Fabian Baumann,
Redaktor
(fabian.baumann@velojournal.ch)
News,
04.10.2024
In New York haben findige Köpfe einen Weg gefunden, mit dem Ausleihen von «Citi Bike»-Velos Geld zu verdienen. Allerdings nicht zur Freude aller Nutzerinnen und Nutzer des Bikesharing-Systems im Big Apple.
Fabian Baumann,
Redaktor
(fabian.baumann@velojournal.ch)
News,
04.10.2024
Angedockte «Citi Bikes» warten auf Nutzerinnen und Nutzer. (Foto: Jim.henderson CC BY-SA 4.0)
Bikesharing-Systeme gibt es in vielen Städten weltweit. So auch in New York. In der Grossstadt an der US-Ostküste gibt es mehr als 1700 Veloverleihstationen. Insgesamt sind 27'000 Fahrräder, genannt «Citi Bikes» im Einsatz.
In New York ist es aber auch so wie an anderen Orten, an denen es ein Bikesharing-Netz gibt: Nicht immer sind die Velos dort, wo sie sein müssten oder gerade am meisten gebraucht werden. Der «Citi Bike»-Betreiber Lyft führte darum 2016 ein Programm ein, das Nutzerinnen und Nutzer dazu motivieren soll, Leihvelos an Stationen mit hoher Nachfrage zu bringen.
Wer als «Bike Angel» ein «Citi Bike» an eine solche Station bringt, sammelt Punkte. Jeder Punkt hat den Gegenwert von 20 Cents, umgerechnet rund 17 Rappen.
Wie die New York Times berichtet, hat das System findige Köpfe auf den Plan gerufen. «Bei der Überwachung einer Karte der Stationen in der Lyft-App stellten sie fest, dass der Algorithmus Punkte auf einer gleitenden Skala je nach Bedarf vergibt. Das Abholen eines Fahrrads an einer völlig überfüllten Station: bis zu vier Punkte. An einer leeren Station andocken? Das ist bis zu vier weitere Punkte wert. Wer innerhalb von 24 Stunden mindestens vier Velos transportiert, bekommt alle seine Punkte mit dem Faktor drei multipliziert.» Mit einer Fahrt lassen sich so im Idealfall 24 Punkte, also US-Dollar 4.80 verdienen, rechnet die Zeitung vor.
Das hört sich nicht nach viel Geld an. Doch wie die Bestenliste zeigt, generieren einige der Veloengel in kurzer Zeit enorm viele Punkte. Die beim Schreiben dieser Zeilen bestplatzierte Person mit dem Benutzernamen «AI180» hat innerhalb der ersten vier Oktobertage 4514 Punkte gesammelt. Gegenwert: gut 767 Franken.
Wie ist das möglich? Gemäss der New York Times gehen die Akteure geschickt und gezielt vor. Um möglichst viele Leihvelos in möglichst kurzer Zeit zu bewegen, suchen sie sich Stationen aus, die nahe beieinander liegen.
Da einige der «Engel» auch zusammen arbeiten, können sie innerhalb einer Viertelstunde eine Station leeren und eine andere mit «Citi Bikes» auffüllen. Alle 15 Minuten setzt der Algorithmus des Bikesharing-Systems die Punkte zurück – und das Spiel beginnt von Neuem. In der Gegenrichtung.
Was den einen Geld einbringt, stört aber andere. So schreibt ein Nutzer auf der Plattform Reddit: «Diese Leute in Aktion zu sehen, ist superfrustrierend als langjähriges Mitglied der Bike-Angel-Community. Leuten wie diesen sollte die Mitgliedschaft entzogen werden. Ich beobachtete ein Team von vier Jungs, die Velos von einer Station räumten und auf das 15-Minuten-Fenster warteten, um die Werte zurückzusetzen und dann alle Fahrräder zurück zur anderen Station zu bewegen. Sie wiederholten dies stundenlang. Sie trieften vor Schweiss, offensichtlich hatten sie stundenlang den Job gemacht und die Velos zwischen den beiden Stationen hin und her geschoben.»
In den mehr als 120 Antworten auf den Eintrag berichten verschiedene Personen, durch die Praktik der «Velo Engel» daran gehindert zu werden, ein Velo auszuleihen. Andere hingegen verteidigen sie und finden nichts daran, das System auszunutzen. Schliesslich sei diese Praxis von «Citi Bike» nicht explizit verboten.
Ein Angestellter von Lyft füllt in New York eine Station mit «Citi Bikes» auf. (Foto: Jim.henderson CC0)
In der Tat scheint es so, als ob Lyft sogar profitiert. Laut New York Times beschäftigt «Citi Bike» mehr als tausend Angestellte, die sich um die Verteilung der Leihvelos zwischen den Stationen kümmern, Akkus der E-Bikes tauschen und die Velos pflegen.
Dazu kämen «Zehntausende von Bike Angels» in der Stadt, schreibt die Zeitung. Nur die Top-20 von ihnen sammelt wirklich viele Punkte – und nutzt potenziell das System zu ihren Gunsten aus. Unter dem Strich komme ihre Arbeit Lyft günstiger zu stehen, als wenn mehr eigenes Personal angestellt würde.
Und so scheint der Bikesharing-Anbieter auch nicht viel Interesse daran zu haben, das Ausnutzen des Algorithmus zu unterbinden. Und das Punktesammeln geht munter weiter.

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