Morgenrot und saure Gurken: So war das Alpenbrevet 2026

Das Alpenbrevet glänzt in diesem Jahr mit idealen Bedingungen. Knapp jede fünfte der gut 3000 Teilnehmenden ist weiblich.

Emil Bischofberger, Autor (emil.bischofberger@velojournal.ch)
News, 07.09.2026

Das Alpenbrevet hat sich längst das Prädikat Dauerbrenner erarbeitet. Jahr für Jahr ist das Event ausverkauft, pilgern Anfang September gut 3000 Frauen und Männer mit ihren Rennvelos nach Andermatt. Für Spontane ist das Alpenbrevet in mehrfacher Hinsicht ungeeignet: Die diesjährige Ausgabe war innert 60 Stunden ausverkauft, die Auseinandersetzung mit dem Ziel beginnt also bereits vor der Saison. 

Spontanität verträgt sich auch schlecht mit der Herausforderung, die das Alpenbrevet darstellt: Wahlweise sind zwei, drei, vier oder fünf Pässe zu bezwingen.

Viel Vorbereitung gefragt 

Das braucht schon etwas Vorbereitung. Oder präziser: ziemlich viel. Das zeigt auch die Verteilung zwischen den Kategorien. Das grösste Peloton mutet sich jeweils die zweitlängste Goldtour zu, die über Oberalp, Lukmanier, Nufenen und Furka führt. An diesem Septembersamstag rollen morgens um 6 Uhr 1311 Rennvelos los, mit ihren roten und weissen Vorder- und Rücklichtern erhellen sie das Bergdorf. Es dauert ganze sieben Minuten, bis die Letzten die Startlinie überquert haben. Wie fit die Teilnehmenden sind, zeigt die Ausfallquote: Nur gerade 95 steigen unterwegs aus. 

Noch 15 Minuten vor den Gold- wurden die Platinfahrer auf die Strecke geschickt. Was im Vergleich zu deren Aufgabe nicht wahnsinnig viel Vorsprung ist, für fünf Pässe und über 7000 Höhenmeter. Sie kommen so am längsten in den Genuss eines meteorologisch idealen Tages für so ein Unterfangen: Das Wetter ist – abgesehen von ein paar kaum erwähnenswerten Regentropfen – stabil und längst nicht mehr so heiss wie noch in den zurückliegenden Sommerwochen.

Frauenanteil von 39 Prozent 

Die Silbertour wählt wiederum, wer keine Überraschungen mag: Drei Pässe ab Andermatt dürften die allermeisten Alpenbrevet-Starterinnen und -Starter schon einmal absolviert haben, Varianten für solche Runden gibt es ab Andermatt ja gleich drei. Das Silber-Alpenbrevet führt über Gotthard–Nufenen–Furka. Sie kreuzen so die Bronzefahrerinnen, die ab Ulrichen Nufenen und Gotthard bezwingen. Die Einstiegskategorie hat zugleich mit 39 Prozent auch den höchsten Frauenanteil. Total beträgt dieser 18 Prozent. 

Auf der Silbertour sind vor allem die ersten beiden Pässe ein Genuss: Der Aufstieg zum Gotthard wird im mystischen Morgenrot gefahren, der Nufenen ist in den frühen Morgenstunden noch praktisch verkehrsfrei. Erst am Furka wird es lärmig – durch die ganze Bandbreite des motorisierten Freizeitverkehrs. Es ist das einzige Manko des Veloevents: Dass die über 3000 Gümmelerinnen und Gümmeler auch an diesem Tag die Pässe mit dem Motorverkehr teilen müssen.

Ein perfekt eingestelltes Schaltwerk

Ansonsten läuft das Alpenbrevet wie ein perfekt eingestelltes Schaltwerk. Das beginnt bei den Verpflegungsposten, dank denen sich die Passfahrten viel speditiver absolvieren lassen als an jedem anderen Tag im Jahr, wenn man zwischendurch im Restaurant oder Lebensmittelgeschäft für eine Stärkung stoppen muss. Die Posten am Fusse der Pässe haben für jede Lust etwas im Angebot, von kohlenhydrat-potenten Getränken, Riegeln und Gels bis zu Essiggurken und Salzbretzeli für jene, die genug haben von all den Süssigkeiten. 

Und auch der letzte Gang läuft rund, zurück im Ziel in Andermatt. Das beginnt beim unterhaltsamen Speakerduo, das die Teilnehmenden begrüsst und endet beim offerierten Bier im Finishervillage, das den perfekten Rahmen bildet, um sich mit Freunden und Bekannten über die Erlebnisse des Tages auszutauschen: Wie wärs mit einer ganzen Gruppe von Steinböcken am Strassenrand?

Hinweis

Das nächste Alpenbrevet findet am 4. September 2027 statt, die Anmeldung öffnet noch diesen Herbst.

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