Dooring: Achtung Autotüre!

Pro Velo Zürich, der TCS und die Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich haben zusammen eine Online-Kampagne zur Vermeidung von Dooring-Unfällen lanciert. Diese soll für die akute Gefahr auf der Strasse sensibilisieren.

Aline Künzler

Aline Kuenzler, Autorin (aline.kuenzler@velogisch.ch)
News, 14.06.2024

Die Statistik spricht eine klare Sprache. Bei einem von zwanzig Velounfällen in der Stadt Zürich kollidiert eine Person auf dem Fahrrad mit einer plötzlich geöffneten Autotür.

Doch nicht nur die Erhebungen aus der Limmatstadt, sondern auch eine Studie der Uni Basel zeichnen ein alarmierendes Bild: Bei Unfällen mit schwerverletzten oder getöteten Velofahrerinnen ist «Dooring» überproportional oft die Ursache und in Zürich mit 9,4 Prozent zu beziffern.

Unfallopfer kommt zu Wort

Deshalb sehen Akteure aus verschiedenen Ecken der Verkehrswelt Handlungsbedarf. Zusammen haben der TCS, Pro Velo und die Stadt Zürich einen Videoclip zum Thema produziert und klären online über die Gesetzeslage sowie über Präventionsmöglichkeiten des «Doorings» auf.

Das Video erzählt die wahre Geschichte der 52-jährigen Sandra, die 2023 auf ihren Arbeitsweg per Velo von einer Autotür gestoppt wurde. Zusammen mit einem Schauspieler im Auto spielt sie die Szene am realen Unfallort nach und schildert ihre Erinnerungen.

Dabei kommen die Velofahrerin und der Autofahrer zu Wort, was die unterschiedlichen Sichtweisen auf ein und dieselbe Situation gut veranschaulicht. Trotz des Blicks in den Rückspiegel hatte der Autofahrer das Velo im toten Winkel nicht gesehen. Die Velofahrerin hingegen wägte sich in genügend grossem Abstand zu den Parkfeldern.

Der Holländergriff

Von beiden Seiten ist daher zusätzliche Aufmerksamkeit gefordert. Auch wenn das Gesetz die Velofahrerin schützt. So steht in der Verkehrsregelverordnung: «Strassenbenützer dürfen durch das Ein- und Aussteigen nicht gefährdet werden; beim Öffnen der Türen ist besonders auf den Verkehr von hinten zu achten.» 

Die Kampagne zeigt, wie besonders effektiv auf den Verkehr von hinten geachtet werden kann. TCS und Pro Velo nennen dies den «Holländergriff»: Wird die Autotür von der Lenkerin mit der rechten Hand geöffnet, dreht sich dabei der Körper automatisch zum linken Fenster des Autos und der Blick wird hinter das Fahrzeug gelenkt. Dies ergänzt den Blick in den Seitenspiegel und macht auch Velofahrer im toten Winkel des parkierten Fahrzeuges sichtbar.

Ein Meter Abstand

Auch für Velofahrerinnen gilt: Vorsicht statt Nachsicht. Im Stadtverkehr soll gemäss der Kampagne besonders vorausschauend pedaliert und längsparkierte Autos mit mindestens einem Meter Abstand passiert werden.

Sofern der Velostreifen dies nicht zulässt, soll auch gemäss dem TCS auf die Fahrbahn ausgewichen werden. Indem sich der sogenannte Langsamverkehr selbstbewusst verhält und sich den dafür nötigen Strassenraum nimmt, tragen Zweiräder aktiv zur eignen Sicherheit bei.

 «Glück im Unglück» hatte Sandra, wie sie am Ende des Videos selbst meint. Ihr Schlüsselbeinbruch wurde operiert und sie fährt heute wieder Velo. Dies fühle sich für sie «aber nicht mehr gleich an». So wünscht sie sich, dass alle mehr aufeinander Acht geben.

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