«DuoBell»: Skodas Veloglocke gegen ANC-Kopfhörer

Viele Fussgänger mit ANC-Kopfhörern überhören herannahende Velos. Um Unfälle zu vermeiden, hat Skoda mit britischen Forschern die «DuoBell» entwickelt: Eine mechanische Veloglocke, die das Noise Cancelling durchbricht.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
News, 09.04.2026

Man mag es gut finden oder nicht: Immer mehr Menschen bewegen sich mit Kopfhörern im öffentlichen Raum. Podcasts und Playlists begleiten viele durch den Alltag, auch auf der Strasse. 

Diese mediale Berieselung ist ein ernstzunehmendes Risiko für die Verkehrssicherheit. Moderne Kopfhörer verfügen fast standardmässig über «Active Noise Cancelling» (ANC). Diese aktive Geräuschunterdrückung ist zwar angenehm für die Trägerin oder den Träger, filtert aber auch wichtige Umgebungsgeräusche effizient heraus.

Das führt dazu, dass das Läuten von klassischen Veloglocken von der Software der Kopfhörer schlichtweg blockiert wird. Personen zu Fuss nehmen herannahende Velos nicht mehr wahr, was das Unfallrisiko signifikant erhöht.

 

  • Das Problem: Active Noise Cancelling (ANC) in modernen Kopfhörern filtert die Frequenz normaler Veloglocken heraus. Laut Skoda führte dies in London zu einem Anstieg der Kollisionen zwischen Velofahrenden und Fussgängern um 24 Prozent.
  • Die Technologie: Forscher fanden eine «Safety Gap» (Frequenzlücke) bei 750 Hertz. Töne in diesem Bereich können von gängigen ANC-Kopfhörern (u. a. Apple, Sony, Bose) nicht blockiert werden.
  • Die Lösung: Die «DuoBell» ist eine zu 100 Prozent mechanische Veloglocke, die genau diesen 750-Hertz-Ton trifft.
  • Das Resultat: Personen mit ANC-Kopfhörern hören die DuoBell 22 Meter früher und 5 Sekunden schneller als eine herkömmliche Glocke.

«Safety Gap»: So funktioniert die Skoda «DuoBell»

Um dieses Problem zu lösen, hat der tschechische Autohersteller Skoda gemeinsam mit der britischen Universität von Salford die «DuoBell» entwickelt. Die Wissenschaftler analysierten dafür diverse gängige ANC-Kopfhörer führender Hersteller wie Apple, Bose, Sony, JBL und Samsung.

Dabei entdeckten sie eine entscheidende Schwachstelle in der Geräuschunterdrückung: Bei 750 Hertz weisen die digitalen Signalprozessoren eine Lücke auf. «Wir nennen das die ‹Safety Gap› – die Frequenz, die der digitale Signalprozessor nicht unterdrücken konnte», erklären die Entwickler.

Basierend auf dieser Erkenntnis konstruierte Skoda eine Veloglocke, die exakt diese Frequenz trifft. Da tiefe Töne normalerweise einen grossen Resonanzkörper erfordern, wurde das Metall ausgedünnt und mit Präzisionsschnitten versehen. Um sicherzugehen, dass das Bimmeln auch von Passanten ohne Kopfhörer optimal wahrgenommen wird, kombinierten die Ingenieure den Klang zusätzlich mit einer zweiten Frequenz.

Analoge Lösung für ein digitales Problem

Das Resultat ist ein Erfolg. In Virtual-Reality-Tests der Universität von Salford zeigte sich: Die neue Glocke wird von abgelenkten Personen mit ANC-Kopfhörern 22 Meter früher und 5 Sekunden schneller wahrgenommen. Im Strassenverkehr kann das den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Auch im realen Härtetest auf der Strasse überzeugte die Innovation laut Skoda. Dafür wurden Velokuriere des Lieferdienstes Deliveroo im dichten Londoner Stadtverkehr mit der neuen Klingel ausgerüstet. Deren Reaktionen vielen durchwegs positiv aus. Die Entwickler selbst bezeichnen die «DuoBell» passend als «simple analoge Lösung für ein digitales Problem».

Wann ist die «DuoBell» erhältlich?

Aktuell ist die spezielle Veloglocke noch ein reines Entwicklungsprojekt und nicht im Handel erhältlich. Skoda arbeitet jedoch mit Partnern daran, die Lösung für den Markt zu produzieren.

Ein Zeichen für mehr Sicherheit hat das Unternehmen aber gesetzt: Die gesamten Forschungsresultate zur 750-Hertz-Frequenzlücke wurden als Open Source veröffentlicht und können von allen Interessierten frei heruntergeladen werden.

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