Tempo 30 soll viel kosten

Der Gemeinderat der Stadt Zürich hat beschlossen, die Kosten für die zusätzlichen ÖV-Verbindungen, die wegen Tempo 30 anfallen sollen, bis auf Weiteres zu übernehmen.

Julie Nielsen, Redaktorin

Julie Nielsen, Redaktorin (julie.nielsen@velojournal.ch)
News, 25.01.2023

Wegen geplanter Tempo 30 Zonen in der Stadt Zürich sollen massive Mehrkosten beim ÖV entstehen, weil dieser künftig langsamer unterwegs sein wird und entsprechend weniger Passagiere befördern können soll.

Die Stadt möchte ein Zeichen für den ÖV setzen und wird die schätzungsweise zusätzlich anfallenden 20 Millionen im Jahr übernehmen.

ZVV sieht sich nicht verantwortlich

Der Stadtrat ist zwar der Meinung, dass der Zürcher Verkehrsverbund die anfallenden Kosten übernehmen muss, doch dieser möchte nicht für die Tempo-30-Pläne der Stadt gerade stehen müssen.

Die Stadt hat deshalb bereits Rekurs beim Regierungsrat eingelegt. Je nachdem, wie die Entscheidung ausfällt muss die Stadt die Mehrkosten für den ÖV dauerhaft übernehmen.

Wird der ÖV wirklich langsamer?

Studien zeigen, dass gerade in Ortszentren eine Temporeduktion für deutlich flüssigeren Verkehr sorgt. Der Verkehrs Club Schweiz (VCS) schreibt dazu in seinen Praxisbeispielen:

«Tests in Köniz zeigten, dass der Verkehrsfluss durch Tempo 30 optimiert werden kann. Dank weniger Staus gelangt auch der öffentliche Verkehr pünktlicher ans Ziel. Eine Verringerung der Geschwindigkeiten ist nicht, wie oft behauptet, leistungsmindernd. Das gilt insbesondere bei stark belasteten Ortsdurchfahrten.»

Eine Hauptstrasse ist kein geschlossenes System, sondern Teil eines grossen Strassennetzes. Entsprechend oft muss gebremst, beschleunigt oder abgebogen werden.

Es entsteht, wie der VCS bescheibt, «ein Zieharmonikaeffekt mit Stauabschnitten und halb leeren Strassen. Für einen dermassen unregelmässigen Verkehrsfluss ist eine niedrige Geschwindigkeit am leistungsfähigsten.»

Flexible Tram und Busspuren

Die Stadt hat es grundsätzlich in der Hand. Möchte sie den ÖV stärken und gleichzeitig die Fahrzeiten kürzen, könnte sie langfristige Investitionen tätigen, die sich im Gegensatz zur Kostenübernahme von zusätzlichen Kursfahrzeugen ausbezahlen.

Mit vom motorisierten Verkehr getrennten Busspuren und Tramtrasses beispielsweise kann der ÖV den Fahrplan deutlich besser eingehalten werden.

Solche Projekte sind von der Städtischen Arbeitsgruppe «ÖV-Zuverlässigkeit» geplant. Einfach ist es aber nicht: «Nicht überall steht ausreichend Fläche für die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmenden zur Verfügung», stellt Ramon Rey, der Leiter der Arbeitsgruppe «ÖV-Zuverlässigkeit» fest.

Auch wenn die Stadt Zürich versucht, für alle Beteiligten optimale Lösungen zu finden, sind Kompromisslösungen unausweichlich.

Eine unkonventionelle Lösung, die Rey untersucht, nennt sich «elektronische Busspur». Bei diesem System wird der Bus per Signalanlage auf der Gegenfahrbahn um den Stau herumgeführt.

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