Polizei ermittelt gegen Velohersteller Bottecchia

Berichten italienischer Medien zufolge, hat die Zollbehörde nach einer Razzia ein Verfahren gegen den Velohersteller Bottecchia eingeleitet. Es geht um Importe von E-Bikes aus China.

Laurens van Rooijen, Autor

Laurens van Rooijen, Autor (lvr@gmx.ch)
News, 10.05.2022

Die italienische Zollbehörde hat nach einer Razzia ein Verfahren gegen den Velohersteller Bottecchia eingeleitet. Dieser wird verdächtigt, Antidumping-Zölle für Velo-Importe aus China umgangen zu haben.

Die Marke Bottecchia geniesst in Rennvelo-Kreisen einen guten Ruf: Über die Jahrzehnte hinweg hat sich der Veloproduzent aus der Provinz Venezien immer wieder als Sponsor im Profizirkus hervorgetan. Aktuell unterstützt Bottecchia das Team Drone Hopper-Androni Giocatolli.

Schlagzeilen nach Razzia

Nun ist die Marke aber aus den falschen Gründen in die Schlagzeilen geraten: Bei einer Hausdurchsuchung durch die Zollbehörden der Region Venezien und der Guardia Finanza wurden Ende April am Firmensitz in Cavarzere Waren im Wert von mehr als zwei Millionen Euro beschlagnahmt.

Der Grund für die Razzia war der Verdacht, dass Bottecchia die Herkunft der Velos nicht korrekt deklariere, um die im Juni 2019 um weitere fünf Jahre verlängerten Antidumping-Strafzölle der EU gegen in China gefertigte E-Bikes zu umgehen.

Zoll ermittelte seit 2021

Laut einem Bericht der lokalen Zeitung Corriere del Veneto liefen die Ermittlungen des Zollamts Venedig gegen Bottecchia seit August 2021. Die Behörden schöpften Verdacht, weil Bottecchia Schritt für Schritt den Import kompletter Velos durch den Import von Rahmen, Gabeln und Komponenten ersetzt hatte.

Laut den Behörden sei die Anlieferung dieser Einzelteile bewusst gestaffelt worden, um den Zweck der Teile zu verschleiern. Ein Blick auf die E-Bike-Palette von Bottecchia zeigt, dass die teureren Modelle mit Mittelmotoren von Shimano, Oli E-Bike System und Fazua zolltechnisch kein Problem darstellen dürften.

Anders sieht das beim von Bottecchia als «hauseigen» bezeichneten «ETR3»-Mittelmotor aus – und erst recht bei den an den billigsten Modellen verbauten Hilfsmotoren in der Hinterradnabe, die ebenso wie die Akkus und Bedieneinheiten aus China stammen dürften.

Verfahren gegen Bottecchia eröffnet

Als Folge der Razzia und der Beschlagnahmung der Güter hat die zuständige Staatsanwaltschaft nun ein Verfahren wegen der Umgehung von Zöllen, schweren Fällen von Schmuggel und der Fälschung von Herkunftsdeklarationen eingeleitet.

Der Fall eines Wiener Fahrradhändlers, der unlängst wegen der Verschleierung der Herkunft von mehr als 2000 in China gefertigten E-Bikes zu einer Busse in Höhe von mehr 400'000 Euro verurteilt worden war, lässt vermuten, welch gravierende Konsequenzen im Fall eines Schuldspruchs drohen.

Als CEO von Bottecchia Cicli beteuert Diego Turato, dass sich das Unternehmen nichts habe zu Schulde kommen lassen, dass das laufende Verfahren an sich schon rufschädigend und dass Bottecchia nicht in Schummeleien und Schmuggel verwickelt sei.

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