Pro und Kontra: E-Bike als Singlespeed

Ein Test, zwei Perspektiven. Velojournal und der TCS haben Light-Assist-E-Bikes getestet. Während bei den Resultaten harte Fakten zählen, bleibt das Thema Singlespeed reine Geschmackssache.

Aline Kuenzler, Autorin (aline.kuenzler@velojournal.ch)
E-Bike, 01.05.2026

Pro – Stefan Eichenberger, Testleiter TCS

Ich schätze die reduzierte Technik des Singlespeed-Antriebs. Kein Schaltwerk, keine Umlenkrollen, keine springende Kette. Das macht das E-Bike nicht nur leichter, sondern auch nahezu wartungsfrei. Für mich als Alltagsfahrer bedeutet das weniger Werkstattbesuche, weniger Putzaufwand und damit mehr Zeit zum Velofahren.

Ohne Schaltung kann ich mich ganz auf das Verkehrsgeschehen und das Fahrgefühl konzentrieren. Ich muss weder über den richtigen Gang nachdenken noch mich über das Klicken oder Klappern der Schaltung nerven.

«Ohne Schaltung kann ich mich ganz auf das Verkehrsgeschehen und das Fahrgefühl konzentrieren.»

Das Light-Assist-E-Bike ist für mich ein Bekenntnis zum Minimalismus. Keine Übermotorisierung, kein Schnickschnack. Da passt der Verzicht auf die Schaltung für mich ins Konzept. Klar, mit einem kleinen Motor wie auch mit einem einzigen Gang muss ich selbst stärker treten. Das fühlt sich ehrlich an und macht Spass.

Während ich so meine Waden trainiere, schone ich gleichzeitig mein Budget. Ein Singlespeed-Bike ist in der Anschaffung wie auch im Unterhalt besonders günstig.

Kontra – Aline Künzler, Technikredaktorin Velojournal

Täglich bin ich mit dem Zweirad unterwegs, auch hügeliges Gelände bremst mich nicht. Mit nur einem Gang quäle ich mich entweder am Anstieg ab, weil der Gang zu schwer ist, oder ich trete in der Ebene ins Leere, weil der Gang zu leicht ist. Für ein E-Bike, das eigentlich Komfort verspricht, genügt mir das nicht. Geschweige denn, wenn ich schlimmstenfalls gar das Akku- und Motorengewicht den Hang hochschieben muss.

«Wenn ich mich schon für ein Velo mit Tretunterstützung entscheide, will ich dessen Vorzüge voll auskosten und nicht verschwitzt ankommen.»

Wenn ich mich schon für ein Velo mit Tretunterstützung entscheide, will ich dessen Vorzüge voll auskosten und nicht verschwitzt ankommen. Ein Light-Assist-E-Bike hat wenig Motorleistung: Da brauche ich umso mehr eine sinnvolle Gangabstufung, um in jeder Situation entspannt zu fahren. Sonst kann ich gleich ein normales Velo nehmen. 

Oder ich wähle ein E-Bike mit starkem Motor, den ich immer im Boost-Modus nutze und meine Muskeln schone. Dann reicht auch ein einzelner Gang vollkommen aus. Dies ist beim Light-Assist aber nicht der Fall. Das Reduzierte, der schwache Motor und die fehlende Gangschaltung sind optisch ansprechend, passen für mich im Alltag aber nicht zusammen.

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