergangenen Jahre etwa im IT-Bereich nicht einfacher werden dürfte. Laut der Branchenpublikation Velobiz.de hat die Accell Germany GmbH wenige Tage nach dem Mutterkonzern ebenso Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt wie die Tochtergesellschaften Winora, Ghost und der Grosshändler E. Wiener Bike Parts. 

Während der eingeleiteten gerichtlichen Sanierungsverfahren sollen die Geschäftsbetriebe bestmöglich fortgeführt werden. Angestrebt wird eine Investorenlösung unter Herauslösung der deutschen Geschäftstätigkeiten aus der internationalen Accell Group. 


Das gleiche Muster zeigt sich in Frankreich, wo Lapierre auf Distanz zur Accell Group geht und ein «redressement judiciaire» beantragt hat - eine Sanierung unter Aufsicht. Im Idealfall sollen Investoren den Fortbestand der Marke ausserhalb der Accell Group ermöglichen. 

Auch Accell UK & Ireland hat Schritte zur Beantragung einer Insolvenz eingeleitet - und strebt eine Übernahme durch regionale Investoren an. Angesichts all dieser Meldungen erscheint es höchst unwahrscheinlich, dass die Accell Group in ihrem vollen Umfang zum Verkauf stehen wird. Vielmehr dürfte der einst grösste Velokonzern Europas in nationale Einheiten zerstückelt und so veräussert werden.

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