Für Velo-Nationalstrassen besteht keine Notwendigkeit

Braucht die Schweiz ein Velo-Nationalstrassennetz, ähnlich den Autobahnen? Nein, sagt der Bundesrat in seiner Antwort auf ein Postulat – und will Velobahnen aber trotzdem fördern.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
News, 11.04.2024

Die Schweizer Autobahnen verbinden das Land über die Zentren und Agglomerationen hinweg auf direktem Weg. Doch was wäre, wenn das Land auch über ein schnelles Velo-Nationalstrassennetz verfügte? Genau diese Frage stellte der damalige FDP-Nationalrat Rocco Cattaneo mit einem Ende 2019 eingereichten Postulat dem Bundesrat.

Cattaneo beauftragte die Landesregierung, im Rahmen einer Machbarkeitsstudie die Entwicklung eines sicheren und schnellen Velo-Nationalstrassennetzes zwischen den Schweizer Agglomerationen zu prüfen. Am 10. April hat die Schweizer Landesregierung einen Bericht verabschiedet, der das Postulat erfüllt.

Velobahnen nützen

Der Bericht bezeichnet Velobahnen als hochwertige Verbindungen für den Veloverkehr, die Sicherheit und Komfort bieten und zu kurzen Reisezeiten führen. Damit könnten Velobahnen die Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr hin zum Veloverkehr unterstützen. Das ist positiv für die Umwelt und gut für den Verkehrsfluss.

Keine Velo-Nationalstrassen

Ein nationales Velobahnnetz – ähnlich den Autobahnen – hält die Schweizer Landesregierung aber für nicht notwendig. «Velobahnen sind dort sinnvoll, wo ein hohes Velopotenzial vorhanden ist. Dies ist primär innerhalb der Agglomerationen der Fall», heisst es im Bericht.

Anders als bei den Nationalstrassen sieht sich der Bund nicht in der Pflicht, ein Velo-Nationalstrassennetz zu bauen, zu betreiben und zu unterhalten. Für die Planung und Erstellung von Velowegen seien die Kantone und Gemeinden zuständig. Das am 1. Januar 2023 in Kraft getretene Veloweggesetz bekräftige diese Aufgabenteilung und es gebe es Sicht des Bundesrats keinen Grund, das föderalistische Prinzip zu hinterfragen.

Wie Velobahnen gefördert werden können

Die Landesregierung ist Velobahnen gegenüber aber nicht abgeneigt. Mit den Agglomerationsprogrammen verfügt der Bund über die Möglichkeit, Planung und Bau solcher Infrastruktur mit Beiträgen von 30 bis 50 Prozent mitzufinanzieren. Um die Planung der Kantone und Gemeinden zu erleichtern, erarbeitet das Bundesamt für Strassen Astra derzeit eine Vollzugshilfe zu Velobahnen, heisst es im Bericht.

Im Rahmen von Projektstudien zur Engpassbeseitigung auf dem Nationalstrassennetz will der Bundesrat künftig auch den möglichen Nutzen von parallelen Velobahnen prüfen. Zudem untersuche man, ob entlang nationaler Verkehrsinfrastrukturen Velobahnen realisiert und mit den kantonalen Velowegnetzen koordiniert werden könnten.

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