Fabian Baumann,
Redaktor
(fabian.baumann@velojournal.ch)
News,
22.01.2026
Nach Jahren des Booms zieht der DirektversenderCanyon die Notbremse: Der deutsche Velohersteller baut jede fünfte Stelle ab. Trotz Gewinnrückgang investiert das Unternehmen weiter in E-Bikes. Die Hintergründe zur Krise.
Fabian Baumann,
Redaktor
(fabian.baumann@velojournal.ch)
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22.01.2026
Bei Canyon kommt es zu einem geplanten Personalabbau. Der Velohersteller streicht jede fünfte Stelle. (Fotos: ZVG)
Die Veloindustrie kämpft mit harten Marktbedingungen. Nach Jahren des Booms ist die Konsolidierungsphase in vollem Gange – eine Entwicklung, die auch am deutschen Direktversender Canyon nicht spurlos vorübergeht. Nach einem schwierigen Geschäftsjahr 2025 mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen sieht sich das Unternehmen zu einem drastischen Schritt gezwungen.
«Nach Jahren des rasanten Wachstums reagiert das Unternehmen jetzt auf ein grundlegend verändertes Marktumfeld und passt seine Organisations- und Kostenstruktur gezielt an», heisst es aus der Zentrale in Koblenz. Ziel sei es, die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Im Klartext bedeutet dies einen deutlichen Einschnitt: Canyon plant, rund 320 der insgesamt 1600 Stellen abzubauen – das entspricht einem Fünftel der Belegschaft.
Im vergangenen September kehrte Gründer Roman Arnold als CEO zurück. Nun kommt er nicht um schmerzhafte Einschnitte herum.
Roman Arnold, Gründer und seit vergangenem Jahr wieder CEO des Unternehmens, betont die Schwere dieses Schrittes: «Canyon ist eine gewachsene Gemeinschaft, verbunden durch die Leidenschaft für den Radsport. Es ist daher besonders schmerzhaft, dass wir uns von geschätzten Kolleginnen und Kollegen trennen müssen.»
Dennoch führe kein Weg an der Massnahme vorbei. Arnold zieht eine Analogie zum Rennsport: Dort gewinne man nicht durch schiere Grösse, sondern durch Schnelligkeit, Präzision und Agilität. «Wir bilden jetzt das Fundament, um unsere operative Schlagkraft zurückzugewinnen und unsere Position an der Weltspitze zu verteidigen.»
Der Stellenabbau soll unter Einbezug des Betriebsrats und mit «grösstmöglichem Respekt vor der Leistung der betroffenen Mitarbeitenden» erfolgen.
«Wir bilden jetzt das Fundament, um unsere operative Schlagkraft zurückzugewinnen und unsere Position an der Weltspitze zu verteidigen.»
Roland Arnold, CEO Canyon
Trotz des strikten Sparkurses will Canyon an strategisch wichtigen Projekten festhalten und nicht pauschal den Rotstift ansetzen. Dazu zählt insbesondere das Elektrovelo-Segment, dem das grösste Wachstumspotenzial zugeschrieben wird. Die geplante Eröffnung eines eigenen E-Bike-Centers am Hauptsitz in Koblenz soll daher wie vorgesehen stattfinden.
Die Zäsur kommt nicht völlig überraschend, die Vorzeichen verdichteten sich bereits im vergangenen Jahresverlauf. Bereits im Sommer 2025 deutete sich an, dass der Motor stotterte. Damals korrigierte der Canyon-Mehrheitseigentümer, die Investmentgesellschaft Groupe Bruxelles Lambert (GBL), den Wert ihrer Beteiligung um 35 Prozent nach unten.
Im November wurde die finanzielle Schieflage konkreter: GBL wies im Quartalsbericht für die ersten neun Monate des Jahres 2025 einen EBITDA-Rückgang bei Canyon von gut einem Drittel aus.

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