Tempo 30 macht Verkehr in Zürich leiser und sicherer

Eine Reduktion der Geschwindigkeit führt zu weniger Verkehrslärm und mehr Lebensqualität. Das zeigt eine Studie des Umwelt- und Gesundheitsschutzes der Stadt Zürich und des Bundesamts für Umwelt BAFU.

Fabian Baumann, Redaktor

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
News, 12.05.2022

In vielen Städten ist es zu laut. Der andauernd hohe Lärmpegel ist für viele Menschen nicht nur störend, sondern wirkt sich auf Dauer auch auf die Gesundheit aus. In Zürich beispielsweise werden die Immissionsgrenzwerte für Strassenlärm auf einem Streckennetz von rund 230 km überschritten. Die grösste Schweizer Stadt will das Problem mit verschiedenen Massnahmen lösen. Eine davon ist die Reduktion der maximal zulässigen Geschwindigkeit des Verkehrs von 50 auf 30 km/h auf den betroffenen Strassenabschnitten.

Tempo 30 hat viele Vorteile

Tempo 30 bringe mehr als bisher allgemein angenommen werden, heisst es dazu bei der Stadt Zürich. Mit einer Temporeduktion sinke nicht nur der tatsächliche Lärmpegel, sondern auch die Strassenlärmbelästigung sowie die selbstberichteten Schlafstörungen gingen deutlich zurück. Gleichzeitig steige das Verkehrssicherheitsempfinden.

Die Stadt Zürich untermauert diese Aussage mit einer Studie. Zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat der Umwelt- und Gesundheitsschutz der Stadt Zürich (UGZ) eine umfangreiche Befragung durchgeführt. Der zufolge führen Temporeduktionen in hohem Mass zu weniger Lärmbelastungen.

«Wer einmal an einer Tempo-30-Strasse wohnt, will diese Verbesserung der Lebensqualität nicht mehr hergeben.»

René Estermann, Direktor UGZ

«Wir gehen davon aus, dass diese überproportionale Entlastung zu grossen Teilen auf die Veränderung der Lärmcharakteristik zurückgeht», sagt Rainer Zah, Leiter Geschäftsbereich Umwelt beim UGZ. Bei Tempo 30 verstetige sich der Verkehrsfluss, die Maximalpegel der Vorbeifahrten gingen stark zurück und der Anstieg des Lärmpegels bei einer einzelnen Vorbeifahrt erfolge langsamer, fügt Zah hinzu.

Sicherheit und Lebensqualität steigen, sagt die Bevölkerung

Für die Studie haben UGZ und BAFU zwischen 2017 und 2020 mehrere Tausend Personen befragt. Die Basis bildeten zufällig ausgewählte Zürcherinnen und Zürcher, die entlang von 15 verschiedenen Streckenabschnitten leben, bei denen Tempo 30 eingeführt wurde.

Die Fragen wurden jeweils vor und nach der Temporeduktion beantwortet. Die Auswertung zeigt, dass die Geschwindigkeitsreduktion um 20 km/h die empfundene Lärmbelästigung des Verkehrs stärker reduziert als rein physikalisch messbar ist. Die Befragten empfanden den Verkehrslärm am Tag um rund 2 dB und in der Nacht sogar um gut 4 dB reduziert. 

«Wer einmal an einer Tempo-30-Strasse wohnt, will diese Verbesserung der Lebensqualität nicht mehr hergeben», resümiert UGZ-Direktor René Estermann.

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