Aline Kuenzler,
Autorin
(aline.kuenzler@velojournal.ch)
E-Bike,
Test,
01.05.2026
Sie sind leicht, sparsam und fahren sich fast wie ein normales Velo: Light-Assist-E-Bikes gehören seit Kurzem zum Stadtbild. Sie rollen auf einem schmalen Grat zwischen minimalistischem Design und Alltagstauglichkeit.
Aline Kuenzler,
Autorin
(aline.kuenzler@velojournal.ch)
E-Bike,
Test,
01.05.2026
Velojournal testet aktuelle Light-Assist-E-Bikes. Das sind die besten Modelle des Jahres. (Fotos: Mirjam Graf, Emanuel Freudiger, zVg)
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Grösser, weiter, stärker: So lautete lange das Mantra der E-Bike-Marken. Mit den Light-Assist-Elektrovelos zeichnet sich nun eine Gegenbewegung ab. Statt maximaler Leistung steht hier Reduktion im Fokus: geringeres Gewicht, kleinere Akkus und ein Fahrgefühl, das sich am mechanischen Velo orientiert. Diese E-Bikes können locker in den Velokeller getragen oder ins Zugabteil gehoben werden. Trotzdem unterstützt der Elektromotor nach Bedarf, sodass schweissfrei pedaliert werden kann. Alltagsfahrten und innerstädtisches Pendeln sind der primäre Einsatzzweck dieser leichten E-Bikes.
Wie viel Velo und wie viel E-Bike in den Light-Assists steckt, zeigt der Produkttest von Velojournal und TCS. Verglichen wurden acht schweizweit verkaufte Modelle bis 5000 Franken, einer Akkukapazität bis 500 Wh und einem Gewicht von maximal 23 Kilogramm.
Für den Test wurden bewusst unterschiedliche Antriebskonzepte berücksichtigt. Die Modelle «Nulane Hybrid C:62 Race 400X Fe» von Cube und «Citylite:ON» von Canyon verfügen über einen Mittelmotor von Bosch, während die restlichen sechs Bikes von Nabenmotoren der Marken Mahle, Ampler oder Hyena angetrieben werden. Das «Emil» von Schindelhauer wie auch das «GT2» von Asfalt kombinieren den Hinterradmotor mit einer Getriebeschaltung von Pinion.
«District-E1» der Marke Bixs, dem «Curt» von Ampler sowie dem «e-Largo» von Cresta ist eine Kettenschaltung verbaut. Einen radikalen Ansatz verfolgt das «Sneak-Plus» von Rose, das als Singlespeed-Modell mit Riemen ohne Schaltung verkauft wird.
Dank Zweirad-Prüfstand im TCS-Testlab konnten Drehmoment und Spitzenleistung einheitlich gemessen werden.
Zentral bei allen Modellen ist nicht Leistung, sondern Effizienz. Ein wichtiger Vergleichswert im Test ist deshalb der Energieverbrauch pro Kilometer. Er ergibt sich aus dem Verhältnis von Akkukapazität zu Reichweite des E-Bikes. Im Test wurde hierfür die nominale Akkukapazität mit der gemessenen Reichweite verglichen. Dazu ging ein 90 Kilogramm schwerer Proband auf Testfahrt. Auf der immer gleichen, kupierten Strecke wurde stets im höchsten Unterstützungsmodus gefahren. So wurden Reichweiten zwischen 35 Kilometer mit dem Cresta-Bike und knapp 59 Kilometer mit dem Rose-Singlespeed-Modell erreicht.
Bei der Mehrheit der E-Bikes machte der Akku erst jenseits der 50-Kilometer-Marke schlapp. Daraus ergeben sich Werte für die Energieeffizienz von 4,2 Wh/km für das Rose-Modell und 9,8 Wh/km für das Modell von Canyon. Gemäss Erfahrungswerten des TCS liegt der Energieverbrauch von E-Bikes normalerweise bei 10 Wh/km. Die meisten Modelle im Test fahren demnach deutlich sparsamer als ein E-Bike mit starkem Motor, wobei die Modelle mit Mittelmotor näher an klassischen E-Bikes liegen als die Nabenmotor-Bikes.
Verantwortlich dafür ist vor allem die hohe Spitzenleistung: Sie beträgt über 400 Watt beim Cube- und Canyon-Modell. Die Nabenmotoren im Test bringen zwischen 240 und 530 Watt auf den Prüfstand. Zudem ist das Gewicht der verschiedenen Modelle entscheidend. Das schwerste Bike im Test – «Citylite:ON» von Canyon – bringt rund 22 Kilogramm auf die Waage und verbraucht pro Kilometer am meisten Energie.
