Schweizer Velo-Unfallrisiko doppelt so hoch wie in den Niederlanden

Velofahrende in der Schweiz leben gefährlicher als solche in den Niederlanden. Das vermittelt eine neue Studie, die auch einiges über die Schweizer Verkehrsinfrastruktur zu sagen hat.

Frederic Härri, Redaktor (frederic.haerri@velojournal.ch)
News, 23.09.2026

Velofahren ist in der Schweiz doppelt so gefährlich wie in den Niederlanden. Das legt eine Studie nahe, welche die Fachzeitschrift «Journal of Safety Research» Mitte dieses Monats veröffentlicht hat. Die Studie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Forschenden der Universität Twente und der ETH Zürich. Diese werteten über 86'000 von der Polizei registrierte Velounfälle aus den Jahren 2019 bis 2022 aus. 

Das Resultat: In der Schweiz wurden im genannten Zeitraum pro 100'000 gefahrener Kilometer im Schnitt 0,19 Velounfälle erfasst, während es in den Niederlanden 0,9 Velounfälle waren.

ÖV-Haltestellen als Gefahrenherd 

Grösster Unfallherd in der Schweiz waren demnach Orte, an denen unterschiedliche Verkehrsteilnehmende auf engem Raum aufeinandertreffen. Wenig überraschend kam es bei Bus- und Tramhaltestellen zu vielen Unfällen. Auch Tramgleise werden als Gefahrenherd genannt. Erhöhtes Risiko herrschte gemäss der Studie auch an Verkehrskreuzungen. 

ÖV-Haltestellen, Tramgleise und Kreuzungen also gehören in der der Schweiz zu Problemstellen, während die Unfallgefahr an vergleichbaren Orten in den Niederlanden deutlich geringer ausfällt. Die Studienautoren erklären sich diese Diskrepanz mit der Ausgestaltung ebenjener Stellen. 

Ein Beispiel: Während niederländische Velowege zumeist hinter ÖV-Haltestellen (und nicht davor) durchführen, müssen Velofahrende in der Schweiz mehrfach dicht an wartenden Bussen oder Fussgängern vorbeifahren.

Eine schnelle Lösung: gar nicht so einfach 

Ist die Lösung zu höherer Verkehrssicherheit also, das niederländische Modell zu kopieren? So leicht hat man es sich damit nicht gemacht, wie etwa die Umsetzung des Velovorzugsrouten-Netzes in der Stadt Zürich zeigt. Eine Problematik, über die auch das Velojournal kürzlich berichtete. 

Dass erst knapp über 6 Kilometer von eigentlich bis 2031 geplanten 130 Kilometern umgesetzt sind, verdeutlicht, wie langwierig und kompliziert Veränderungen an der Verkehrsinfrastruktur hierzulande sein können. Neben direktdemokratischen Instrumenten (zum Beispiel: Einsprachen) erweisen sich auch bauliche Limitationen als Hindernisse. Der Platz in Schweizer Städten ist begrenzt. Welchen Verkehrsteilnehmern er zustehen soll und wo Tempo 50 und wo Tempo 30 zu gelten hat, darüber entzünden sich immer wieder politische Debatten. 

Dass das Velo in den Niederlanden höhere gesellschaftlichere Akzeptanz geniesst als in der Schweiz dürfte unbestritten sein. Die Folgen davon sind in der bestehenden Verkehrsinfrastruktur wiederzuerkennen. 

Studie zeigt nicht alles auf

Gleichwohl ist bei der Interpretation der Studienergebnisse auch Vorsicht geboten. Der Untersuchungszeitraum von 2019 bis 2022 liegt bereits einige Jahre zurück. Zudem wurden Unfälle mit E-Bikes und S-Pedelecs von den niederländischen Behörden nicht konsistent erfasst. 

Auch die Dunkelziffern sind nicht zu vernachlässigen. Nicht jeder Unfall mit reinem Sachschaden wird bei der Polizei gemeldet und taucht folglich in der Statistik nicht auf.

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