Fabian Baumann,
Redaktor
(fabian.baumann@velojournal.ch)
26.08.2024
Städte, Dörfer und ganz besonders Strassen sind dem Motorverkehr untergeordnet. Das Auto kommt zuerst, danach lange nichts. Ein Kurzfilm geht der Frage nach, warum das so ist und sucht nach Alternativen.
Fabian Baumann,
Redaktor
(fabian.baumann@velojournal.ch)
26.08.2024
Warum wird Autoverkehr einfach akzeptiert? Die Kurzdokumentation «Carspiracy» sucht nach Antworten. (Bild: Screenshot GCN Youtube)
Der Autoverkehr führt zu vielen Problemen, auch in Grossbritannien. Schätzungen zufolge sind alleine im Vereinigten Königreich jedes Jahr 40'000 vorzeitige Todesfälle auf die Luftverschmutzung des Motorfahrzeugverkehrs zurückzuführen. Jedes Jahr sterben 500 Personen zu Fuss bei Unfällen mit Automobilisten. Und dennoch ist das Auto in der gesellschaftlichen Wahrnehmung nicht das Problem.
Warum ist das so? In der Kurzdoku «Carspiracy» (auf Deutsch Autoverschwörung) des Global Cycling Networks GCN kommt Ian Walker zu Wort. Laut dem Professor für Umweltpsychologie an der Swansea Universität in Wales leiden viele Menschen unter etwas, das er «Motonormativität» nennt. Der Psychologe meint damit die Unfähigkeit, objektiv darüber nachzudenken, wie wir als Gesellschaft Autos nutzen.
Ein Beispiel unter vielen: Der Radsteifen wird geschlossen, die zwei Autospuren sind tabu. (Bild: Screenshot GCN Youtube)
Dies führt dazu, dass das Thema Auto nicht rational, sondern emotional behandelt wird. Für eine Studie führten Walker und sein Team eine grosse Befragung in Grossbritannien durch. Dabei legten sie den Teilnehmenden Aussagen zur Zustimmung oder Ablehnung vor. Die Resultate zeigen, dass für Autos eigene Massstäbe gelten.
Dazu ein Beispiel: 77 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass man an belebten Orten nicht rauchen sollte, wenn andere Personen den Zigarettenrauch einatmen könnten. Wurde «Zigarette» jedoch mit «Auto» ersetzt, ist das Resultat ganz anders. Nur 17 Prozent der Befragten fanden, dass Menschen an belebten Orten nicht mit Autoabgasen konfrontiert werden dürften.
Walker führt die Resultate auf die Tatsache zurück, dass Autos kulturell – und mit viel Werbung – fest verankert sind. Wie mit einer Gehirnwäsche sind das Auto und dessen Nutzung als grundsätzlich positive Dinge in den menschlichen Köpfen präsent. Die negativen Auswirkungen des Motorfahrzeugverkehrs werden darum so gut wie nicht hinterfragt und Unfälle, Luftverschmutzung sowie Staus als gegeben betrachtet.
Für Ian Walker liegt der erste Schritt auf dem Weg zu einer Lösung in der Anerkennung des Problems. Nur: Sind wir dazu bereit? Der Psychologe bezweifelt dies. Und doch sieht er Wege aus der Krise. «Wir müssen anfangen, die Welt so zu bauen, wie wir sie haben möchten», sagt Walker. Mehr Platz für Menschen, weniger Raum für Autos.
Eine Entwicklung, die gegenwärtig rund um den Globus beobachtet werden kann. Damit macht die GCN-Kurzdoku auch Mut. Sie zeigt, wie Fussgängerinnen und Velofahrer an den Rand gedrängt werden. Und kann so vielleicht etwas dazu beitragen, die einseitige Sichtweise weg vom Auto zu schieben.

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