Die neue Zugflotte der SBB ist velofeindlich

Der Velotransport in den Zügen der SBB ist ein grosses Kundenbedürfnis. Die Beschaffung der neuen FV-Dosto Züge hat das Angebot nicht verbessert.

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Céline Schwarz, Autor (celine.schwarz@velojournal.ch)
News, 10.06.2022

Es ist absehbar, dass die Einführung des 9-Euro-Tickets in Deutschland das Problem mangelnder Fahrradstellplätze in Zügen weiter verschärfen wird. Dem will die Deutsche Bahn begegnen.

«Die Fernverkehrsflotte wird bis 2025 zu knapp 65 Prozent über Fahrradstellplätze verfügen», kündigte der Bahnsprecher gegenüber dem RND am Montag an. Noch verfügen vier von acht Fernzugtypen über keine Abstellplätze für Fahrräder.

Missstand beim Velotransport in der Schweiz

Auch hierzulande kennt man das Problem, wenngleich in geringerem Ausmass. Veloabstellplätze sind in allen Zügen der SBB vorhanden.

Doch stieg in den letzten Jahren die Anzahl der verkauften Velotageskarten und Velopässe stetig an. Besonders rund um die Feiertage, an Wochenenden und bei schönem Wetter ist der Andrang gross.

Es kommt zu Wegversperrungen, Sicherheitsproblemen, Verspätungen und schlechter Stimmung – das bestätigte SBB-Mediensprecher Martin Meier dem Tages-Anzeiger diese Woche aufs Neue.

Massnahmen der SBB

Die Lücke im Mobilitätsnetz gibt in den Veloverbänden und in den nationalen Räten immer wieder zu reden. Entsprechend wurden in der Vergangenheit bereits Massnahmen ergriffen, um angemessene Bedingungen zu gewährleisten, insbesondere von Seiten der SBB.

Um den Andrang zu lenken, haben die SBB eine umstrittene Reservationspflicht für Velos auf allen IC-Linien eingeführt. Gleichzeitig haben die SBB auf wichtigen Linien des Freizeitverkehrs die Kapazitäten erhöht, etwa durch zusätzliche Plätze im Gepäckwagen.

«Um den Andrang zu lenken, haben die SBB eine umstrittene Reservationspflicht für Velos auf allen IC-Linien eingeführt.»

Mittel- und langfristig wollen sie innovative Massnahmen wie zum Beispiel den Einsatz von Multifunktionsabteilen prüfen.

Über 400 zusätzliche Veloplätze wollen die SBB mit dem Umbau von Wagen zweier Flotten ab dieser Saison und in den Folgejahren bis 2025 schaffen.

Neue SBB-Züge

Die Bahnen reagieren offensichtlich auf die Folgen des Platzmangels. Wichtig ist es allerdings auch, das Problem bei der Anschaffung neuer Züge zu berücksichtigen. Diese Chance verpassten die SBB mit dem Kauf der 62 neuen Fernverkehr-Doppelstockzüge.

Die «FV-Dostos», die künftig die grösste Flotte des SBB-Fernverkehrs bilden, bringen keine markanten Verbesserungen für die Kombination Zug und Velo mit sich.

«Der Platzmangel wird nicht nur die Velo- und Zuggemeinschaft noch eine Zeit lang beschäftigen, müssen die SBB doch verschiedenen Anspruchsgruppen gerecht werden.»

Auf den Linien waren bisher die Doppelstockzüge des Typs IC 2000 unterwegs, die mit neun Velohaken plus der Plätze im Gepäckabteil verhältnismässig über ähnlich viele Veloabstellplätze verfügen wie die neuen Doppelstöcker mit 14 Veloabstellplätzen.

Im 400 Meter langen IC1, der von St. Gallen zum Flughafen Genf fährt, können nur 24 Fahrräder mitgeführt werden, auf der Strecke ins Tessin 28.

Wie weiter

Der Platzmangel wird nicht nur die Velo- und Zuggemeinschaft noch eine Zeit lang beschäftigen, müssen die SBB doch verschiedenen Anspruchsgruppen gerecht werden.

Wie all diese Bedürfnisse zu gewichten sind, wird übrigens Thema beim Entscheid zu den strategischen Zielen für die SBB 2023 bis 2026, welcher der Bundesrat noch in diesem Jahr fällen wird.

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