Velo-Navis auf dem Holzweg?

Welches Navi führt Velofahrende nicht nur schnell, sondern auch sicher ans Ziel? Der TCS hat sechs Navi-Apps getestet. Ans Ziel kommt man mit allen, die gewählten Wege unterscheiden sich aber deutlich.

Aline Kuenzler, Autorin (aline.kuenzler@velojournal.ch)
16.09.2026

Google Maps, Apple Maps, Komoot oder doch eine spezielle Velo-App? Der Touring Club Schweiz (TCS) hat untersucht, wie gut Navigations-Apps für Velofahrende funktionieren. Im Fokus stand dabei nicht der schnellste oder kürzeste Weg, sondern die Sicherheit für Velofahreriennen. Gesucht wurden Strecken «ohne viel Einfluss von Autoverkehr», erklärt TCS-Mediensprecher Marco Wölfli gegenüber SRF.

Hintergrund des Tests sind laut TCS insbesondere Menschen, die neu oder nach längerer Pause aufs Velo beziehungsweise E-Bike steigen. Weniger routinierte Fahrerinnen und Fahrer können gemäss dem TCS im Strassenverkehr unsicher sein und seien deshalb besonders darauf angewiesen, dass eine Navigations-App tatsächlich eine sichere Strecke auswählt.

Getestet wurden Google Maps, Apple Maps, Komoot, OsmAnd und Bikemap sowie SchweizMobil als Referenz. Der TCS untersuchte zwei unterschiedliche Situationen in der Region Bern: eine alltägliche Fahrt durch die Hauptstadt sowie eine vorgegebene Rundtour mit Start und Ziel in Laupen.

Vom Veloweg bis zur Hauptstrasse

Für den Vergleich zerlegte der TCS die vorgeschlagenen Routen in einzelne Strassenabschnitte und teilte diese nach ihrer Sicherheit in Klassen ein. Die Skala reichte von A für einen dedizierten Veloweg bis D für eine Hauptstrasse ohne Veloinfrastruktur.

Aus Länge und Kategorie der einzelnen Abschnitte errechnete der TCS einen Sicherheitswert pro Kilometer. Zusätzlich flossen je nach Test unter anderem Bedienkomfort, Konfigurationsmöglichkeiten und Jahreskosten in die Bewertung ein.

Der Test hat allerdings Grenzen: Untersucht wurden lediglich zwei Strecken, beide in der Region Bern und von einer einzigen Testperson. Der TCS weist deshalb selbst darauf hin, dass sich die Rangliste nicht ohne Weiteres auf andere Regionen, Strecken oder Bedingungen übertragen lässt.

Bikemap meidet den Autoverkehr

Im Stadttest schnitt Bikemap am besten ab. Die App führte fast durchgehend durch Quartierstrassen sowie Tempo-30-Zonen und mied Hauptverkehrsachsen weitgehend. 

OsmAnd erreichte den zweithöchsten Sicherheitswert. Dafür schlug die App mit 8,48 Kilometern die längste Route vor. Ein kurzer Abschnitt über den weitgehend autofreien Bundesplatz musste zudem zu Fuss zurückgelegt werden.

Google Maps wählte mit 6,35 Kilometern dagegen die direkteste Route. Die App führte vorwiegend über Quartier- und Sammelstrassen, wählte aber mehrfach stärker befahrene Strassen, obwohl ruhigere Alternativen bestanden hätten.

Noch schlechter schnitt Apple Maps bei der Streckenwahl ab. Mehrere von der App als Veloroute bezeichnete Abschnitte verliefen tatsächlich auf Hauptstrassen, teilweise ohne Veloinfrastruktur. Die vorgeschlagene Route führte gar über einen Fussgängerabschnitt, sodass das Velo kurz geschoben werden musste.

Google Maps nimmt den kürzeren Weg

Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der Freizeittour rund um Laupen. Als Referenz diente hier die Route von SchweizMobil. Sie verlief zu einem grossen Teil auf dem offiziell signalisierten Radweg «Gürbe-Sense».

Komoot schlug exakt dieselbe Strecke wie SchweizMobil vor. Auch Bikemap und OsmAnd erzielten hohe Sicherheitswerte.

Google Maps landete dagegen am Ende der Rangliste. Die App führte lediglich auf rund 2,15 Kilometern beziehungsweise 6,9 Prozent der Strecke über den offiziellen Radweg. Gleichzeitig verliefen rund 3,8 Kilometer über Strassen der schlechtesten Sicherheitsklasse D. Zwei Fussgängerunterführungen machten zudem das Absteigen und Schieben nötig.

Apple Maps konnte bei dieser Tour nicht bewertet werden. Im Velo-Modus liessen sich die benötigten Zwischenstopps nicht eingeben.

Spezialisten schneiden besser ab

Über beide Teststrecken hinweg liegt Bikemap vorne. Dahinter folgen OsmAnd und Komoot. Die beiden Apps haben laut TCS unterschiedliche Stärken: OsmAnd überzeugte stärker im spontanen Stadtverkehr, Komoot bei einer im Voraus geplanten Tour.

Google Maps fiel dagegen in beiden Tests zurück. Die App bevorzugte mehrfach weniger sichere Abschnitte, obwohl andere getestete Anwendungen ruhigere Alternativen fanden. Wer aber die direkteste Route sucht, ist mit der Google-Lösung weiterhin gut bedient.

Ganz unbrauchbar ist deshalb aber keines der getesteten Navis. «Man kommt mit allen ans Ziel», fasst TCS-Mediensprecher Marco Wölfli gegenüber SRF zusammen.

Auch der Preis zählt

Testsieger Bikemap kostet laut TCS 39 Franken pro Jahr. SchweizMobil mit Plus-Abo kostet 35 Franken jährlich und eignet sich insbesondere für bereits geplante Freizeittouren, bietet jedoch keine freie Adresseingabe für den Alltag.

Komoot verbindet beide Einsatzbereiche in einer App und kostet 60 Franken pro Jahr. OsmAnd bietet ebenfalls eine überzeugende Sicherheitsbilanz. Die vollständig kostenlose Variante ist allerdings nur für Android über den alternativen App-Store F-Droid verfügbar; auf iOS sind Funktionen eingeschränkt beziehungsweise kostenpflichtig.

Der TCS empfiehlt Bikemap insbesondere jenen Personen, denen die Sicherheit der vorgeschlagenen Strecke sowohl im Alltag als auch auf Touren besonders wichtig ist. Für fertig geplante Freizeittouren sieht er SchweizMobil als gute und vergleichsweise günstige Lösung, während Komoot Alltagsnavigation und Tourenplanung in einer Anwendung kombiniert.

Dieser Beitrag basiert auf dem Beitrag «Einige Velo-Navis lassen uns schieben – und kennen Velowege nicht» der SRF-Sendung «Espresso», auf dem zugrunde liegenden Test und den Testinformationen des Touring Club Schweiz (TCS). Die Testresultate und Angaben zur Methodik stammen vom TCS. 

 

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