Kontrollschilder vom Tisch – die Debatte um Lastenvelos geht weiter

Die Forderung nach Kontrollschildern für Lastenvelos ist gescheitert. Mit dem Nein des Nationalrats ist die entsprechende Motion vom Tisch. Die Diskussion über neue Vorschriften für Velofahrende geht jedoch weiter.

Aline Kuenzler, Autorin (aline.kuenzler@velojournal.ch)
News, 23.06.2026

Die Forderung nach Kontrollschildern für Lasten- und Longtailvelos wurde vorerst ad acta gelegt . Der Nationalrat hat die entsprechende Motion des Genfer Ständerats Mauro Poggia abgelehnt und folgt damit dem Bundesrat sowie der Mehrheit seiner Verkehrskommission. Für Pro Velo und andere Verbände ist dies ein wichtiger Erfolg. Die Diskussion über zusätzliche Vorschriften für Velofahrende ist damit jedoch keineswegs beendet.

Sündenbock Lastenvelo

Der Vorstoss des Genfer Ständerats hatte bereits Ende 2025 für heftige Diskussionen gesorgt. Poggia argumentierte, die immer grösseren Lastenvelos würden aufgrund ihrer Länge und ihres Gewichts neue Risiken schaffen, Velojournal berichtete. Fehlbare Lenkerinnen und Lenker könnten ohne Kontrollschild oft nicht identifiziert werden. Deshalb sollten künftig alle Cargo-Bikes und Longtail-Velos immatrikuliert werden.
Die Gegnerinnen und Gegner hielten dagegen, dass die Forderung weder verhältnismässig noch sachlich begründet sei. Erst im Sommer 2025 waren neue Regelungen für Elektrovelos und Lastenvelos in Kraft getreten. Dabei wurden die Fahrzeugkategorien neu geordnet und die zulässigen Gesamtgewichte angepasst. Aus Sicht des Bundesrats bestand deshalb ebenfalls kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Zudem fehlten belastbare Hinweise darauf, dass Personen mit Lastenvelos überdurchschnittlich häufig in Unfälle verwickelt seien oder besonders oft gegen Verkehrsregeln verstossen würden.

Nationalrat versenkt Motion

Entgegen dieser Sachlage, wurde die Motion Ende 2025 im Ständerat mit 22 zu 15 Stimmen angenommen. Erleichterung für  Velofahrer und Velofahrerinnen brachte erst die Behandlung des Geschäft im Nationalrat vom Juni 2026. Die Empfehlung der nationalrätlichen Verkehrskommission fiel sehr deutlich aus: Mit 18 zu 2 Stimmen sprach sie sich gegen die Motion aus. Der Nationalrat folgte dieser Einschätzung und versenkte die Vorlage. Unterstützung erhielt der Widerstand auch aus der Bevölkerung. Eine von Pro Velo lancierte Petition gegen neue «Veloschikanen» wurde von mehr als 15'000 Personen unterzeichnet und dem Parlament übergeben.

Chronologie der Debatte

 Neue Vorschriften für E-Bikes und Lastenvelos treten in Kraft.

Ständerat Mauro Poggia reicht Motion für Kontrollschilder auf Cargo-Bikes ein. 

Ständerat nimmt die Motion mit 22:15 Stimmen an.

Pro Velo lanciert Petition gegen neue Velovorschriften.

Nationalrat lehnt die Motion ab. 

Weitere Vorstösse aka «Veloschikanen»

Wer nun glaubt, die politische Debatte um strengere Regeln für Velofahrende sei damit beendet, dürfte sich täuschen. Es liegen bereits weitere Forderungen auf dem Tisch, die teilweise in eine ähnliche Richtung zielen. So wird unter anderem eine Helmpflicht für Kinder diskutiert, die auf Lastenvelos transportiert werden. Die Befürworter argumentieren mit dem Schutz der mitfahrenden Kinder, Kritiker verweisen hingegen darauf, dass bereits heute geeignete Sitz- und Gurtsysteme vorgeschrieben sind und zusätzliche Pflichten die Attraktivität von Familien-Cargobikes schmälern könnten.

Ein weiterer Vorstoss fordert eine Ausbildungspflicht für Velofahrende. Wer ein Velo im Strassenverkehr benutzt, soll demnach bestimmte Kenntnisse nachweisen müssen. Gegner sehen darin vor allem zusätzliche Hürden für eine Verkehrsform, die eigentlich gefördert werden soll.

Noch weiter geht die Forderung nach einer allgemeinen Immatrikulationspflicht für Velos. Anders als bei der nun gescheiterten Cargo-Bike-Motion würden davon nicht nur Lastenvelos, sondern sämtliche Velofahrenden betroffen sein. Auch diese Idee taucht regelmässig in politischen Debatten auf, bislang jedoch ohne Erfolg. Der Bundesrat hat wiederholt darauf hingewiesen, dass der administrative Aufwand erheblich wäre und der Nutzen fraglich bleibe.

Grundsatzfrage bleibt bestehen

Die aktuelle Entwicklung erinnert an die Diskussionen, die derzeit auch auf europäischer Ebene geführt werden. Dort geht es zwar nicht um Kontrollschilder, sondern um technische Vorgaben für Elektro- und Lastenvelos. Die Grundfrage ist jedoch dieselbe: Wie stark soll ein Verkehrsmittel reguliert werden, das immer wichtiger wird, aber nicht in die traditionellen Kategorien von Auto oder Motorrad passt?

Während die einen mehr Kontrolle, Registrierung und Vorschriften fordern, warnen die anderen vor unnötiger Bürokratie. Aus Sicht der Veloverbände droht dabei der eigentliche Handlungsbedarf in den Hintergrund zu geraten. Statt neuer Regeln seien sichere Infrastruktur, genügend Abstellmöglichkeiten und eine bessere Integration des Veloverkehrs in die Verkehrsplanung die drängenderen Themen.

Die Ablehnung der Kontrollschildpflicht ist deshalb zwar ein Etappensieg für die Velolobby. Die politische Diskussion über zusätzliche Auflagen für Velos und Lastenvelos dürfte die Branche jedoch noch länger begleiten.

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