Pete Mijnssen,
Chefredaktor
(pete.mijnssen@velojournal.ch)
News,
15.09.2026
Ende August eröffnete die Stadt eine weitere Velovorzugs-Etappe zwischen Stauffacherquai und See. Ein Augenschein zeigt, wo es noch hapert.
Pete Mijnssen,
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15.09.2026
Übergang am General Guisan-Quai: Nach minutenlangem Warten haben Velos und zu Fussgehende dreissig Sekunden Zeit, die Strasse zu queren. (Foto: Pete Mijnssen)
Die gute Nachricht vorab: Der neue Abschnitt Velovorzugsroute Bullingerplatz – See ist ein weiterer, wenn auch zaghafter Schnitt zur Stärkung des Veloverkehrs in Zürich. Denn das Teilstück ab Stauffacherquai Richtung Zürichsee ist gerade einen Kilometer lang. Damit hat die Stadt bisher erst 6,28 Kilometer an Velovorzugsrouten umgesetzt. In Relation zum 130 Kilometer langen Velovorzugsrouten-Netz, das bis 2031 entstehen soll, ist das ein klitzekleiner Schritt.
Fairerweise ist zu sagen, dass es auch abseits dieser Route vorwärtsgeht: So ist etwa die Zufahrt zum Hauptbahnhof vom Kreis 4, über die Vorzugsroute Brauer-Zeughausstrasse, inzwischen bequem zu erreichen. Ganz abgesehen vom Stadttunnel, dessen Eröffnung letztes Jahr ein Meilenstein für Zürich war. Der Erfolg ist messbar: Über eine Million Fahrten verzeichnete die Stadt bis Ende 2025. Auch an vielen anderen Orten geht es vorwärts, die neu aufgetragene gelbe Farbe ist an vielen Orten unübersehbar.
Dennoch: Gerade die Eröffnung der Vorzugsroute an den See zeigt die Grenzen auf. In diesem Fall am Übergang zum General-Guisan Quai, wo sich in den Sommermonaten der Velo- und Fussgängerverkehr staut, um dem öffentlichen und dem motorisierten Verkehr den Vortritt zu lassen. Wenn diese dann jeweils nach für Zürich unüblich langen Minuten Grün haben, ist Eile angesagt: Dreissig Sekunden hat der Aktiv-Verkehr Zeit, zu queren.
David Durner von der Dienstabeilung Verkehr sagt gegenüber Velojournal, dass sich dies auch nicht so schnell ändern wird: «Auch in Zukunft werden Fussgänger*innen und Velofahrende am General Guisan-Quai warten müssen.» Eine Verbesserung sei auf Herbst 2029 geplant – ohne Gewähr. Eine verbesserte Verkehrsführung für den Velo- und Fussverkehr zusammen mit der Sanierung der Quaibrücke wäre sinnvoll, «da für dieses Vorhaben der Autoverkehr drastisch reduziert werden muss», so Durner. Geduld ist also weiterhin gefragt.
Ein weiterer Knackpunkt ist die Uraniastrasse, wo schon lange Tempo 30 und Verbesserungen für den Veloverkehr geplant sind. Nach aktuellem Stand ist die Stadt dort mit dem Kanton deswegen im Clinch. Erschwerend kommen Hürden wegen der im letzten November angenommenen (aber in der Stadt abgelehnten) Mobilitäts-Initiative hinzu. In guter Erinnerung ist der Streit zwischen Stadt und Bund wegen einer provisorischen Velospur am Neumühlequai.
Ein weiteres Indiz dafür, wie die Stadt in der Defensive steht, mag die Fertigstellung der Bellerivestrasse im Seefeld sein. Dort war ursprünglich ein Versuch mit einem Velostreifen geplant, verbunden mit einem provisorischen Spurabbau. Nach einem Aufschrei in der bürgerlichen Presse wurde die Baustelle nicht nur zwei Monate früher fertiggestellt. Auch von einer Velospur auf der Bellerivestrasse, geschweige denn Tempo 30 ist nichts mehr zu vernehmen.
Noch ist der Veloverkehr auf der Velovorzugsroute an der Tödistrasse überschaubar. (Foto: Pete Mijnssen)
Fazit: Die Stadt macht zwar vorwärts mit der Reduktion der Parkplätze, erhält in den meisten Fällen vor Gericht recht und baut schrittweise am Routennetz. Sie stösst aber nach wie vor an neuralgischen Stellen an ihre Grenzen.
Dieses politische Seilziehen kann noch Jahrzehnte dauern. Geht es so weiter, wird am Schluss aus Zürichs Velorution ein Revolutiönchen im Taschenformat.

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