Canyon «Grizl:On CF Daily» im Test: Vielseitig wie ein Sackmesser

Canyon hat ein neues E-Gravelbike lanciert. Die Velos der «Grizl:On»-Serie sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Wir gingen mit dem Alltagsmodell «Grizl:On CF Daily» auf Testfahrt.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
Ausprobiert, News, 17.05.2024

Im März hat der deutsche Direktversender Canyon mit dem «Grizl:On» sein neustes E-Gravelbike herausgebracht. Das in vier verschiedenen Modellvarianten erhältlichen Elektrovelo unterscheidet sich von der bereits 2020 vorgestellten Gravel-Modellreihe «Grail:On». Der «Doppeldecker»-Lenker ist verschwunden, ein neuer Bosch-Motor kommt zum Einsatz und eine Federgabel gehört bei allen Bikes zum Standard.

Sportliches E-Bike für den Alltag

Das Modell «Grizl:On CF Daily» ist für den Alltagseinsatz konzipiert. Käuferinnen und Käufer erhalten ein vollausgestattetes Elektrovelo, das sich vielseitig nutzen lässt. Wer ganzjährig auf dem Sattel sitzt, weiss Schutzbleche zu schätzen. Canyon hat darum ein zur RockShox-«Rudy»-Federgabel passendes Frontschutzblech entwickelt. Die wertig wirkenden Alu-Schutzbelche sind lang gezogen und bewahren einen gut vor Spritzwasser – und zwar vorne wie hinten. Zudem fügen sie sich optisch harmonisch in die Gesamterscheinung des Velos ein.

Passend zum Anspruch auf Alltagstauglichkeit ist das Bike mit einem Gepäckträger ausgestattet. Dieser ist kompatibel mit Ortliebs «QL3.1»-System und für eine Zuladung bis 15 kg ausgelegt. Ein tolles Detail im Alltag ist das integrierte Licht. Auch hier setzt Canyon auf eine eigene Lösung. Der Lupine-«Nano SL»-Frontscheinwerfer ist direkt unterhalb des Lenkervorbaus montiert, verfügt über verschiedene Helligkeitsstufen und lässt sich bequem über einen kleinen Schalter am Lenker bedienen.

Noch kein Bremslicht

Die Rücklichter hat Canyon zusammen mit Lupine speziell für die «Grizl:On»-Modellreihe entwickelt. Sie sind über den Ausfallenden des Rahmens angebracht und damit auch dann gut sichtbar, wenn das Bike mit Taschen gefahren wird.

Aktuell verfügen die Leuchten über keine Bremslichtfunktion. Die nötigen Kabelführungen im Rahmen sind aber bereits vorhanden – Canyon könnte hier also in Zukunft ein Bremslicht nachschieben. 

Interessantes Detail zum Licht: Laut Canyon muss man sich nicht davor fürchten, plötzlich ohne Licht dazustehen, wenn dem Akku der Saft ausgeht. Die Lichter sollen noch zwei Stunden lang mit Strom versorgt werden, wenn die Reserve für die Pedalunterstützung bereits zu Ende ist.

Gravelbike mit Bosch-«SX»-Motor

Als Antrieb zum Einsatz kommt der neue Bosch-«SX»-Motor. Auf den Testfahrten verrichtet dieser seine Arbeit leise und zuverlässig. Das Fahren mit dem «Grizl:On CF Daily» macht viel Spass. Und zwar auf der Strasse wie abseits des Asphalts. Der Antrieb reagiert harmonisch auf jede Pedalbewegung und bietet mit seinem Drehmoment von bis zu 55 Nm stets die nötige Unterstützung, auch wenns mal richtig steil wird. Als Stromspeicher dient ein im Unterrohr fest integrierter 400-Wh-Akku. Wer keine Steckdose im Velokeller hat, muss das Bike zum Laden mit in die Wohnung nehmen.

Äusserst positiv zum Fahreindruck tragen die Geometrie des Carbonrahmens und die Federgabel bei. Die Sitzposition ist komfortabel – aber nicht zu komfortabel, sodass sich auch sportliches Fahren gut anfühlt. Toll: Selbst beim XS-Rahmen des Testvelos ist die Fussfreiheit genügend gross, sodass der Fuss auf dem Pedal weder Vorderrad noch Schutzblech berührt. Keine Selbstverständlichkeit bei kleinen Rahmengrössen.

Auf der Strasse, mehr aber noch auf Kieswegen oder im Wald spürt man die Wirkung der 40mm-Federgabel. Etwas schade ist, dass die Gabel nicht arretiert werden kann. Im Wiegetritt geht ein Teil der Energie somit verloren. Hier empfiehlt es sich, den Luftdruck der Gabel vor der ersten Fahrt mit der von Canyon mitgelieferten Pumpe richtig einzustellen.

Canyon «Grizl:On CF Daily»

Motor: Bosch «SX», 400-Wh-Akku
Schaltung: Shimano-«GRX RX822»-12-Gang
Gewicht: 17,6 kg
Preis: Fr. 5249.–
canyon.com