VCS setzt auf die Franca-Magnani-Brücke statt auf die Velo-Highline

Die Veloverbindung zwischen den Zürcher Kreisen 4 und 5 bleibt umstritten. Nach dem Vorschlag des Quartiervereins kommt nun der VCS zu Wort. Er warnt davor, die Franca-Magnani-Brücke erneut infrage zu stellen.

Aline Kuenzler, Autorin (aline.kuenzler@velojournal.ch)
News, 04.09.2026

Die Franca-Magnani-Brücke soll eine neue Fuss- und Veloverbindung zwischen den Stadtkreisen 4 und 5 schaffen und dabei das Gleisfeld überqueren. Ihre Vorgeschichte reicht mehr als zehn Jahre zurück. Bereits 2005 forderte eine Gemeinderats-Motion einen Veloweg über die Hardbrücke. Der VCS-Co-Geschäftsführer und langjährige Gemeinderat Markus Knauss  versuchte als Gemeinderat diesen zu planen. Der damalige Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker wollte 2014 jedoch keinen Veloweg über die Hardbrücke, welche der kantonalen Hoheit untersteht. Der Kanton zeigte sich stattdessen bereit, eine Veloverbindung auf Höhe des Polizei- und Justizzentrums und des Viadukts mitzufinanzieren.

Inzwischen ist die Planung Franca-Magnani-Brücke weit fortgeschritten. Im vergangenen Sommer brachte der Quartierverein die Idee einer «Velo-Highline» ins Spiel: Statt nach der Querung der Gleise auf Strassenniveau zu führen, soll die Veloverbindung entlang des bestehenden Viadukts auf der Höhe der Bögen weitergeführt werden. Er verspricht sich davon unter anderem eine bessere Trennung von Fuss- und Veloverkehr (Velojournal berichtete).

«Noch einmal 15 bis 20 Jahre warten»

Velojournal fragte Markus Knauss vom Verkehrsclub Zürich nach, wie dieser den Vorschlag aus verkehrsplanerischer Sicht beurteilt: «Für den VCS Zürich hat die Franca-Magnani-Brücke eine hohe verkehrspolitische Bedeutung. Der Verband war 2021 federführend an der Kampagne zu den kommunalen Richtplänen beteiligt. Mit diesen wurde unter anderem ein rund 130 Kilometer langes Netz von Velovorzugsrouten im Richtplan verankert.»

Die Franca-Magnani-Brücke bilde darin eine zentrale Velotangente westlich der Innenstadt und sei deshalb ein wichtiger Bestandteil der Zürcher Veloförderungspolitik.

Eine durchgehende Verbindung auf Viadukthöhe lehnt der VCS nicht grundsätzlich als Idee ab. Das Problem sei vielmehr der Zeitpunkt. Würde die Franca-Magnani-Brücke nun mit einer Highline verknüpft und das Projekt entsprechend neu geplant, befürchtet der Verband massive Verzögerungen. Insbesondere, da man sich im Bereich des Viadukts in einem denkmalgeschützten Umfeld bewege. So müsste man wohl nochmals fünfzehn bis zwanzig Jahre auf eine attraktive Verbindung zwischen den Stadtkreisen 3 und 4 auf der einen und den Stadtkreisen 5 und 6 warten.

Zweifel an der Realisierbarkeit

Hinzu kommen Zweifel, ob die Highline in der vorgeschlagenen Form überhaupt realisiert werden könnte. Das Viadukt und sein Umfeld stehen unter Denkmalschutz. Der VCS will eine Bewilligungsfähigkeit zwar nicht abschliessend beurteilen, schätzt die Chancen aber als gering ein. Stattdessen plädiert Knauss für ein etappenweises Vorgehen: Zuerst soll die Franca-Magnani-Brücke gebaut werden. Anschliessend könnte eine bereits angedachte weitere Brücke über die Limmat auf Höhe des Dammstegs folgen. Erst danach wäre aus Sicht des VCS zu prüfen, ob eine Highline die beiden Verbindungen miteinander verknüpfen könnte.

Die Idee wäre damit nicht grundsätzlich vom Tisch. Sie soll aber nicht zur Voraussetzung für die bereits weit fortgeschrittene Franca-Magnani-Brücke werden.

4,80 Meter für Überholmanöver

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Dimensionierung. Die Franca-Magnani-Brücke soll eine 4,80 Meter breite Veloverbindung erhalten. Ursprünglich sah das Wettbewerbsprojekt lediglich 3,50 Meter vor. Die grössere Breite wurde später im Gemeinderat durchgesetzt.

Für den VCS ist das entscheidend für die Qualität einer stark frequentierten Velovorzugsroute. Bei 4,80 Metern können schnellere Velofahrende langsamere innerhalb derselben Fahrtrichtung überholen, ohne dafür auf die Gegenfahrbahn ausweichen zu müssen.

Bei einer Highline von möglicherweise nur rund zwei Metern Breite sieht der Verband dagegen erhebliche Probleme. Gegenverkehr und unterschiedliche Geschwindigkeiten würden auf einer solch schmalen Verbindung nur schwer zusammenpassen.

Kritik am Motiv hinter der Highline

Deutlich schärfer fällt die Einschätzung des VCS aus, wenn es um die Hintergründe der aktuellen Highline-Debatte geht. Aus seiner Sicht steht vielmehr der Erhalt der Badmintonhalle neben dem Viadukt im Zentrum. Diese müsste für die Realisierung der Franca-Magnani-Brücke beziehungsweise deren Anschlüsse weichen. 

Gerade angesichts der langen Planungsgeschichte ist die Geduld beim Verband begrenzt. Die Franca-Magnani-Brücke beschäftigt die Zürcher Verkehrspolitik seit mehr als einem Jahrzehnt. Eine erneute Grundsatzdiskussion könnte die Realisierung nochmals weit in die Zukunft verschieben.

Aus Sicht des VCS besteht die entscheidende Frage deshalb nicht darin, ob eine Highline irgendwann eine interessante Ergänzung sein könnte. Entscheidend sei, ob Zürich dafür ein weit fortgeschrittenes Projekt nochmals verzögern will. «Planen kann man immer, aber im Vordergrund stehen für mich ausführungsreife Projekte wie die Franca-Magnani-Brücke, die für die Velofahrenden einen relativ raschen Nutzen bringen und die im Übrigen ein grandioses Bauwerk darstellt», schliesst Markus Knauss.

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