«Ahnungslos, aber bestimmt» – Wo steckt Carlotta?

Ultrarennfahrerin Carlotta «Lottipower» ist noch immer unterwegs. Ein Jahr, 30’000 Kilometer nach unserem letzten Gespräch mit ihr stellt sich die Frage: Wo steckt Lottipower gerade?

Aline Kuenzler, Autorin (aline.kuenzler@velojournal.ch)
News, 28.04.2026

Als Carlotta Schumacher zuletzt im Velojournal von sich hören liess, sass sie im Hafen von Cádiz und kaufte sich spontan ein Fährticket auf die Kanarischen Inseln. Dies war im März 2025, zwischen dem «Atlas Mountain Race» in Marokko und dem «Unknown Race» in Italien. Beide Rennformate gehören zu den anspruchsvollsten Ultra-Rad-Rennen der Welt. 

«nicht superschnell, aber sehr lange»

Carlotta, besser bekannt als «Lottipower», gehört zu den spannendsten jungen Gesichtern der Ultracycling-Szene. Die 19-Jährige hat als jüngste Teilnehmerin sowohl das «Atlas Mountain Race» als auch das «Transcontinental Race» beendet. Ohne Trainingsplan, ohne Team, dafür mit einer klaren Haltung: «Ich fahre nicht superschnell, aber ich fahre sehr lange.»

Was sie dabei antreibt, hat sie im letzten Gespräch einfach erklärt: «Wenn man sich das grosse Ganze ansieht, kann es einen erschlagen.» Deshalb teilt sie ihre Reisen in kleine Etappen auf, fokussiert sich auf den nächsten Tag oder manchmal nur auf die nächsten paar Stunden. 

Nicht nur die härtesten Ultracycling-Rennen der Szene, sondern auch den Weg dorthin bestreitet die Powerfrau auf ihrem Zweirad. Ob die Startlinie in Marokko, Italien, in Kasachstan oder gar in China liegt, spielt dabei keine Rolle. Carlotta fährt in ihrer Heimat in Tübingen los und bestreitet den Weg zum Start auf ihrem Bike. 

30’000 Kilometer und 14 Tage zu Hause

Mehrere Ultra-Rennen weltweit und die entsprechenden Anfahrtswege haben Carlotta 2025 zehntausende von Velo-Kilometern beschert. Zu Hause war sie im Jahr 2025 gerade einmal zwei Wochen. Ihr Rückblick auf das vergangene Jahr passt auf wenige Zeilen: «Rund 30’000 Kilometer, einige Tiefpunkte, aber alles in allem ein grossartiges Jahr». Ausserdem betont die junge Frau:  «Ich bin dankbar für das Privileg, einfach das tun zu können, worauf eine ahnungslose 19-Jährige gerade Lust hat». Passend zu ihrem Motto: «Clueless but determined.»

Bis nach China

Lust scheint Lotti weiterhin auf das Velofahren und Essen zu haben. Ihr Tipp für gute Laune beim Velofahren lautet denn auch: «Erst mal was essen». Mit knurrendem Magen und niedrigem Blutzuckerspiegel könne sie weder konstruktiv denken noch lange pedalieren. Kein Wunder, hat sie 2025 insbesondere ihre Fahrt durch die Türkei und Georgien begeistert. Dort hatte sie besonders leckeres Essen gefunden und viel Gastfreundschaft erfahren. Diese Strecke hat «Lottipower» zwischen dem «Hellenic Mountain Race» in Griechenland und dem «Silk Mountain Race» in Kirgistan zurückgelegt. Beide Rennen zählen über 1000 Kilometer und je rund 30'000 Höhenmeter. Bereits einzeln sind das überragende Leistungen. Umso beeindruckender, dass «eine ahnungslose 19-Jährige» alle paar Monate Lust auf ein solches Abenteuer hat. 

Nächstes Ziel: «Race Across America»

Spätestens nach dem vergangenen Jahr mit fünf bestritten Ultracycling-Rennen gehört Carlotta als Fixpunkt in der Szene. Nach dem letzten Wettkampf des Jahres in China reiste sie erstmals in die USA. Dort bereitet sie sich aktuell mit drei anderen Frauen auf das «Race Across America» vor. Mitte Juni 2026 geht es los: einmal quer durch die Staaten, 4800 Kilometer und über 50'000 Höhenmeter.

Was sich seit dem letzten Gespräch mit Lotti im Frühling 2025 verändert hat, ist vor allem die Dimension ihrer Reisen. Mehr Kilometer, mehr Länder, mehr Rennen.

Gleich geblieben ist ihre Haltung. «Man muss sich selbst Gutes tun», hat sie gesagt. «Eine warme Dusche, ein gemütliches Bett oder frisch gekochtes Essen von den Gastgebern unterwegs machen die Reise angenehm und die Strapazen ertragbar», hat sie uns erzählt. So ist sie sich sicher: «Konstanz schlägt Intensität.» 

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