Velomarkt mit Sand im Getriebe

2021 ist der Schweizer Velomarkt nicht so spektakulär gewachsen wie im ersten Jahr der Corona-Pandemie. Der Grund dafür liegt aber weniger in der geringeren Nachfrage als bei Problemen in den Zulieferketten.

Laurens van Rooijen, Autor

Laurens van Rooijen, Autor (lvr@gmx.ch)
News, 17.03.2022

Im Jahr 2020 brach der Markt für konventionelle Velos und E-Bikes in der Schweiz laut der Statistik der Hersteller- und Importeursvereinigung Velosuisse alle Rekorde. Dabei ist zu beachten, dass rund die Hälfte des offiziell ausgewiesenen Wachstums von 38 Prozent der neuen Methodik der Erhebung geschuldet war.

Beim Vergleich mit den Statistiken der Eidgenössischen Zollverwaltung zeigte sich, dass die Abweichungen deutlich geringer ausfielen als früher – und dass die Statistik von Velosuisse somit dank der neuen Methodik näher an der Realität lag. Die nun veröffentlichten Zahlen für das Jahr 2021 bestätigen, was von vielen Marktakteuren zu hören war: Die Nachfrage blieb unverändert hoch, während die Versorgung mit Handelsware wegen Problemen in den Zulieferketten immer wieder stockte.

Markt schrumpft leicht, aber nicht beim Fachhandel

Prompt weist Velosuisse für das Jahr 2021 eine leichte Schrumpfung des Velomarkts um 1.6 Prozent oder 8'002 Stück aus. Damit sank die Zahl der in den Markt gebrachten Velos und E-Bikes wieder unter die Marke von 500'000 Stück. Für diese Abnahme sorgten ausschliesslich konventionelle Velos: Bei sportlichen Modellen ohne Alltagsausrüstung nahm der Markt um 10.1 Prozent oder 23'458 Velos ab.

Stabiler zeigte sich der Markt für konventionelle Velos mit Alltagsausrüstung mit einem Minus von bloss 0.7 Prozent oder 714 Stück. Ohne die hohe Nachfrage nach Velos für Kinder und Jugendliche hätte in diesem Segment aber ein stärkeres Minus resultiert. Zudem betraf der Rückgang laut Velosuisse-Statistik nur die Grossverteiler und Fachmärkte, die ein Minus von 6 Prozent verzeichneten, während beim Fachhandel ein Plus von 0.4 Prozent resultierte.

E-Bike-Verkäufe stiegen auch 2021 an

Im Unterschied zu konventionellen Velos blieben E-Bikes auch 2021 auf Wachstumskurs: Sportliche E-Bikes ohne Alltagsausrüstung legten um 9.1 Prozent oder 6316 Stück zu. Allerdings entfielen zwei Drittel des Wachstums in dieser Kategorie auf Grossverteiler und Fachmärkte. Nochmals markanter ist dieser Effekt bei den E-Bikes mit Alltagsausrüstung: Während diese Kategorie insgesamt um 9.7 Prozent oder 9853 Einheiten zulegte, musste der Fachhandel ein kleines Minus von 0.2 Prozent hinnehmen.

Dagegen konnten die Grossverteiler und Fachmärkte ein Plus von satten 64.2 Prozent oder etwas über 10'000 Stück verzeichnen. Klare Ausreisser beim Trend sind die schnellen E-Bikes und Cargobikes, die nach wie vor fast ausschliesslich über den Fachhandel verkauft werden und im vergangenen Jahr ein starkes Wachstum hinlegten.

Durch die gegenläufige Tendenz bei den konventionellen Velos und den E-Bikes haben letztere ihren Marktanteil nochmals ausbauen können: von 34.1 Prozent im Jahr 2020 auf 37.9 Prozent im vergangenen Jahr. Auch der Anteil der schnellen E-Bikes am Total der in den Markt gebrachten E-Bikes stieg von 11.35 Prozent im Jahr 2020 auf 12.1 Prozent im Jahr 2021.

Bemerkenswert ist, dass sich nach den ersten beiden Quartalen des Jahres 2021 trotz eher bescheidenem Wetter noch ein weiteres Wachstum des Velomarkts abgezeichnet hatte. Diese Tendenz wurde in der zweiten Jahreshälfte ausgebremst: Das Wachstum bei E-Bikes fiel über das ganze Jahr betrachtet schwächer aus und das Wachstum bei den konventionellen Velos verkehrte sich bis Ende Jahr sogar in eine Abnahme. Der Grund dafür lag bei der schlechten Warenverfügbarkeit und nicht bei einer sinkenden Nachfrage.

Empfohlene Artikel

Ein Mann gibt einer Frau Blumen
News

Velos sind nach wie vor gefragt

Karte, die verschiedene Provinzen der Volksrepublik China zeigt
News

Lockdowns in China stören erneut den Welthandel

Die Konsumentenstimmung ist im Juli 2022 auf einem historischen Tiefstand. Schaufenster eines Fahrradladens im Dunkeln.
News

Konsumentenstimmung sinkt weiter