Da standen neben Bundesrätin Doris Leuthard mit Matthias Aebischer einer der Väter der Velo-Initiative – gekontert von Roland Büchel und Ex-Nationalrat sowie Bieler Ex-Polizeivorstand (aber Ehrenpräsident der Autopartei) Jürg Scherrer. Während Bundesrätin Leuthard sachlich, eloquent und oft auch charmant die Vorlage präsentierte, zündete Rechtsaussen-Scherrer mit seiner militanten Neunzigerjahre-Verkehrsrhetorik von Anfang an Auto-Knallpetarden. Er hätte wohl am liebsten gleich in alter Law&Order-Manier wieder für Ordnung gesorgt. Wenn man ihn nur gelassen hätte.
Stattdessen stand SVP-Nationalrat Roland Büchel als einziger ernst zu nehmender Gegner der Vorlage und überzeugter Velofahrer seinen (mitunter einsamen) Mann. Tapfer wehrte er sich gegen die angeblich überhandnehmende Bürokratie (im Fall der Velovorlage sind es 1,5 Stellen beim Astra). Im Verlauf der Debatte klammerte er sich immer wieder an diesen Argumentationsstrang. Auch, als er von Moderator Jonas Projer im Zeugenstand gegrillt wurde. Büchel, der von Zeit zu Zeit von seinem Wohnort Oberriet SG ins Bundeshaus nach Bern und zurück radelt, wurde mit den eingeblendeten, erschreckenden Velo-Unfallzahlen konfrontiert. Und redete das Risiko klein. Erst als Projer ihm zurief: «Sie hatten Glück, Herr Büchel, Sie hatten Glück!», erst da wurde er dann etwas kleinlaut.
Ansonsten legten sich auch der TCS sowie der Aargauer FDP-Nationalrat Matthias Jauslin so vehement für die Vorlage ins Zeug, dass Bundesrätin Leuthard nach 55 Minuten in die lachende Runde sagen konnte: «Im Vorfeld der Sendung habe ich mir überlegt, was wir während 70 Minuten über ein so klares Anliegen streiten können.» So wurde viel gelacht und gescherzt, nicht zuletzt auf Kosten von Scherrer, der seinen einsamen Verkehrskrieg führte. Als er Matthias Aebischer dann noch mit «Herr Aeschbacher» anredete, war nicht klar, ob er damit den Fernseh-Kurt der Nation oder den ehemaligen Zürcher «Schwellenruedi» meinte – der langjährige Zürcher Stadtrat und Feindbild aller Autofans. Vermutlich Letzteren.
So bewegte sich die von Projer fair geleitete Runde Politdiskussion zwischen Mehrwert und interessanten Fakten, mutierte aber mitunter zur Parlamentarierschwatzbude. Matthias Aebischer konnte derweil zurücklehnen und dem Ergebnis vom 23. September entspannter entgegenblicken als auch schon. Am Schluss sang er mit Büchel den 70er-Jahre-Hit von Peter Hinnen «Mier sind mit em Velo daa». Schwank-Ende. Vorhang fällt.







