Revolution im Peloton: Van Rysel präsentiert ersten Airbag-Rennanzug

Der Radsport wird immer schneller – und gefährlicher. Die Decathlon-Marke Van Rysel hat nun ein Projekt vorgestellt, das die Sicherheit im Peloton grundlegend verändern könnte: einen ins Velotricot integrierten Airbag.

Fabian Baumann, Redaktor (fabian.baumann@velojournal.ch)
News, 14.04.2026

Die Statistik im modernen Profiradsport spricht eine deutliche Sprache. Allein in den letzten drei Jahren kam es zu vier tödlichen Unfällen bei Strassenrennen. Aus Schweizer Sicht besonders tragisch waren der Tod von Muriel Furrer an der Rad-WM in Zürich sowie der tödliche Sturz von Gino Mäder an der Tour de Suisse im Jahr 2023. 

Daneben ereignen sich im Radsport jedes Jahr unzählige Zwischenfälle, die für die betroffenen Sportlerinnen und Sportler mit schweren Blessuren und Frakturen enden.

Steigende Unfallzahlen erfordern neue Massnahmen

Hier will die Decathlon-Marke Van Rysel ansetzen. Laut Angaben des Herstellers verzeichnet die WorldTour jährlich einen Anstieg der Sturzverletzungen um 25 Prozent. In den vergangenen sechs Jahren wurden im Peloton mehr als 1300 Knochenbrüche dokumentiert. 

Während sich das Material der Rennräder rasant weiterentwickelt hat, bleibt der menschliche Körper verletzlich. Nach mehr als einem Jahr intensiver Entwicklungsarbeit hat Van Rysel nun einen ersten fahrbaren Entwurf des «Airbag-Projekts» enthüllt.

Hightech-Schutz in Millisekunden: Die In&motion-Technologie

Für die technologische Umsetzung spannt Van Rysel mit In&motion zusammen, einem französischen Spezialisten für tragbare Airbag-Systeme. Dessen Expertise wurde bereits im Motorradsport (MotoGP) erfolgreich unter Beweis gestellt.

Die Leistungsdaten des Airbag-Systems im Überblick:

  • Intelligente Sensorik: Sechs integrierte Sensoren erfassen die Körperhaltung in Echtzeit – mit 1000 Analysen pro Sekunde.
  • Reaktionsgeschwindigkeit: Registriert die Software einen unvermeidbaren Sturz, entfaltet sich der Airbag in nur 60 Millisekunden.
  • Gezielter Aufprallschutz: Das System schützt gezielt den Brustkorb und die besonders sturzgefährdeten Schlüsselbeine, noch bevor der Körper auf dem Asphalt aufschlägt.

Schweizer Aero-Know-how für den Feinschliff

Der aktuell vorgestellte Prototyp ist ein «Proof of Concept». Auf diesen folgt nun eine umfassende Testphase, bei der für die Aerodynamik auch Schweizer Know-how gefragt ist: Um den Anzug so windschlüpfrig wie möglich zu gestalten, wird er in enger Zusammenarbeit mit den Aero-Experten von Swiss Side im Windkanal getestet und optimiert. Parallel dazu prüfen Spezialisten die Belüftung in der Klimakammer, damit das Tricot mit Airbag an heissen Renntagen nicht zum Backofen wird.

Ausblick: Härtetest auf der Strasse

Der ultimative Härtetest auf der Strasse steht kurz bevor. In den kommenden Wochen werden die Profis des WorldTour-Teams Decathlon CMA CGM den Airbag-Anzug im Trainingsalltag auf Herz und Nieren prüfen. Bis das System standardmässig im Renneinsatz zu sehen ist, dürften aber noch einige Entwicklungszyklen vergehen. Laut Van Rysel ist jedoch geplant, den Airbag in naher Zukunft auch für alle interessierten Rennradfahrerinnen und -fahrer auf den Markt zu bringen.

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