Wer sein Velo liebt, der zahlt – vor allem in der Schweiz

Dass die Schweizer gerne in die Pedale treten, ist kein Geheimnis. Dass sie dafür europaweit am tiefsten in die Tasche greifen müssen, nun auch nicht mehr. Der aktuelle Shimano-«State of the Nation»-Report bestätigt es.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
04.02.2026

Für den «State of the Nation 2026»-Report hat der Komponentenhersteller Shimano über 25'000 Menschen in 25 Ländern befragt, darunter rund 1000 in der Schweiz. Das Ergebnis ist ambivalent: Während die Ausganslage gut ist – 69,8 Prozent der Befragten besitzen ein Velo – harzt es im operativen Alltag.

Teures Pflaster: Wartungskosten als Hauptärgernis

Titelte Velojournal im Jahr 2020 noch «Schweizer finden E-Bikes zu teuer», hat sich der Fokus sechs Jahre später verschoben. Nicht mehr der nur der noch immer hohe Kaufpreis, sondern die laufenden Betriebskosten sind der grösste Reibungspunkt.

Der Report liefert deutliche Zahlen:

  • 52 Prozent der Befragten, die Wartungshürden erleben, nennen «hohe Kosten» als Ursache.
  • Das ist der höchste Wert in Europa.

Die Schweiz bestätigt ihren Ruf als Hochpreisinsel, was direkte Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit hat. 25 Prozent der Befragten geben laut Shimano an, notwendige Reparaturen aus Kostengründen hinauszuzögern.

Anzumerken ist, dass die hohen Servicekosten in der Schweiz zum einen dem hiesigen Lohnniveau geschuldet sind. Zum anderen treibt der Boom der Elektrovelos die Preise: Ihr Unterhalt ist deutlich aufwendiger als der von mechanischen Velos – und mehr Arbeitszeit schlägt sich im Preis nieder. Trotzdem ist die Branche keine Goldgrube; eine Fahrradwerkstatt rentabel zu führen, bleibt eine Herausforderung.

 

  • Hohe Verbreitung von Velos und E-Bikes: Knapp 70 % der Schweizer Bevölkerung besitzen ein Fahrrad.
  • Kostenfalle: 52 % der an der Umfrage teilnehmenden Personen nennen hohe Servicekosten als Haupthindernis bei der Wartung (Europa-Rekord).
  • Sicherheitsrisiko: Ein Viertel der Velofahrenden zögert Reparaturen aus Kostengründen hinaus.
  • Generationen-Gap: Junge Erwachsene (U34) haben dreimal häufiger Probleme mit dem Velo-Unterhalt als Senioren.

Fachkräftemangel führt zu Wartezeiten

Neben dem Preis sorgt der «Mechaniker-Mangel» für Frust. 28 Prozent der Schweizer Kundschaft beklagen lange Wartezeiten bei Velohändlern. 

Besonders betroffen ist die Generation U34: Über 60 Prozent der jungen Erwachsenen stossen auf Schwierigkeiten, ihr Velo fahrtüchtig zu halten. Im Gegensatz dazu melden bei der Generation 65+ nur 21 Prozent Probleme. Shimano warnt: Wenn Wartung als komplex und teuer wahrgenommen wird, droht die Branche die junge Zielgruppe zu verlieren.

Infrastruktur und Bildung: Der Schweizer Sonderweg

Es gibt jedoch Lichtblicke. Fast die Hälfte der Bevölkerung (48 %) sieht eine Verbesserung der Velo-Infrastruktur in den letzten 12 Monaten. Damit platziert sich die Schweiz im europäischen Mittelfeld.

Einzigartig ist der Schweizer Fokus auf Ausbildung: Während andere Länder auf bauliche Trennung von Radweg und Strasse setzen, nennen 44 Prozent der Schweizer Velofahrenden Velokurse (in Schulen und Gemeinden) als wichtigsten Faktor für die Kindersicherheit.

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