Je effizienter das Bike und je sparsamer die Tretunterstützung, desto mehr Körpereinsatz ist allerdings gefragt. Im Praxistest bevorzugten die Laien-Testpersonen daher stärkere Motoren. Besonders beim Anfahren am Berg wurden leistungsstarke Systeme deutlich besser bewertet. Minimalistische Konzepte wie das Modell von Ampler begeisterten eher durch ihr vergleichsweise «velonahes» Fahrgefühl.
Minimalistische Bedienelemete zeigen Unterstützungsstufe und Akkuladung oft nur anhand von Farben an.
Die Nähe zum klassischen Velo wollen die Hersteller auch durch schlichtes Design hervorheben. Hierfür wird auf Bedienelemente und Anzeigen am Lenker verzichtet. Lediglich die Modelle mit Bosch-Motoren sowie das Bixs-Modell verfügen über ein Lenkstangen-Display. Die anderen fünf Modelle lassen sich über ein Bedienelement am Oberrohr steuern, was im Praxistest wenig überzeugte.
Das Ampler-Bike wird sogar über eine Taste an der Unterseite des Oberrohrs bedient. Blick und Hand während der Fahrt vom Lenker zu lösen, behagte vielen Testpersonen nicht, insbesondere auf verkehrsreichen Strassen. Auch minimalistische Bedieneinheiten ohne Anzeige, etwa «iWoc One» von Mahle, gefielen wenig.
«iWoc One» besteht aus einer einzelnen runden Taste im Oberrohr, die in verschiedenen Farben aufleuchtet. Nach Doppelklick wird die Unterstützungsstufe anhand einer Farbskala angezeigt. Während der Fahrt zeigt dieselbe LED aber den Akkuladestand an, was im Praxistest verwirrte. Obschon das schlichte und velonahe Design gefällt und zum Produktsegment passt, wünschen sich die Testfahrerinnen und -fahrer Bedienelemente am Lenker und Displays mit numerischen Angaben.
Auch beim Schalten scheint klassisch gegenüber modern die Nase vorn zu haben. Die Getriebeschaltung von Pinion als Premiumlösung ist wartungsarm, verfügt über einen grossen Übersetzungsbereich und verspricht sogar Gangwechsel im Stand. Auf dem Prüfstand wie auch bei der Komponentenbewertung punkteten denn auch das Velo der Schweizer Manufaktur Asfalt und das Schindelhauer-Bike mit Pinion-Schaltung. Diese zwei Modelle sind die teuersten Bikes im Test, mit 4690 Franken zahlt man für das Schindelhauer am meisten.
In der Praxis konnten die zwei Bikes ihre Vorteile jedoch nicht ausspielen. Hauptkritikpunkt der Testpersonen war die Bedienung der Getriebeschaltung über die Gripshift-Drehschaltung, die als wenig intuitiv und insbesondere unter Last als schwergängig empfunden wurde. Dank ihrer Vertrautheit und der einfachen Bedienung haben Bikes mit Ketten- oder Nabenschaltungen bei den Testfahrerinnen besser abgeschnitten. Das grösste Schaltspektrum mit Kette ist am Bixs-Bike mit einer Shimano-«Cues»-11-Gang-Schaltung zu finden. Zu wenig kleine Gänge wurden bei den Modellen von Canyon und Ampler bemängelt. Gerade bei E-Bikes mit geringer Tretunterstützung ist ein leichter Berggang von grosser Bedeutung.
Das bestätigte sich auch beim Singlespeed-E-Bike von Rose. Die radikale Reduktion passt zwar zum minimalistischen Gesamtkonzept, schränkt die Einsatzmöglichkeiten jedoch deutlich ein. Auch mit der höchsten Unterstützungsstufe hat es keine Testperson geschafft, am Steilhang anzufahren. Im Praxistest führte dies zu einer entsprechend tiefen Bewertung. Dank der reduzierten Ausstattung überzeugt das Rose-Velo aber optisch und ist nicht nur das leichteste, sondern mit 2835 Franken auch das günstigste Zweirad im Test.
Niveau Ob einfach oder komplex: Die Sicherheitsprüfung bestehen alle Bikes im Test. Sämtliche E-Bikes sind mit leistungsfähigen Scheibenbremsen ausgestattet, nur beim Canyon-Modell werden diese mechanisch angesteuert. So erstaunen auch die kurzen Bremswege nicht.
Grössere Unterschiede weisen die Beleuchtungssysteme auf. Dabei überzeugte das Cube-Modell mit sehr guter Ausleuchtung und sauberem Abblendlicht, negativ fiel hingegen das Rose-Bike durch Blendwirkung und schwächere Ausleuchtung auf. Seitliche Sichtbarkeit bietet lediglich das Modell von Cresta.
