Velofirmen klagen gegen Reederei

Nicht nur die Coronapandemie und jüngst der Ukrainekrieg haben die Lieferketten der Veloindustrie aus dem Takt gebracht. Auch die Frachtbranche hatte einen Anteil. Nun verklagen Trek und Vista Outdoor den Reeder Maersk.

Dominic Redli

Dominic Redli, Autor (redli@cyclinfo.ch)
News, 21.11.2022

Die globalen Lieferketten gerieten aufgrund der Corona-Pandemie gehörig ausser Takt. Das bekam auch die Velobranche zu spüren. An leeren Regalen und langen Wartezeiten auf bestellte Fahrräder war aber nicht nur das Covid-19-Virus Schuld. Die Frachtbranche, allem voran der Hochseetransport, hatte ebenfalls einen Anteil an der Misere.

Zum einen ist da das Containerschiff «Ever Given» zu nennen, das auf dem Weg nach Rotterdam den Suezkanal im März 2021 während einer knappen Woche verstopfte und einen Warenrückstau verursachte, der auch Schweizer Velolieferanten und -händler und damit die auch die Endkonsumenten zu spüren bekamen.

Container über Bord

Aber das ist nicht der einzige Fall: Wie das US-Branchenmagazin «Bicycle Retailer and Industry News» schreibt, brachte stürmische See im Januar des letzten Jahres den rund 370 Meter langen Frachter «Essen» im Nordpazifik so sehr ins Schwanken, dass mehr als 700 Container über Bord gingen – darunter auch solche, die Waren des Fahrradherstellers Trek beinhalteten.

Das unter der Flagge des dänischen Logistikkonzerns Maersk kreuzende Schiff war vom chinesischen Xiamen nach Los Angeles unterwegs.

Immer wieder gehen Container verloren. In den letzten Jahren kam es aber zu einer Häufung.

Trek verklagt Mearsk

Velohersteller Trek reichte deswegen gemeinsam mit rund 30 weiteren betroffenen Unternehmen gegen Maersk eine Klage wegen des entstandenen Schadens ein. Die geforderte Summe beträgt insgesamt 337’000 US-Dollar. Aber damit nicht genug.

Nur einen Monat nach dem Fall «Essen» geriet ein weiterer, gleich grosser Maersk-Frachter, die «Eindhoven», auf derselben Route in einen Sturm, wobei mehr als 230 Container verloren gingen beziehungsweise beschädigt wurden.

Darunter fanden sich auch Container mit insgesamt 8200 Helmen und Accessoires von Bell und Giro im Wert von mehr als einer Viertelmillion US-Dollar.

Auch der Mutterkonzern der beiden Marken, Vista Outdoor, reichte gemeinsam mit weiteren geschädigten Unternehmen Schadenersatzforderungen gegen Maersk ein.

Mehr Verluste als normalerweise üblich

Leider sind solche Klagen allerdings keine Seltenheit in der Seefrachtbranche, da immer wieder Container über Bord gehen.

Trotzdem war die durchschnittliche Anzahl verlorener Stahlboxen in den vergangenen zwei Jahren mit rund 3100 Stück laut dem World Shipping Council (WSC) rund viermal höher als in der Vergangenheit.

Laut WSC transportierten Linienreedereien 2021 gut 241 Millionen Container. Davon endeten rund 0.002 Prozent im Meer.

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