Thomas Geisler
Ratgeber,
12.12.2023
Ohne Luft in den Pneus ist auf dem Velo kein bequemes und schnelles Vorankommen möglich. Diese zehn Tipps helfen, den Fahrkomfort hoch und die Luft in den Fahrradreifen zu halten.
Thomas Geisler
Ratgeber,
12.12.2023
Anders als im sprichwörtlichen Sinn, bringen Scherben den Veloreifen kein Glück. (Foto: Schwalbe / pd-f.de)
Der Tierarzt John Boyd Dunlop entwickelte 1888 erste Luftreifen für das Dreirad seines Sohnes, damit dieser besser über Kopfsteinpflaster fahren konnte. Dunlop meldete die Erfindung zum Patent an und startete damit eine Revolution im Verkehrswesen.
Bereits ein Jahr später gründete er zusammen mit Harvey du Cros eine erste Fabrik für luftgefüllte Reifen. In den Anfangsjahren konzentrierte sich das Unternehmen auf Veloreifen und expandierte schnell.
Der Name Dunlop ist vielen Velofahrerinnen und -fahrern bis heute ein Begriff, da das Dunlop-Ventil bis in die 1980er-Jahre Standard an den meisten Fahrrädern war und etwa an Kindervelos auch heute noch oft zu finden ist. Dabei nutzte Dunlop bei seinem ersten Reifen angeblich noch einen Schnuller als Ventil.
Eigentlich war Dunlop mit dem Patent zu spät dran: Bereits am 10. Dezember 1845 hatte der Bauingenieur Robert W. Thompson einen luftgefüllten Reifen zum Patent angemeldet. Doch er konnte seine Idee nicht vermarkten und sie geriet in Vergessenheit. Erst der zweite Anlauf durch Dunlop führte zum Erfolg und trug mit zum Aufstieg des Velos in Europa bei.
Ein Manometer, digital oder analog, hilft bei der Kontrolle des Reifendrucks. (Foto: pd-f.de / Kay Tkatzik)
Der wichtigste Tipp – aber oft vernachlässigt – ist, auf den richtigen Reifendruck zu achten. Zu hoher oder zu geringer Reifendruck erhöht das Pannenrisiko deutlich. Die passenden Druckangaben finden sich auf der Reifenflanke. Etwa einmal im Monat sollte der Reifendruck geprüft werden. Bei Tubeless-Reifen empfiehlt es sich, den Reifendruck alle ein bis zwei Wochen zu prüfen.
Der Test mit dem Daumen eignet sich meist nur für einen groben Erkenntnisgewinn. Besser ist es, den Druck mit einem Reifendruckmesser oder dem Manometer einer Standpumpe zu prüfen. Wer Freude an technischen Geräten hat, kann auch auf digitale Reifendruckmesser setzen, die den Luftdruck in Echtzeit während der Fahrt messen können und das Ergebnis in einer App oder auf einem Velocomputer anzeigen.
Ohne passende Pumpe kein richtiger Druck. Eine gute Standpumpe mit Manometer sollte darum zur Grundausstattung zählen. Damit lässt sich der Luftdruck direkt ablesen und nach den Vorgaben richtig einstellen.
In der Regel befindet sich die Luft in einem Schlauch. Damit sie darin auch bleibt, kann ein pannensicherer Reifen den Schlauch vor Einstichen schützen. Im Handel sind verschiedene Pneus mit Pannenschutzeinlagen erhältlich.
Neben den Reifen gibt es auch Schläuche, die einen höheren Pannenschutz bieten. Schläuche mit einem hohen Anteil an Butylkautschuk halten die Luft länger als herkömmliche Fahrradschläuche. Im Trend sind ausserdem Schläuche aus thermoplastischem Polyurethan (TPU), wie sie beispielsweise der Hersteller Schwalbe mit der «Aerothan»-Reihe anbietet. Das Material kann kleinen Einstichen bis zu doppelt so lange standhalten wie normale Schläuche aus Kautschuk. Zudem platzt ein TPU-Schlauch nicht, sondern verliert bei einem Defekt langsam Luft.
