Muss es wirklich immer ein E-Bike sein?

Familien kommen heute fast nicht mehr ohne E-Bike aus. Es ginge auch anders, weiss Dr. V. Love. Doch ist das wirklich die beste Alternative?

Dr. V. Love, Velosoph (dr.v.love@velojournal.ch)
VLove, 16.09.2026

Geht Familie «ohne E» noch? Seit Jahren habe ich kein Mami, keinen Papi mehr ohne Elektrovelo gesehen. Muss es wirklich die 5000 Franken teure Familienkutsche sein, oder tut es auch mein erprobtes Stadtvelo mit Sitzli oder Anhängerkupplung? 

A.K. aus Z.

Liebe Frau K. 

Ich weiss, wovon Sie reden: Manchmal ertappe ich mich dabei, die monströsen elektrifizierten Gefährte für den Nachwuchstransport als eine Art SUV-Variante der Ökobewussten abzutun – teure, sperrige Ungetüme für Menschen, die es sich möglichst bequem machen und zeigen, dass sie sich das auch leisten können. 

Mir gefällt Ihre stoische Haltung, Frau K., ich bin in Ihrem Team. Apropos und zurück zur Frage: Heutzutage steht und fällt ja alles mit dem Image, das gewissen Objekten und Tätigkeiten zugeschrieben wird. Deshalb vermisse ich Velorennen, bei denen sich die Fahrerinnen und Fahrer mitsamt ihren Anhängern messen: befestigt an der Kupplung, normgefüllt mit zwei Kinder-Dummys à 20 Kilogramm und einem Harass Rivella. Mit Routen, die über Trottoirränder und entlang kurvenreicher Radwege führen. 

Videospiel-gestählte Fahrer würden per Controller versuchen, die Roboterkinder in den Anhängern ferngesteuert möglichst unkoordiniert zappeln zu lassen und so die Tempofahrten ihrer Gegner zu stören. Wer in solchen lebensechten «Muscle Parent’s Challenges» als Erster, als Erste noch das mitgeführte Altglas fachgerecht entsorgt hat, liesse sich als «Strictly no E!»-Champ feiern. 

Aber huch, was ist das? Beim Schreiben packt mich jäh ein leises Gruseln: Nicht auszudenken, wenn allenthal- ben Eltern mit stählernen Waden, Pulsuhren und hochgerüstetem Gear die Quartiere unsicher machen wür- den. Inklusive ihren wie Eiswürfel im Cocktailshaker durchgeschüttel- ten Kindern, die sie in stromlinienoptimierten Anhängern und Carbon-Kindersitzen mitführten. 

Vielleicht, liebe Frau K., ist ja alles gar nicht so schlecht, wie es ist, weil es ist, wie es ist. 

Winkt recht munter von fit zu fit dank Muskeltritt: Ihr Dr. V. Love

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