Julie Nielsen,
Redaktorin
(julie.nielsen@velojournal.ch)
News,
22.04.2026
Der Kanton Thurgau setzt auf legale Trails statt Wildwuchs. Ein Routennetz soll das Mountainbiken lenken und attraktiver machen. Wer mit dem Bike abseits offizieller Pfade fährt, riskiert aber künftig eine Busse.
Julie Nielsen,
Redaktorin
(julie.nielsen@velojournal.ch)
News,
22.04.2026
Im Thurgau soll ein legales Trail-Angebot für Mountainbikerinnen und Mountainbiker geschaffen werden. (Foto: Freepik)
Mit Bussen und neuen Trails versucht der Kanton Thurgau, Nutzungskonflikte im Wald zu entschärfen. Das geplante Gesetz kombiniert Einschränkungen mit Ausbau: Erst wenn legale Angebote entstehen, wird sanktioniert. Die Bikeszene ist gespannt.
Auslöser sind Nutzungskonflikte zwischen Wandernden, Forstbetrieben, Jagd und Naturschutz auf der einen und einer wachsenden Bikeszene auf der anderen Seite. Problematisch sind laut Kanton «wilde» Trails und das damit verbundene Befahren sensibler Flächen, was Auswirkungen auf Wildtiere haben kann.
Geplant ist deshalb ein zusammenhängendes Bikerouten-Netz von rund 100 Kilometern, das sich über den ganzen Kanton erstrecken soll. Damit würde nicht nur eine offizielle Grundlage für den Sport geschaffen, sondern auch eine Vorgabe des nationalen Veloweggesetzes erfüllt. Im Zentrum stehen bestehende Wege. Waldstrassen und geeignete Pfade sollen gezielt integriert und punktuell ergänzt werden. So soll ein vielseitiges, vernetztes System entstehen, das unterschiedliche Ansprüche abdeckt: vom Feierabend-Loop bis zur längeren Bike-Tour.
Hinter dem Projekt steht die Erkenntnis, dass es bisher an legalen Angeboten fehlt. Wer heute im Thurgau Mountainbike fährt, bewegt sich oft in einer Grauzone. Informelle Trails sind verbreitet, Konflikte mit anderen Nutzergruppen entsprechend vorprogrammiert. Ein offizielles Netz soll Klarheit schaffen und gleichzeitig die Attraktivität des Kantons für den Bikesport steigern.
In einem zweiten Schritt kommen Regulierungen ins Spiel. Wer künftig abseits der signalisierten Strecken unterwegs ist, muss mit einer Busse von 100 Franken rechnen. Allerdings nur in den Waldgebieten, in denen offizielle Bike-Trails existieren. Gemäss dem Kanton soll es ohne Alternativen keine Sanktionen geben. Die Einführung der Bussen ist direkt an den Fortschritt beim Ausbau gekoppelt.
Damit folgt der Thurgau einem Ansatz, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. Konflikte im Wald lassen sich nicht allein durch Verbote lösen. Attraktive, legale Angebote gelten als wirksamstes Mittel, um Ströme zu lenken und Akzeptanz zu schaffen.
Die Mehrheit der IG Mountain-Bike Thurgau begrüsst die Stossrichtung des Konzepts, auch wenn ein paar wenige die 100 Kilometer Trails als lachhaft bezeichnen. Für die Bikeszene ist entscheidend, wie attraktiv die neuen Angebote werden. Nur wenn Linienführung, Flow und Erreichbarkeit stimmen, lässt sich der gewünschte Lenkungseffekt erzielen.

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