Weitere Ausstattungsmerkmale weisen lediglich kleine Qualitätsunterschiede auf. Die Rahmen sind bei allen Modellen gut verarbeitet, die Laufräder überzeugen überalldurch guten bis sehr guten Rundlauf.
Einzig die Fussfreiheit zwischen Pedal und Vorderrad lässt bei den Modellen von Asfalt und Cube zu wünschen übrig. Dieser Abstand ist mit 8 respektive 9,5 Zentimetern zu knapp bemessen, sodass die Füsse am Schutzblech streifen können. Besonders gefielen der USB-C-Ladestecker am Ampler-Modell und die intuitiv zu bedienende App von Bosch.
Light-Assist-E-Bikes setzen auf Leichtigkeit, Effizienz und ein Fahrgefühl, das dem klassischen Velo nahekommt. Sie überzeugen vor allem im Stadtverkehr.
Wenig Motorleistung oder fehlende Gänge können die Alltagstauglichkeit aber einschränken. Die besten Modelle meistern den Spagat zwischen Gewicht, Leistung und Bedienkomfort souverän. Als Sieger geht das «Nulane Hybrid C:62 Race 400X Fe» von Cube aus dem Test hervor. Das E-Bike kombiniert eine hohe Spitzenleistung mit geringem Gewicht, grosser Reichweite und intuitiver Bedienung. Minimalistischere Light-Assist-Bikes wie das Rose-Modell punkten bei Gewicht und Preis, erfordern aber am Berg deutlich mehr Muskelkraft.
Light-Assist-E-Bikes eignen sich für Fahrradfans, die ein E-Bike suchen, das sich wie ein Velo anfühlt und trotzdem Unterstützung, aber keine Übermotorisierung bietet.
Ausstattung: Carbonrahmen, Mittelmotor Bosch «Performance Line SX», Kettenschaltung Shimano «Cues» 9-Gang
Positives: beste Schutzbleche, gute Beleuchtung
Negatives: wenig Fussfreiheit, Hosenschutz fehlt
Preis: ab Fr. 3399.–

Ausstattung: Aluminiumrahmen, Nabenmotor Mahle «X30», Kettenschaltung Shimano «Cues» 11-Gang
Positives: bestes Schaltspektrum mit Kette, optionales Display am Lenker
Negatives:geringstes Drehmoment
Preis: ab Fr. 3399.–
→ bixs.com
Ausstattung: Aluminiumrahmen, Mittelmotor Bosch «Performance Line BDU3460», Nabenschaltung Shimano «Nexus» 5-Gang und Gates-Riemen
Positives: stärkster Motor, beste Fussfreiheit
Negatives: Platten am Hinterrad schwer zu reparieren, Schutzbleche am Hinterrad zu kurz
Preis: ab Fr. 2999.–
Ausstattung: Aluminiumrahmen, Nabenmotor Mahle «X20» mit Pinion «C1.9» - Getriebeschaltung 9-Gang und Gates-Riemenantrieb
Positives: kürzester Bremsweg, komfortable Sitzposition
Negatives: Rückstrahler fehlen, Schalten benötigt Kraft
Preis: ab Fr. 4690.–
Ausstattung: Aluminiumrahmen, Nabenmotor Ampler, Kettenschaltung Shimano «Deore» 11-Gang
Positives: USB-C-Ladebuchse, schlichtes Design
Negatives: Rücklicht in der Sattelstütze schwer zu warten, wenig Fussfreiheit
Preis: ab Fr. 3970.–
Ausstattung: Aluminiumrahmen, Nabenmotor Hyena «MRC-E250», Kettenschaltung Shimano «Cues» 10-Gang
Positives: klarer Abblendhorizont des Scheinwerfers, ergonomische Griffe
Negatives: geringste Reichweite, Rückstrahler fehlen
Preis: ab Fr. 3098.–
Ausstattung: Aluminiumrahmen, Nabenmotor Mahle «X35» mit Pinion-«C1.9»-Getriebeschaltung 9-Gang und Gates-Riemenantrieb
Positives: grosses Schaltspektrum
Negatives: wenig Fussfreiheit, Ladegerät nicht intuitiv
Preis: ab Fr. 4290.–
Ausstattung: Aluminiumrahmen, Nabenmotor Mahle «X35», Singlespeed mit Gates-Riemenantrieb
Positives: grösste Reichweite, leichtestes Bike im Test
Negatives: Rückstrahler fehlt, Rücklicht in der Sattelstütze schwer zu warten
Preis: ab Fr. 2835.–
Für den Praxistest wurden die Marken der E-Bikes abgeklebt und waren für die Testpersonen nicht erkennbar.
* gemäss Hersteller ** gemessen TCS/Velojournal

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