King Liu: Der Visionär hinter Giant ist verstorben

Vom Aalzüchter zum Weltmarktführer: King Liu prägte die globale Velobranche wie kaum ein anderer. Ein Rückblick auf das beeindruckende Leben des Giant-Gründers und sein Erbe im Zentrum der Veloindustrie Taiwans.

Laurens van Rooijen, Autor (lvr@cyclinfo.ch)
News, 18.02.2026

Das Leben und Wirken von King Liu fiel in eine Zeit starker Umbrüche in Taiwan: Liu wurde 1934 in der Stadt Taichung geboren, die heute als das Zentrum von Taiwans Velo-Industrie gilt. 

Da die Insel damals Teil des japanischen Kaiserreichs war, wurde King Liu bis im Alter von 11 Jahren auf japanisch unterrichtet, ehe die Republik China in Taiwan das Szepter übernahm und Japanisch von Mandarin als der offiziellen Amts- und Schulsprache abgelöst wurde.

Dass King Liu als Schulkind Japanisch gelernt hatte, sollte sich in den frühen 1970er-Jahren als grosser Vorteil erweisen. Denn als die Produktion von Rahmen für Velos und stationäre Velotrainer in Japan zu teuer wurde, rückte Taiwan als Alternative in den Fokus. Und Liu war der japanischen Sprache nach wie vor mächtig.

Vom Aalzüchter zum grössten Velohersteller der Welt

King Liu verdiente bis 1972 sein Geld mit der Zucht von Aalen, aber nachdem ein Taifun seine Zuchtteiche mit Schlamm geflutet hatte, entschied sich Liu für einen Neuanfang – in der eben erst entstehenden und auch vom Staat geförderten Veloindustrie Taiwans. 

Zunächst operierte Liu als Auftragsproduzent für verschiedene, grosse Anbieter aus den USA. Als nächsten Schritt gründete er die Marke Giant und leistete damit Pionierarbeit in Taiwan. 

Unter seiner Führung wurde Giant zu einer globalen Marke und die Giant Group zum nach Umsatz grössten Velohersteller der Welt – mit Fabriken und Niederlassungen in China, Vietnam und den Niederlanden.

Ein Patron der Velobranche

Erst 2017 zog sich King Liu aus dem Vorstand der Giant Group endgültig in den Ruhestand zurück und übergab den Vorstandsvorsitz an seine Nichte Bonnie Tu. King Lius einziger Sohn Young Liu stieg damals zum CEO auf. Mit dem Jahreswechsel 2025 übernahm dann Young Liu den Vorstandsvorsitz, während mit Phoebe Liu ein weiterer Spross der Gründerfamilie auf den CEO-Posten nachrückte.

Der Liu-Clan verliert mit dem Tod von King seinen Patron – und das vor dem fernöstlichen Neujahrsfest, bei dem die Familie ganz im Zentrum steht und der Zusammenhalt gefeiert wird. Und die globale Velobranche verliert einen ihrer grossen Patrons.

Empfohlene Artikel

Empfohlene Artikel

Firmengebäude von Giant.
News

US-Zoll blockiert Giant-Fahrräder wegen Zwangsarbeits-Vorwürfen

News , Hintergrund

Taiwan: Veloindustrie zwischen Zöllen und Fachkräftemangel

Grüne Container mit Hafenkränen.
News

Der Zustand der Velobranche zeigt sich am Beispiel Taiwans