Dres Balmer,
Autor
(dres.balmer@bluewin.ch)
14.09.2026
Theophil Gubler widmet den Alpenstrassen mehrere Publikationen. Deren Lektüre zeigt, dass er von Jahr zu Jahr nicht mehr bloss die radelnde, sondern auch die automobile Menschheit im Visier hat.
Dres Balmer,
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(dres.balmer@bluewin.ch)
14.09.2026
Bergwärts beschert die Tremola dem Rennvelo eine geschmeidige Fahrt mit warmem Unterton, talwärts ist sie eine pickelharte Schüttelpartie. (Foto. Dres Balmer)
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Den Klausen preist Gubler in seinem Alpenstrassen-Buch als einen der rentabelsten Übergänge in der Schweiz, weil «das Klausenrennen um den grossen Bergpreis der Schweiz den Namen in aller Welt bekannt gemacht hat». Er lobt die Strassenbaukunst, die auch heute den Velofahrern gefällt. Gubler schreibt, die Kehren seien so angelegt, «dass sie spielend auch vom grössten Wagen ohne Reversieren genommen werden».
Kurz vor der Passhöhe erwähnt er das «Zielrichterhäuschen für das Klausenrennen». Es schwant dem lesenden Zyklisten, dass Radler Gubler ein Autorennen meint, ohne aber den Namen des Fahrzeugs zu nennen. Hinter Altdorf ist das Vorwärtskommen gegen Reuss und Wind mühsam, im Hitzesommer 2026 ist der Aufstieg nach Göschenen eine Qual. Vor hundert Jahren war die wichtige Eisenbahnstation Göschenen ein reicher Tourismusort mit Dutzenden Hotels, die heute alle leer stehen.
Gublers Auffahrt durch die Schöllenen klingt locker, dabei ist die streng. Heute geriete Gubler ins Schwärmen: Seit 2019 gibt es den vom Autoverkehr getrennten Veloweg durch die Schöllenen via Teufelsbrücke hinauf nach Andermatt, ein tolles Werk, ein hartes Vergnügen für unternehmungslustige Velomenschen. Die langweilige Auffahrt zum Oberalppass ist bald geschafft, dann Disentis und zack rechts ab Richtung Lukmanierpass, in die Val d’Infiern, also die nächste Schlucht, es folgen, so Gubler, «zehn nass-schlüpfrige Strassentunnel (Scheinwerfer andrehen!)»; er ist also wohl im Auto unterwegs.
Vor der Kneipe auf der Passhöhe stehen hundertzwanzig Motorräder und zehn Velos. Vor einem Jahrhundert war das Zahlenverhältnis umgekehrt. Ich sause hinunter ins Bleniotal, lange Strecken auf der Betonplattenstrasse mit den queren Fugen, die – padam, padam – in die Felgen knallen. Der Nacken ist steif, das Bleniotal 37 Kilometer lang. Gubler erwähnt das Dorf Dangio und die Schokoladefabrik Cima Norma, die 1903 gegründet wurde, wo zu den Glanzzeiten 500 Menschen Arbeit fanden. Die Geschäfte waren 1968 zu Ende. Heute wird die Anlage zu einer luxuriösen Absteige renoviert. Die Gubler-Pilger fahren weiter talauswärts bis Acquarossa. Gubler schreibt vom Endbahnhof der Biasca-Acquarossa-Bahn, die 1911 gegründet und 1973 stillgelegt wurde.
Die Strasse durch die Piottinoschlucht, 1555 bis 1561 von den Urnern gebaut, entschärft eine gefährliche Stelle der Reise über den Gotthard. (Foto: Dres Balmer)
In Acquarossa werden die Forscher neugierig auf ein Objekt, das Gubler nicht erwähnt: die tausendjährige romanische San-Carlo-Kirche oberhalb von Prugiasco, ein paar Kehren auf Asphalt bergauf pedaliert, eine halbe Stunde zu Fuss zu einem abgelegenen Bauwerk, dessen Eleganz die Besucher in ihren Bann zieht.
Eine Reisegefährtin weiss, dass hier ein Kraftort erster Güte ist. Die Schussfahrt geht talauswärts zum Wendepunkt Biasca, rechts hinauf in die Leventina, im Gegenwind nach Norden. Hinter Faido geht es weiter aufwärts bis zu einem Schild, das die «Gola del Piottino» ankündigt. Hier zweigen die Radler links ab, schieben das Velo über die geheimnisvolle Schluchtstrasse aus dem 16. Jahrhundert hinauf zur Zollstation Dazio Grande. Darüber schreibt Gubler Interessantes. Bloss noch fünfzehn Kilometer, und Airolo ist erreicht.
Da beginnt die vielgelobte Passfahrt schlechthin, auf Kopfsteinpflaster hinauf durch die Tremola; grossartig ist sie, da sanft in die Topografie gelegt. Die dadurch entstehende radlerische Schmiegsamkeit erwähnt Gubler nicht, wohl aber das Denkmal für den abgestürzten Flieger Adrien Guex auf der Passhöhe.
Die Abfahrt nach Hospental ist deshalb höllisch, weil Hunderte ungeduldige Autolenker den Stau durch den Gotthardtunnel mit der Passüberfahrt vermeiden wollen und so einen weiteren Stau über den Pass veranstalten. In Hospental ist die Motorlawine überlebt, und es geht zum Furkapass. Schon in und ab Realp sind die meisten von Theophil Gubler erwähnten Gasthöfe eingeschlafen, auch auf der Passhöhe gibt es keine Herberge mehr, weil alle durchrasen. In Gletsch ist das Grand Hôtel ebenfalls zugenagelt, an der Kreuzung übrig geblieben ist ein Imbiss, der den Radlern mit Pommes und Ketchup das Leben rettet.
Die Auffahrt zur Grimsel ist kurz, die Kehren sind schonend in die Felsflanke gelegt. Auf der Passhöhe rentieren drei Restaurants offenbar, sonst wären sie nicht offen. Vor ihnen stehen zweihundert Töffs und fünfzehn Velos. Die Abfahrt von der Grimsel hinunter nach Innertkirchen ist nicht nur eine zuweilen gefährliche Traumfahrt, sondern auch die Reise durch eine Kunstlandschaft der Elektroindustrie.

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