Entwicklungslabor Profi-Radsport

Für die Velohersteller ist der Profi-Radsport Entwicklungslabor und Schaufenster zugleich. In der Saison 2021 kommt es zu einigen Rochaden. Dabei spielen auch Hersteller mit Bezug zur Schweiz eine Rolle.

Laurens van Rooijen, Autor (lvr@gmx.ch)
News, 12.01.2021

Die Covid-19-Pandemie hat auch 2021 Einfluss auf den Rennkalender. Der Wettkämpfe in Australien, etwa die Tour Down Under, wurden wegen der Pandemie abgesagt. Für Ende Januar stehen aktuell Rennen in Argentinien und Spanien auf dem Programm. Fans des Strassen-Radsports werden sich dabei an einige neue Tricot-Designs gewöhnen müssen.

Spannend sind auch Wechsel bei den Material-Ausrüstern. Besonders, wenn Schweizer Radprofis auf den entsprechenden Velos unterwegs sind oder die Ausrüster einen engen Bezug zur Schweiz haben.

BMC rüstet gleich zwei Worldtour-Teams aus

BMC rüstet ab 2021 das französische Team AG2R La Mondiale-Citroën und dessen von Hochsavoyen aus operierende Nachwuchs-Equipe mit ihren Rennvelos aus. Das heisst, dass in der kommenden Saison der Bergspezialist Mathias Frank auf Velos von BMC unterwegs sein wird. Neu zum Team gestossen ist auf dieses Jahr hin Michael Schär, bei den Frühjahrs-Klassikern ein wertvoller Helfer für seinen Kapitän Greg Van Avermaet. Dafür hat Silvan Dillier das Team verlassen. Das Logo von BMC erscheint auf den neuen Tricots prominent an den Ärmeln und auf der Brust. Mit Komponenten von Campagnolo, Laufrädern von Bora und Reifen von Pirelli werden die Teamvelos viel Italianità ausstrahlen.

Doch damit gibt sich BMC nicht zufrieden: Auch die jahrelange Partnerschaft mit dem Team Dimension Data beziehungsweise NTT Pro Cycling führen die Grenchner fort. Damit ist BMC neben Specialized der einzige Velohersteller, der gleich zwei Teams in der obersten Liga des Profi-Radsports ausrüstet – was laut Kennern darauf hinausläuft, im Verlauf einer Saison rund 300 Rennvelos der obersten Preiskategorie zur Verfügung zu stellen.

Nach dem Ausstieg des umstrittenen Team-Managers Bjarne Riis geht dieses Team ab 2021 als Team Qhubeka-Assos an den Start. Mit dem Tessiner Sportschneider als Co-Sponsor ist für nochmals mehr Swissness als bisher gesorgt. Und mit Kilian Frankiny (26) und Mauro Schmid (21) hat dieses Worldtour-Team in der kommenden Saison zwei Schweizer Fahrer in seinen Reihen.

Scott als Teil der grossen Rochade

Gar Teil einer veritablen Rochade auf Seiten der Veloausrüster ist Scott: Nach Jahren der Kooperation mit dem australischen Mitchelton-Team werden die Fribourger neu zum Ausrüster des Teams DSM, das bis zum Jahreswechsel noch als Team Sunweb unterwegs war – und in dessen Farben Marc Hirschi zur Entdeckung der Saison wurde (soeben wurde aber bekannt, dass Hirschi den bis Ende 2021 laufenden Vertrag mit Team DSM vorzeitig gekündigt hat).

Für Bergetappen und Klassiker steht das Modell «Addict RC» bereit, für Rennen mit flachen Profilen das Aero-Modell «Foil» und für Zeitfahren das «Plasma». Die Velos sind passend zu den schwarzen Tenues mit blauen Akzenten lackiert. Dafür wechselt das im vergangenen Jahr oft dominierende Team Jumbo-Visma von Bianchi zu Cervélo. Das passt bestens, weil Cervélo als Teil von PON Bike wie die übrigen Sponsoren des Teams einen engen Bezug zu den Niederlanden hat.

Die italienische Traditionsmarke Bianchi steht dennoch nicht mit leeren Händen da: Unter dem neuen Namen Team Bike Exchange wird das australische Worldtour-Team auf den celeste-farbenen Rennvelos antreten. Spannend sind hier zwei Dinge: Der neue Hauptsponsor ist eine Online-Handelsplattform für Velos, Teile und Zubehör, die in Australien ein enorm rasches Wachstum hingelegt hat und mit der Publikation Cyclingtips auch verlegerisch aktiv ist.

Zudem hat Bianchi im vergangenen Herbst angekündigt, ein eigenes Büro in Australien zu eröffnen, um diesen Markt stärker zu beackern. Mit dem Rücktritt von Michael Albasini fehlt dem Team 2021 jedoch der Bezug zur Schweiz. Dieser ist dafür neu beim Team Bahrain-Victorious gegeben, da Gino Mäder zu diesem wechselt – und damit neu auf Velos von Merida unterwegs sein wird.

Während DT Swiss im Cyclocross-Segment mit den beiden Top-Teams Pauwels Sauzen und 777 bereits ganz an der Spitze mitmischt, sind die Bieler im Strassenradsport bis auf weiteres mit einem Team der zweiten Division engagiert. Weil das französische B&B Hotels Vital Concept Pro Team p/b KTM vergangenes Jahr in den Genuss einer Wildcard für die Tour de France kam, schafften die Laufräder aus Biel dennoch den Sprung auf die ganz grosse Radsport-Bühne.

Spannend ist hier, dass das französische Team im vergangenen Jahr mit Reifen von Michelin unterwegs war – und das zumindest bei den Klassikern auf holprigem Untergrund schlauchlos. Denn in den Augen des DT-Swiss-Managements gehört die Zukunft auch am Rennvelo der Kombination von Scheibenbremsen und Tubeless-System. Und das nicht nur für Hobbyfahrerinnen und -fahrer, sondern auch im Profi-Rennsport.

Empfohlene Artikel

News

Ausgezeichnetes Schweizer Design

Fahrrad
News

Infografik: Das brauchts am Velo

Festivalstände
News

«Cycle Week» neu im August