Laurens van Rooijen,
Autor
(lvr@cyclinfo.ch)
News,
20.10.2025
Die Velobranche setzt auf 32 Zoll: BMC, KTM und weitere Hersteller testen die neue Laufradgrösse für Mountain- und Gravelbikes. Wir zeigen Vorteile, Herausforderungen bei Standards und den Zeitplan der Markteinführung.
Laurens van Rooijen,
Autor
(lvr@cyclinfo.ch)
News,
20.10.2025
Gross, grösser, riesig: Nach 27,5- und 29-Zoll steht mit 32-Zoll eine neue Laufradgrösse am Start. (Foto: Maxime Schmid, BMC)
Wer die Entwicklungen in der Velobranche verfolgt, hat es mitbekommen: 32 Zoll zeichnet sich als neue Laufradgrösse ab. Den Anfang machten BMC mit dem «Project Fahrenheit»-Fully in Andorra und KTM mit dem Hardtail «Project Sixty-Four» in der Lenzerheide: Beide Marken setzten bereits 32-Zoll-Prototypen bei Weltcup-Rennen ein.
Inzwischen ziehen weitere Hersteller nach. Der deutsche Premium-Anbieter Bike Ahead hat entsprechende Produkte vorgestellt, und auch Stoll Bikes erprobt die neue Laufradgrösse, wie ein Fahrbericht von Ride zeigt.
Die Vorteile grösserer Laufräder sind bekannt und erinnern an die Umstellung von 26 auf 29 Zoll: Sie rollen leichter über Hindernisse wie Felsen und Wurzeln, bieten durch die grössere Kontaktfläche mehr Traktion und halten hohe Geschwindigkeiten effizienter.
Der Unterschied ist markant: Mit einem Felgendurchmesser von 686 Millimetern sind 32-Zoll-Räder ein grosser Schritt gegenüber den 622 Millimetern von 29-Zoll-Rädern. Der Sprung ist sogar noch grösser als der damalige von 26 Zoll (559 mm) auf 29 Zoll.
Mit Upside-Down-Gabel und Alu-Rahmen ist das «Project Sixty-Four»-Hardtail von KTM ein interessanter Testträger. (Foto: ZVG)
Ihre Vorteile dürften die grossen Laufräder zunächst vor allem im Ausdauer-Segment ausspielen, also an Gravelbikes und Mountainbikes mit kurzem Federweg. Dies spiegelt sich auch bei den ersten verfügbaren Reifen von VeeTire und Maxxis wider.
Es ist zu erwarten, dass die Reifenauswahl bald wächst. Denkbar sind auch «Monster Mullet»-Konzepte mit mehr Federweg, bei denen ein 32-Zoll-Vorderrad mit einem 29-Zoll-Hinterrad kombiniert wird.
Der direkte Vergleich von 29 Zoll und 32 Zoll zeigt, wie gross der Unterschied ist. (Fotos: Velomedien, Laurens van Rooijen)
Auf der Taichung Bike Week im September war die neue 32-Zoll-Laufradgrösse ein zentrales Thema. Deutlich wurden aber auch die Herausforderungen, insbesondere bei der Lieferkette. Nahezu jeder Laufradhersteller auf dem Branchenevent präsentierte 32-Zoll-Felgen.
Meist handelte es sich dabei um gesteckte Aluminiumfelgen mit 30 Millimetern Maulweite – ein kostengünstiger Weg, um erste robuste Laufräder zu fertigen. Bei Komplettlaufrädern und besonders bei den Naben wird es schon komplizierter.
Auch WTB hatte eine gesteckte Alu-Felge mit 30 mm Innenbreite am Start, und Glory Wheel setzt auf gekröpfte Speichen und einen grossen Flansch.
Der Grund: Es herrscht noch Uneinigkeit darüber, welche Einbaubreiten und Achsdurchmesser für die grösseren Laufräder technisch sinnvoll sind. Am Hinterrad konkurrieren der Boost-Standard (148 mm) und der Super-Boost-Standard (157 mm).
Während 148 mm einen schmaleren Q-Faktor ermöglicht, bietet 157 mm mehr Reifenfreiheit und steifere Laufräder.
Noch grösser ist die Uneinigkeit bei der Vorderradnabe: Auf der Taichung Bike Week wurden je nach Einsatzbereich Einbaubreiten von 110 bis 135 Millimetern diskutiert.
Das «Big Ben» von Faction Bike Studio bietet 120 mm an beiden Achsen und stand in Taichung mitten in der Lobby des Evergreen-Laurel-Hotels. (Foto: Velomedien, Laurens van Rooijen)
Diese Uneinigkeit über die Standards und die daraus resultierende Unsicherheit hält grosse Federgabelhersteller davon ab, in neue Werkzeuge zu investieren.
Folglich setzen viele Prototypen auf Upside-Down-Federgabeln, bei denen die Anpassung an grössere Laufräder mit weniger Aufwand verbunden ist. Nabenhersteller befinden sich in einer ähnlichen Lage und würden einen Konsens bezüglich der Einbaumasse begrüssen.
Die Lenkerhöhe ist eine Knacknuss bei sportlichen Modellen mit 32-Zoll-Laufrädern. (Foto: Maxime Schmid, BMC)
Für Rahmenbauer sind die grösseren Laufräder eine Herausforderung. Ausgesprochen kurze Steuerrohre sind eine Lösung, die aber auf Kosten der Steifigkeit im Lenkkopfbereich gehen kann. Auch Vorbauten mit stark negativem Winkel oder kreative Lösungen wie jene von BMC beim «Project Fahrenheit» helfen, den Lenker abzusenken.
Wegen der erwünschten Sattelüberhöhung bei sportlichen Velos stellt sich jedoch die Frage, ob sich auch kleinere Rahmengrössen um die 32-Zoll-Laufräder herum konstruieren lassen.
Die ersten Serienmodelle auf 32-Zoll-Laufrädern dürften ab Mitte 2026 in den Handel gelangen. Bis dahin dürfte auch die Reifenauswahl gewachsen sein. Für eine verzögerte Markteinführung sprechen mehrere Gründe: Technisch bremst die Uneinigkeit bei den Achs- und Einbaumassen die Entwicklung. Betriebswirtschaftlich spricht dagegen, dass noch viele 29-Zoll-Velos in den Lagern von Importeuren und Fachhändlern auf Käuferinnen und Käufer warten. Eine schnelle Einführung des neuen Standards würde diese Lagerbestände weiter abwerten.
Bei den Veloherstellern kristallisieren sich drei Haltungen heraus: Einige lehnen das neue Format ab, andere warten interessiert ab, und eine dritte Gruppe engagiert sich von Beginn an. Da 32 Zoll stark auf den Wettkampf ausgerichtet ist, spielt auch die UCI eine entscheidende Rolle. Ohne die offizielle Zulassung durch den Weltradsportverband für den Einsatz bei Gravel- und Mountainbike-Rennen dürfte sich das Format kaum auf breiter Front durchsetzen und würde auf eine Nische beschränkt bleiben.

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