Ohne Kautschuk: Veloschlauch aus thermoplastischem Polyurethan. (Foto: pd-f.de / Luka Gorjup, Lux Fotowerk)
Speziell bei Mountainbikerinnen und Gravelbikern haben sich in den letzten Jahren Tubeless-Systeme etabliert. Wie der Name sagt, kommt hier kein Schlauch zum Einsatz. Stattdessen dichtet der Reifen direkt mit der Felge ab.
Damit das System luftdicht ist, muss der Reifen, nachdem er auf die Felge gezogen ist, mit einem kräftigen Luftstoss aufgepumpt werden. So setzt er sich, oft mit deutlichem Knackgeräusch, beidseitig ins Felgenhorn. Dafür braucht es entweder einen Kompressor oder eine Tubeless-Pumpe mit zusätzlicher Druckkammer.
Das Tubeless-System gilt als pannensicher, da eine spezielle Dichtmilch kleine Einstiche eigenständig von innen verschliesst. Die Dichtmilch muss allerdings nach rund sechs Monaten gewechselt und die Reifen regelmässig nachgepumpt werden.
Ein schleichender Luftverlust kann an einem defekten Ventil liegen. Eine regelmässige Kontrolle des Ventils, z. B. beim Aufpumpen, ist deshalb sinnvoll. Auch beim Tubeless-System kann es zu Luftaustritt am Ventil kommen, das direkt in der Felge verschraubt wird. Eine lockere Ventilmutter kann, anders als beim Schlauch, Luftverlust verursachen. Die Ventileinsätze lassen sich bei Tubeless-Ventilen und hochwertigen Schläuchen auch einzeln tauschen.
Um den Schlauch zu schützen, bedeckt ein Felgenband das Bett der Felge. Es verhindert mechanische Beschädigungen des Schlauchs durch Speichenköpfe, Metallgrate und Bohrungen in der Felge. Es gibt unter Spannung montierte Kunststoffbänder sowie selbstklebendes Felgenband aus Textilgewebe und Kunststoff.
Das Felgenband sollte regelmässig – zum Beispiel bei einem Reifenwechsel – kontrolliert werden, da es verrutschen oder sich ablösen kann. Es sollte möglichst breit sein und das komplette Felgenbett bedecken. Bei einem Tubeless-System ist das Felgenband noch wichtiger: Ein Riss darin führt zum Luftverlust und zum Abwandern der Dichtmilch in die Felge, wo sie, je nach chemischer Zusammensetzung, auch Schäden verursachen kann.
Ein Velopneu sollte gewechselt werden, bevor so aussieht wie dieser. (Foto: pd-f.de / Gunnar Fehlau)
Sollte das Velo über einen längeren Zeitraum nicht benutzt werden, ist das richtige Einlagern entscheidend für den späteren Zustand der Reifen.
Montierte Pneus sollten an einem kühlen, trocknen und möglichst dunklen Ort gelagert werden und immer aufgepumpt sein. Bei längeren Standzeiten, etwa wenn das E-Bike im Winter nicht gefahren wird, lohnt sich eine regelmässige Kontrolle des Luftdrucks.
Im Idealfall sollte das Velo oder E-Bike hängend gelagert werden. Denn sonst können die Seitenwände des Reifens beschädigt werden. Bei Tubeless-Reifen ist nach der Einlagerung die Dichtmilch zu erneuern.
Ein Blick auf die Reifen lohnt sich immer, um eingefahrene Fremdkörper wie Steine oder kleine Splitter zu entfernen, damit sie sich nicht weiter in den Reifen einarbeiten können. Das minimiert das Pannenrisiko.
Bei der Reifenkontrolle ist auch ein Blick aufs Profil sinnvoll. Zwar gibt es für Velos, anders als beim Auto, keine Mindestprofil-Vorgabe. Aber ein abgefahrenes Profil sorgt für ein schlechteres Fahrverhalten, mindert die Traktion und erhöht das Pannenrisiko. Wenn auf der Lauffläche die Pannenschutzeinlage oder die Karkassenfäden zu sehen sind, ist ein Reifenwechsel überfällig.

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