Bremst der Fachkräfte-Mangel den Veloboom aus?

Bereits im Februar hatte Shimano mit «Next Gen Bike Mechanics» eine Studie präsentiert, die vor dem Mangel an Fachkräften in Velowerkstätten und den Folgen warnt. Nun fordern auch grosse Verbände Gegenmassnahmen.

Laurens van Rooijen, Autor (lvr@cyclinfo.ch)
News, 15.10.2026

Während der Verkauf von neuen Velos stark konjunkturellen Schwankungen unterworfen ist, versprechen die Einnahmen aus der Werkstatt mehr Stabilität und damit dringend benötigte Planungssicherheit. Verschiedene Experten, darunter auch der inzwischen in den Ruhestand gewechselte Thommy May, fordern darum schon seit Jahren. die Werkstatt zu professionalisieren und dafür zu sorgen, dass deren Einnahmen einen grösseren Teil der laufenden Kosten zu decken vermögen. Der dazu passende Merksatz lautet «Verkauft Eure Expertise nicht unter Wert!», und die von 2rad Schweiz vorangetriebene Zertifizierung als exzellente Werkstatt ist Teil dieser Anstrengungen.

Laut der «Next Gen Bike Mechanics»-Studie von Shimano steht der Werkstatt als Profit generierendem Teil des Fachhandels aber ein hartnäckiger Mangel an Fachkräften gegenüber. Auf Basis von 25'000 in ganz Europa geführten Interviews mit Konsumenten kommt die Studie zum Schluss, dass Jahr für Jahr 212 Millionen Menschen bei der Reparatur oder beim Service von Velos oder E-Bikes mit Engpässen und Verzögerungen konfrontiert werden. 121 Millionen der Betroffenen nutzt darum Velo oder E-Bike weniger häufig, und 7.6 Millionen Menschen lassen es gleich ganz sein. Da sich diese Problematik bei Leuten unter 40 Jahren nochmals deutlicher zeigt, wird sie auch nicht verschwinden.

Die «Next Gen Bike Mechanics»-Studie von Shimano bietet weitere, spannende Zahlen. So sind in ganz Europa aktuell rund 175'000 Velomechanikerinnen und -mechaniker aktiv, was schon rund 45'000 zu wenige sind. Dies deckt sich mit Befunden der Werkstatt-Studie von Dynamot, die davon ausgeht, dass rund 30 Prozent der Fachgeschäfte in der Schweiz mit einem Mangel an Fachkräften in der Werkstatt in die neue Saison geht. Um den bis 2032 zu erwartenden Bedarf zu decken, müssten über ganz Europa hinweg 105'000 zusätzliche Stellen besetzt werden: einmal um den bestehenden Mangel zu beheben und einmal, weil E-Bikes und Leasing-Flotten absehbar zu mehr Arbeit in den Werkstätten führen werden.

Die Studie wurde am jüngsten, vom Dachverband European Cycling Industries (ECI) organisierten Branchentreffen im Detail vorgestellt und sorgte für rege Diskussionen. Basierend darauf wurden fünf Themenbereiche definiert, in denen konkrete Massnahmen gefordert werden: So sollen der bestehenden Stamm an Fachkräften unterstützt und weiter entwickelt, das Angebot an Fachkräften mittels verschiedener Massnahmen ausgebaut und günstige Rahmenbedingungen für die Berufsausbildung geschaffen werden. Zudem seien der Wert von Service und Unterhalt zur Kundenbindung zu überdenken und die notwendigen Strukturen zu schaffen, um Massnahmen umzusetzen.

Die ECI hat den Ernst dieser Thematik erkannt und eine ständige Arbeitsgruppe eingerichtet. Wo die Expertise fehlt, etwa in pädagogischen Fragen, will diese auch Wissen von aussen einholen, und vor allem soll diese Thematik auch auf EU-Ebene in den massgeblichen Gremien eingebracht werden. Denn sonst wird die Verkehrswende von Engpässen in den Werkstätten ausgebremst, was sich auch nachteilig auf die Nachfrage nach hochwertigen, über den Fachhandel verkauften Velos und E-Bikes auswirken dürfte. Und ja: Cyclinfo-Redaktor Laurens van Rooijen hat Anfang Jahr an der Infotech einen Vortrag zu ebendieser Thematik aus Schweizer Perspektive gehalten.

Fotos: zVg Shimano, Diagramme: zVg Shimano (2), LvR (1)

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