Fünf Kurven auf einem Kilometer: Hier entscheidet sich das Zuricrit

Nur 1,04 Kilometer misst die Strecke des Zuricrit. Doch der Rundkurs durch den Zürcher Kreis 4 hat es in sich. Am Samstag, 15. August, jagen erstmals auch UCI-Profis über den Stadtkurs.

Aline Kuenzler, Autorin (aline.kuenzler@velojournal.ch)
News, 11.08.2026

Das Zuricrit bringt den Radrennsport dorthin, wo sonst der Zürcher Stadtverkehr und das Quartierleben den Takt vorgeben. Bei einem Kriterium fahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht eine lange Strecke von Start- zu Zielort, sondern absolvieren wiederholt einen kurzen Rundkurs. Entsprechend häufig kommt das Feld am Publikum vorbei und sorgt für Stimmung. Entscheidend für ein Kriterium sind Kurventechnik, Beschleunigung und die richtige Position im Feld.

Seit seiner ersten Austragung hat sich das Zuricrit vom unabhängigen Szene-Event zu einem festen Termin im Zürcher Radsportkalender entwickelt. 2026 findet das Rennen zum neunten Mal statt und wird erstmals als offizielles UCI Pro Criterium ausgetragen. Zum Programm gehören neben den Profi-Rennen der Frauen und Männer auch Nachwuchsrennen sowie die Fixed-Gear-Rennen am Abend. 

Die Strecke ist ungewöhnlich kompakt: Start und Ziel am Anny-Klawa-Platz, hoch zum Bullingerplatz und über Zypressen-, Agnes-, Marta- und Hildastrasse wieder zurück. Auf der Karte ist die Runde schnell erklärt. Gerade einmal 1040 flache Asphalt-Meter misst sie. Einfach zu fahren ist sie aber keineswegs.

Denn kaum ist das Feld auf Tempo, wartet bereits die nächste Kurve. Bremsen, einlenken, beschleunigen, Position suchen, ständig aufs Neue. Fünf Kurven verteilen sich auf dem kurzen Rundkurs durch das Quartier Hard.

Von der Sprintgeraden in die Haarnadelkurve

Die längste Gerade des Rundkurses liegt auf der Sihlfeldstrasse. Vom Start- und Zielbereich beim Anny-Klawa-Platz sind es 335 Meter bis zur ersten Kurve. Hier wird beschleunigt, attackiert und im Finale gesprintet. Gleichzeitig müssen sich die Fahrerinnen und Fahrer bereits für den ersten schwierigen Bremspunkt in Position bringen.

Am Bullingerplatz folgt die markanteste Kurve der Strecke: die «Bullinger Hairpin». Statt einer einfachen 180-Grad-Wende wartet eine hufeisenförmige Doppelkurve. Wer vorne in die Kurve fährt, kann seine Linie weitgehend selbst bestimmen. Weiter hinten wird es bedeutend schwieriger.

Anschliessend geht es auf die Zypressenstrasse. Die rund 200 Meter lange Gegengerade ist weniger Erholung als Gelegenheit, nach der Haarnadelkurve Lücken zu schliessen und sich für den nächsten technischen Abschnitt neu zu sortieren.

Das «Koblet-Z» vor dem Finale

Mit der 90-Grad-Linkskurve von der Zypressen- in die Agnesstrasse beginnt der verwinkelte zweite Teil der Runde. Kurz darauf folgt eine Rechtskurve in die Martastrasse und bereits 65 Meter später geht es wieder links in die Hildastrasse.
Die Veranstalter nennen diese Kombination das «Koblet-Z». Der Name erinnert an den Schweizer Radrennfahrer Hugo Koblet und hat damit einen direkten Bezug zum Quartier: An der Hildastrasse 3 führte die Mutter des Radsportlers anno dazumal eine Bäckerei. Der junge Hugo lieferte das Gebäck mit dem Velo aus, bevor er später unter anderem den Giro d’Italia und die Tour de France gewann.

Nach dem «Koblet-Z» bleibt kaum Zeit, sich zu sortieren. Am Ende der Hildastrasse wartet bereits Kurve fünf. Die rund 60 Grad spitze Linkskurve führt zurück auf die Sihlfeldstrasse. Von dort sind es noch 190 Meter bis zum Ziel. Wer die Kurve mit viel Geschwindigkeit erwischt, hat für den Sprint einen Vorteil. Wer korrigieren oder erneut stark beschleunigen muss, verliert entscheidende Meter.

Vom Quartier zur Rennstrecke

Bemerkenswert ist die Strecke auch abseits des Sports. Teile der heutigen Rennstrecke gehörten einst zur Zürcher Westtangente. Bis zur Eröffnung der Westumfahrung 2009 rollte hier ein Teil des Transitverkehrs durch die Stadt. Danach wurden die Strassen verkehrsberuhigt, der Bullingerplatz umgestaltet und mit dem Anny-Klawa-Platz neuer Quartierraum geschaffen.

Beim Zuricrit wird dieser Raum für einen Tag zur Rennstrecke. Das Publikum steht dabei teilweise nur wenige Meter vom Feld entfernt. Im vergangenen Jahr verfolgten laut Veranstaltern mehr als 12'000 Zuschauerinnen und Zuschauer dicht gedrängt das Geschehen entlang der Strecke.

2026 dürfte das sportliche Niveau nochmals steigen. Erwartet werden unter anderem Demi Vollering, Noemi Rüegg, Linda Zanetti, Fabian Lienhard, Silvan Dillier, Mauro Schmid und Stefan Bissegger. Die beiden UCI-Rennen sowie die Fixed-Gear-Rennen am Abend werden zudem erstmals während rund vier Stunden live bei blue Sport übertragen.

Wenn am Abend die Fixed-Gear-Fahrerinnen und -Fahrer auf die Strecke gehen, verändert sich auch die Kulisse. Die letzten Rennen finden unter Flutlicht statt. 

Empfohlene Artikel

Empfohlene Artikel

Starrlauf am Velo.
News

Ein Gang genügt: Die Faszination des Starrlaufs

Fixed-Gear-Crtierum-Rennen mit Frauen
News

Spektakel ohne Bremsen: «Winticrit» bringt Rennaction nach Winterthur

Beim diesjährigen Züricrit messen sich auch Radprofis.
News

Vivi Züricrit: Dieses Jahr mit Elite-Rennen