Julie Nielsen,
Redaktorin
(julie.nielsen@velojournal.ch)
News,
26.06.2026
Pedelecs dürfen nur eine begrenzte Motorleistung haben. Fachleute stellen diese Regel zunehmend infrage. Statt die Leistung zu deckeln, könnte künftig die Beschleunigung begrenzt werden.
Julie Nielsen,
Redaktorin
(julie.nielsen@velojournal.ch)
News,
26.06.2026
Die rechtliche Abgrenzung von Pedelecs und Kraftfahrzeugen hat grosse Bedeutung für Mobilitätswende und Inklusion. (Foto: christianiabikes)
Auf europäischer Ebene gewinnt die Diskussion an Fahrt, wann E-Bikes als Velos (Pedelec, Electrically Power Assisted Cycles (EPAC)) gelten und ab wann sie Kraftfahrzeuge sind. Die Unterstützung von Pedelecs endet bei 25 km/h, bei schnellen E-Bikes bei 45 km/h. Weniger bekannt ist, dass auch die Motorleistung gesetzlich begrenzt ist. Ob das Sinn ergibt wird in Fachkreisen zunehmend diskutiert.
Kritiker dieser Regelung argumentieren, dass die reine Motorleistung wenig über das tatsächliche Sicherheitsrisiko aussage. Mehr Leistung könne jedoch helfen, schwere Lasten zu transportieren, steile Anstiege zu bewältigen, bergauf ohne Motorüberhitzung fahren zu können oder bei Gegenwind komfortabler unterwegs zu sein. Besonders bei Lastenvelos, Mehrpersonen-Pedelecs oder Gespannen mit Anhänger stossen heutige Systeme teilweise an ihre Grenzen.
Anstelle einer Leistungsbegrenzung wird deshalb eine Beschleunigungslimitierung vorgeschlagen. Dabei würde nicht die maximale Motorleistung beschränkt, sondern die Kraft, mit der ein Fahrzeug beschleunigt.
Die Idee dahinter: Für die Verkehrssicherheit ist weniger entscheidend, wie viel Leistung ein Motor theoretisch bereitstellen kann, sondern wie dynamisch sich das Fahrzeug im Verkehr verhält. Ein schwer beladenes Cargobike könnte so am Berg oder beim Anfahren mehr Unterstützung erhalten und sicherer anfahren, ohne sich im Flachland aggressiver zu beschleunigen.
Technisch wäre eine solche Regelung möglich. Moderne Motorsteuerungen erfassen Geschwindigkeit, Drehmoment und Beschleunigung bereits heute in Echtzeit. Entsprechende Algorithmen könnten die Leistungsabgabe situationsabhängig steuern.
Von einer Lockerung der Leistungsgrenzen könnten insbesondere grössere und schwerere Velofahrzeuge profitieren. Cargobikes übernehmen zunehmend Transportaufgaben, die früher dem Auto vorbehalten waren. Gleichzeitig entstehen neue Fahrzeugkonzepte für Familien, Gewerbe und Logistik.
Ob die geltenden Vorschriften tatsächlich angepasst werden, ist offen. Die Diskussion zeigt jedoch, dass die bestehenden Regeln aus einer Zeit stammen, als Lastenvelos noch eine Randerscheinung waren. Mit der zunehmenden Vielfalt elektrischer Velos dürfte die Frage nach einer zeitgemässen Regulierung an Bedeutung gewinnen.

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