David Pinzon,
Autor
(pinzon@cyclinfo.ch)
News,
27.10.2025
Ob Custom-Bikes oder Rennvelos: Erfolg haben jene Läden, die ihre Nische konsequent leben. So gibts bei Velo Mario in Bern keine E-Bikes, dafür Räder für Abenteuer. Und Salvadori Cicli setzt auf Kultrenner aus Italien.
David Pinzon,
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(pinzon@cyclinfo.ch)
News,
27.10.2025
Mitten im E-Bike-Boom behauptet sich in Bern ein Veloladen, der bewusst einen anderen Weg geht. Velo Mario setzt auf handgefertigte Unikate und persönliche Beratung – und zeigt damit, dass Spezialisierung auch in einem umkämpften Markt funktioniert.
Als Mario Scandella 2020 den Laden im Berner Breitenrain übernahm, platzte die Werkstatt rasch aus allen Nähten. «Nach vier Monaten hatte ich eine Wartezeit von zweieinhalb Monaten. Da wusste ich, ich muss aussortieren – auch wenn es ein Risiko ist», sagt er. Der Entscheid, keine E-Bikes mehr anzunehmen, folgte konsequent: «Bei einem Motor kann ich die Qualität nicht beeinflussen. Das ist nicht meine Idee von Handwerk».
«Bei einem Motor kann ich die Qualität nicht beeinflussen. Das ist nicht meine Idee von Handwerk.»
Mario Scandella
Stattdessen liegt der Fokus auf Custom-Bikes und einem gestrafften Sortiment mit Marken wie Surly, Salsa, Rodeo und All-City. «Dass wir alle Farben von Chris King auf Lager haben, lockt Kundschaft aus der ganzen Schweiz an», so Mario.
BMX-Fahrer Charlie (l.) und Werkzeug-Freak Mario – Kunden- bindung durch Handwerk. (Foto: Velomedien, David Pinzon)
Herzstück bleibt das Bike Fitting. Mario erklärt: «Viele Leute sitzen falsch auf ihren Velos und fragen sich, warum es keinen Spass macht. Velofahren muss nicht weh tun».
Erst wird das Velo provisorisch aufgebaut, danach auf einer Trainingsrolle mit anpassbarem Vorbau eingestellt und erst nach dem Fitting fertiggestellt. Das sorgt nicht nur für optimale Ergonomie, sondern schafft Bindung. «Die Kundinnen und Kunden kommen drei- bis viermal in die Werkstatt, bevor sie ihr Velo abholen. So entsteht eine engere Beziehung.»
Neue Kundinnen und Kunden findet Velo Mario kaum über Laufkundschaft – dafür umso mehr über Community und Social Media. «Instagram ist unser einziges Werbemittel, und es funktioniert. Wir erreichen damit Leute europaweit und haben internationale Kundschaft», so Mario.
Noch wichtiger sei Mund-zu-Mund-Propaganda. Dass Menschen aus Zürich, Basel oder Luzern nach Bern kommen, um ein Surly zu kaufen, überrasche ihn selbst immer wieder.
Dass sich dieser Nischenansatz behaupten kann, liegt auch am Standort. Bern investiert seit Jahren in die Veloinfrastruktur. Mario ergänzt: «Die Stadt macht viel, auch wenn noch mehr möglich wäre». Mit dem Umzug der Werkstatt 2023 in grössere Räume ausserhalb des Quartiers veränderte sich das Geschäftsmodell nochmals. Weniger Laufkundschaft, aber mehr gezielte Kundschaft, die genau weiss, was sie will.
So wird der Laden zum Gegenentwurf: nicht auf Stückzahlen ausgerichtet, sondern auf Haltung, Service und Community. Velo Mario beweist, dass Erfolg dort entsteht, wo aus Beratung und Handwerk eine Beziehung wächst, die über den Kauf hinausgeht.
velomario.ch
Stauffacherstrasse 66a
3014 Bern
Das Herz von Salvadori Cicli schlägt für Rennräder aus Italien. (Foto: Velomedien, Laurens van Rooijen)
Ganz im Osten des Kantons Zürich dreht sich fast alles um Rennvelos aus Italien. Denn Armando Salvadori setzt seit 35 Jahren voll auf edle Renner von Kultmarken – und hat sich so einen Kundenkreis erarbeitet, der weit über die Region hinausreicht.
Als Sohn eines Südtirolers fand Armando Salvadori schon als Junior zum Radsport und bestritt Wettkämpfe – Ende der 70er- und zu Beginn der 80er-Jahre auch in der Elite-Kategorie. Nach der Lehre zum Automechaniker und einigen Jahren im Beruf wechselte Salvadori zu SR Technics, dem Servicepartner der Swissair.
«Pinarello verfügte lange über keinen Vertrieb in der Schweiz – also bin ich selbst nach Treviso gefahren, um Rahmen und Gabeln abzuholen.»
Armando Salvadori
Seine Leidenschaft für den Radsport und italienische Rennvelos liess ihn aber nicht los, und er verbrachte nach wie vor viel Zeit im Sattel. 1990 bot sich ihm die Gelegenheit, das Geschäft von Hofmann Sport zu übernehmen. Dieses lag am Ortsausgang von Schottikon, an der alten Landstrasse von Winterthur nach St. Gallen und zwischen zwei beliebten Velorouten im Eulachtal.
Armando Salvadori fackelte nicht lange: «Als Velomech im Dorf kümmerte ich mich zuerst um die Velos der Einheimischen. Aber meine Leidenschaft galt schon immer den Rennvelos. So begann ich, eng mit der Nachwuchsabteilung des VMC Räterschen zusammen zu arbeiten».
Für seine Handelsware nahm Salvadori weite Wege in Kauf: «Pinarello verfügte lange über keinen Vertrieb in der Schweiz – also bin ich selbst nach Treviso gefahren, um Rahmen und Gabeln abzuholen und diese bei der Einfuhr zu verzollen. Schnell sprach sich herum, dass ich diese Produkte zuverlässig organisieren konnte, und so haben auch andere Fachhändler bei mir bestellt», erklärt Armando Salvadori.
In seinem Einmannbetrieb stehen 100 m² als Verkaufsfläche und 15 m² Fläche für die Werkstatt zur Verfügung. Ausser Pinarello verkauft Salvadori auch Renner von Colnago und Bianchi – und Gravelbikes von Scott.
«Meine Spezialitäten sind Custom-Aufbauten und Ergonomie, mein Kundenkreis erstreckt sich von Österreich und dem Graubünden über die Innerschweiz bis nach Bern und Basel. Natürlich helfe ich auch gerne und schnell Radsportlern und Touristen, die mit einem technischen Problem in meinem Laden aufkreuzen.»
salvadori-cicli.ch
St. Gallerstrasse 107
8352 Elsau

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