Politikum Lastenrad

In der Abstimmungsdebatte in Deutschland steht plötzlich das Lastenrad im Mittelpunkt. Grund: Die Grünen wollen einen Zuschuss für die Anschaffung privater Cargobikes. Weltfremd finden das andere Parteien.

Julie Nielsen, Redaktorin (julie.nielsen@velojournal.ch)
News, 27.08.2021

Sie sind gesund, sowohl für die Menschen als auch für die Umwelt. Darum sollen sie jetzt bei der Mobilitätswende helfen: die Cargobikes. Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock fordert deshalb einen Zuschuss von 1000 Euro beim Kauf von privaten Lastenrädern. Derzeit können in Deutschland nur Firmen, Kommunen und Vereine eine Förderung beantragen.

Pro

Mit dem neuen Zuschuss sollen auch Menschen, die keinen Führerschein haben oder das Auto nicht nutzen wollen, ihre Einkäufe bequem nach Hause bringen können, das Hauptargument der Grünen. Ausserdem soll damit eine Ergänzung zur 6000-Euro-Förderung von Elektroautos angeboten werden.

Auch der Allgemeine deutsche Fahrrad-Club ADFC spricht sich für eine «langfristige Kaufförderung und eine stärkere Förderung der Sharing-Angebote» aus. Ann-Kathrin Schneider, Bundesgeschäftsführerin der Lobbyorganisation, findet: «Lastenräder haben grosses Potenzial für die Verkehrswende. Sie transportieren Kinder, Einkäufe, Pakete, Handwerkskisten und Apothekensendungen – alles Anwendungen, für die sonst Autos oder Transporter genommen werden. Damit entlasten sie Städte und Klima. Der Vorschlag für eine Bundesförderung von Lastenrädern ist ausgesprochen zeitgemäss.»

Kontra

Der Vorschlag der Grünen stösst bei CDU, FDP und der Linken auf harsche Kritik.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak schrieb am 22. August auf Twitter, die Vorschläge der Grünen im aktuellen Wahlkampf würden «immer abstruser und weltfremder».

Bei der FDP klingt es ähnlich: «Die Grünen wollen mit dem Geld der Steuerzahler Klientelpolitik betreiben», sagte Vize-Fraktionschef Christian Dürr der Nachrichtenagentur AFP. «Wir werden das Weltklima nicht retten, indem wir Lastenräder in Berlin-Kreuzberg bezuschussen.»

Auch die Linke steht dem Vorstoss ablehnend gegenüber. «Lastenfahrräder können in einigen Städten eine Hilfe sein, in den ländlichen Regionen helfen sie praktisch niemandem», sagte Linken-Fraktionschefin Amira Mohamed Ali gegenüber der «Welt». «Wer glaubt, mit einer staatlichen Förderung von Lastenfahrrädern die Verkehrswende einleiten zu können, der befindet sich auf dem Holzweg.» Sie betont, es müssten vielmehr der öffentliche Nahverkehr konsequent ausgebaut und die Ticketpreise gesenkt werden.

In der Schweiz

In der Schweiz gibt es ein vergleichbares Programm von «Myclimate». Es soll die Verbreitung von E-Lastenvelos für den Warentransport im innerstädtischen Verkehr fördern, da so CO₂- und weitere Schadstoffemissionen reduziert und der städtische Verkehr entlastet werden können. Wer ein E-​Cargobike erwirbt, profitiert im Rahmen des Myclimate-​Programms von einer jährlichen Abgeltung aus dem Verkauf der CO₂-​Zertifikate, wodurch ein Teil der Anschaffungskosten gedeckt werden soll.

Empfohlene Artikel

Empfohlene Artikel

Ein Rennradfahrer blickt nach hinten über die Schulter.
News

Saubere Bestenlisten: Strava geht mit KI gegen «E-Bike-Schummler» vor

Eine Person fährt mit dem Gravelbike durch einen Bach.
News

Bixs «Traverse X»: Neues Gravelbike aus Alu mit Carbon-Specs

Lego Figuren mit Fahrrad.
News

Wer sein Velo liebt, der zahlt – vor allem in der Schweiz