Fabian Baumann,
Redaktor
(fabian.baumann@velojournal.ch)
News,
15.08.2024
Der öffentliche Verkehr ist in Schweizer Städten nicht einmal doppelt so schnell wie die Fortbewegung zu Fuss. Ganz anders sieht es aus, wenn das Velo zum Einsatz kommt. Das besagt eine Auswertung von Avenir Suisse.
Fabian Baumann,
Redaktor
(fabian.baumann@velojournal.ch)
News,
15.08.2024
Mit dem Velo ist man in Schweizer Städten doppelt so schnell am Ziel wie mit Tram oder Bus. (Foto: Artiom Vallat, Unsplash)
Um die Vorherrschaft des Velo- und Sportartikelherstellers Scott Sports läuft ein juristischer Streit. Daran beteiligt sind die beiden Grossaktionäre des Unternehmens, die südkoreanische Youngone Corporation und Beat Zaugg. Einen Höhepunkt erreichten die internen Streitigkeiten im vergangenen Jahr, als Zaugg seinen Posten als CEO von Scott räumen musste und durch Juwon Kim ersetzt wurde.
Das Kräftemessen war damit aber nicht zu Ende. Am 6. Februar hat das Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer einen Entscheid zugunsten der Koreaner gefällt. Im Kern ging es dabei um eine Kaufoption für Beat Zauggs Anteile am Unternehmen Scott, die sich noch auf 47 Prozent belaufen.
Prompt hat der Verwaltungsrat von Youngone beschlossen, die Kaufoption wahrzunehmen. Der genaue Wert des Aktienpakets von Zaugg soll nach einem festgelegten Verfahren berechnet werden. Damit dürfte die Ära Zaugg vor dem Ende stehen und Scott Sports fast komplett in den Besitz der Youngone Corporation und damit in südkoreanische Hände wandern.
Unter der Leitung von Beat Zaugg wuchs Scott Sports von einem kleinen Anbieter von Skistöcken und Skibrillen zu einem globalen Player in der Sportartikelindustrie heran. (Foto: ZVG)
Vor zehn Jahren hatte Beat Zaugg der Youngone Corporation für einen Betrag von 135 Millionen Franken 50,01 Prozent der Aktien von Scott Sports verkauft.
2022 nahm dann der Streit zwischen den beiden Grossaktionären seinen Anfang: Die Koreaner machten eine wesentliche Verletzung des Aktionärsbindungsvertrags seitens Beat Zaugg geltend und reichten Klage bei der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris ein. Zaugg reagierte darauf mit einer Gegenklage, das Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Parteien war damit nachhaltig gestört.
Das neue Führungsduo von Scott mit Juwon Kim (links) und Pascal Ducrot ist seit August 2024 im Amt. (Fotos: ZVG)
Dennoch schoss die Younone Corporation im Januar 2024 ein Darlehen in der Höhe von 150 Millionen US-Dollar ein, um die Liquidität von Scott Sports sicherzustellen. Um Ostern 2024 eskalierte der Streit: An Karfreitag verkündete die Youngone Corporation, dass Beat Zaugg als CEO abgesetzt worden sei, am Ostermontag folgte dessen Dementi.
Wegen laufender Verfahren blieben weitere Statements aus, aber im August 2024 wurde eine neue Führungsriege von Scott Sports vorgestellt, mit dem Finanzexperten Juwon Kim als Vertreter der Youngone Corporation und Pascal Ducrot als langjährigem Manager von Scott Sports.
Der ÖV in Schweizer Städten ist gut. Zur nächsten Tram- oder Busstation ist es in der Regel nicht weit und der Fahrplan ist dicht. Doch ist die Fortbewegung in öffentlichen Verkehrsmitteln auch schnell? Die Antwort des wirtschaftsnahen Thinktanks Avenir Suisse lautet nein.
In den zehn grössten Schweizer Städten liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit von Tram, Bus und Bahn bei 8,3 km/h. Reisen von Tür zu Tür dauern mit dem ÖV damit nicht einmal halb so lange wie zu Fuss – wo im Schnitt in einer Stunde 4,8 Kilometer zurückgelegt werden.
Ganz anders sieht es aus, wenn das Velo (oder E-Bike) zum Pendeln eingesetzt wird. Damit kommt man laut Avenir Suisse in der gleichen Zeit doppelt so weit (16 Kilometer in einer Stunde). «Angesichts dessen kann man sich fragen, ob die hierzulande relativ hohen Ausgaben für den städtischen ÖV lohnende Investitionen in ein optimales Mobilitätssystem sind», schreibt die Denkfabrik.
Für das Velo spreche hingegen der geringe Platz- und Infrastrukturbedarf, der kleine ökologische Fussabdruck und die Tatsache, dass Bewegung gesund sei. Als Nachteile des Fahrrads nennt Avenir Suisse den fehlenden Schutz vor Witterungseinflüssen und dass der Transport grösserer Gegenstände kaum möglich sei. Jede Person, die schon einmal ein Lastenvelo benutzt hat, weiss aber, dass dieses Argument definitiv nicht stimmt.
Die Reisezeiten im Auto wurden von Avenir Suisse nicht berücksichtigt, weil die Fortbewegungsgeschwindigkeit je nach Wochentag und Zeit auf derselben Strecke stark variieren könne. Bei flüssigem Verkehr und nachts läge im städtischen Schnitt ein Tempo von 30 km/h drin, zu Stosszeiten könne die Geschwindigkeit aber auch auf Schritttempo fallen.
Zudem spielten weitere Faktoren eine Rolle, so in erster Linie die Parkplatzverfügbarkeit. «Ohne Parkplätze bringt das schnellste Fortkommen nichts», heisst es beim Thinktank.
Für den Vergleich der Durchschnittsgeschwindigkeit des öffentlichen Verkehrs hat Avenir Suisse mehr als 100'000 Verbindungen auf Google Maps für die zehn grössten Schweizer Städte abgefragt. Zum Vergleich wurden auch je fünf Städte in Deutschland und Österreich ausgewertet. Die Daten zeigen, dass das Tempo des ÖVs in der Schweiz nur unwesentlich schneller ist als in unseren Nachbarländern.
Betont werde muss, dass der Thinktank nicht das durchschnittliche Fahrtempo von Tram, Bus oder S-Bahn in den Städten ermittelt hat. Vielmehr hat der Thinktank versucht, zu eruieren, wie schnell man mit dem ÖV in der Stadt von Tür zu Tür, also zum Beispiel von zuhause an den Arbeitsplatz gelangt. Alle Gehwege zu und von den ÖV-Stationen sowie die Wartezeiten bei allfälligen Umstiegen wurden darum mitberücksichtigt.
Mit ein Grund für das am Ende tiefe Gesamttempo liegt im dichten Haltestellennetz. So kann ein Tram in Bern oder Zürich zwar prinzipiell schnell fahren, weil es aber oft nach wenigen hundert Metern bereits wieder hält, dauert eine Fahrt am Ende dennoch länger als mit dem Velo. Auch wenn Verbindungen von Tür zu Tür nicht direkt erfolgen, sondern ein Umsteigen erfordern, erhöht sich die Reisezeit.
Einschränkend hält Avenir Suisse fest, «dass die ermittelten Geschwindigkeiten ein eher optimistisches Szenario darstellen: Sie beinhalten keine Staus, von denen auch der städtische ÖV in Mitleidenschaft gezogen werden kann». Das würde vor allem für Busse während der Stosszeiten gelten. Trams seien weniger davon betroffen und S-Bahnen kaum. Und natürlich stehen auch Velofahrende selten bis nie im Stau – was ebenfalls fürs Velo spricht.

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